"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."

Samstag, 18. Januar 2014

Stoppt das Gebären!

Wenn ich mich trau, wecke ich dein Vertrauen. Auch du traust dich was, aber was du dich traust ist nicht dein Wille, sondern meiner. Mein Wille steht immer im Widerspruch zu deinem, ist immer Angriff. Sag ich: "Einen schönen guten Morgen, wünsch ich", so spürst du in meinem Freundlichkeit keine Verachtung und tust daraufhin etwas Verachtenswertes, weil dein ganzes Sein noch auf einem dualistischem System beruht. Du wirst die Prospekte in den Kasten fürs Altpapier, anstatt sie einzeln zu verteilen. Ich verurteile dich nicht, denn sie landen eh alle im Müll, aber dein Wille zur Macht stört sich daran, denn er strebt stets nach Vollkommenheit und durch dein Handeln bist du mir aufgefallen. Ich sagte: "Danke!" und mit diesem Wort beginnt der Zweifel, denn dankbar ist dir dein Wille dafür nicht und zugleich doch, denn du willst sterben. Der Tod regiert, weil Leben regiert. Leben ist Wille zur Macht. Soll der Wille sterben, muss das Leben sterben. Wenn das Leben stirbt, ist der Tod besiegt. Stoppt das Gebären!
Der Mann der geben will, ist der gütige Gott, doch zugleich bemächtigt er sich der Frau, indem er sie zum Nehmen zwingt. Die Frau meint dem Mann etwas zu geben, aber nimmt immerzu. Der Mann beginnt nun zu ahnen, dass er etwas nimmt, es beginnt das männliche Schuldbewusstsein. Er nimmt der Frau die Möglichkeit der Erkenntnis, denn Erkenntnis hat sie durch den Mann. Der aber fängt nun an zu wünschen sie hätte sie auch ohne ihn. Ihm schwant, er will ja nur verschwinden, zurückkehren in den Schoß der Frau, dorthin wo all sein Leid begann, in der Hoffnung es würde dort gestillt und dort eben nur dort, ist alles Stille, nach der er sich immerzu sehnt. Soll das Leben sterben, muss die Sehnsucht sterben, muss Hoffnung sterben und die stirbt bekanntlich allerzuletzt. Mit dem Gleichstellen der Geschlechter stirbt die Welt. Das Ende aller Tage ist da, doch wir sollen uns nicht fürchten. Wer die Angst besiegt, erkennt, dass jedem Ende ein neuer Anfang innewohnt, denn dann ist ewiges Leben, wenn der Wille zur Macht kein Weg mehr ist, sondern Ziel, wenn Wille Macht ist. Wille kann nur Macht werden, wenn keiner mehr etwas macht. Lasst uns verstecken, denn wer sagt, dass ich etwas mache, dass ich noch da bin, wenn keiner mich sieht, keiner mich hört, keiner meinen Duft vernimmt. Erst wenn ein jeder verschwunden ist, ohne zu sterben, ist der Tod überwunden, denn Tod bringt, der Wille zur Macht und dies ist ein Aktivsein. Da hier Nacht ist, ist dort Tag und solange Tag ist, wacht jemand. Alles muss schlafen, zur gleichen Zeit. Besser noch, oder vergleichbar gut, wenn alles wacht und keiner schläft, wenn alles schweigt und Stille herrscht, wenn nichts ist, außer Natur, dann ist die Vergebung da, denn nur in der Stille kommt die Mutter dazu sich selbst zu vernehmen.

Freitag, 17. Januar 2014

Die Perle

Welch Perle fand ich heut!
Alles ist mir Natur und diese Begegnung im Zug glich einem puren Wunder. Hermann, heute drücktest du mir die Hand, nachdem ich dir meine Hochachtung ausgedrückt hatte. Gerade heute fand ich dich, fand in dir mich und dachte doch zugleich, dass ich wohl eher dein Freund sei, der Türke. Sein Lächeln entsprach mehr dem meinen oder vielleicht lags an seiner Zurückhaltung, seinem Zögern, am meisten an der Auswahl seiner Guitarre. Die war so viel mehr nach meinem Sinn. Nicht so schick, wie deine. Sie passte zu ihm, und deine zur dir, aber sie schien mit zu groß und Göksel sah ich lieber zu. Welch Friedenszug da diese Strecke fuhr, die ich jeden Tag fahre. Für diese Begegnung, so ist mir, war es alle Mühe wert. Ich glaube an Wunder, hatte ich noch zur Optikerin gesagt, glaube, dass ich mich wieder sehend machen kann. Und siehe, was ich heut gesehen, welch Wunder mir dort war geschehen!

Samstag, 11. Januar 2014

Donnerstag, 9. Januar 2014

Et läuft...

Ich habs, ich habs! 
Gar nichts muss vorher laufen,
ich würde die Katze im Sack kaufen! 

Freitag, 3. Januar 2014

"Hier bin ich und auch dort"

Lieber G,

Wer die Einheit erkannt hat, leidet fortan unter dem Bewusstsein
Teilhabe zu tragen an allem - Gutem wie Bösem.
Zu erkennen, dass jeder Moment vollkommenes Begehren in sich birgt, den Mut zu haben sich dort hinein fallen zu lassen, die Scham zu überwinden inmitten der Menge zum Höhepunkt zu kommen und dies genießen zu können, den Wunsch im Boden versinken zu wollen aufzugeben, die Dualität aufzugeben und das Leben zu wählen, dies alles ist nicht von heute auf morgen zu schaffen.
Die letzte Hürde, die zu überwinden ist, ist die Erkenntnis darüber, dass das Leben Leid ist.
Dahinter liegt Nirwana, liegt Himmelreich.

Schön zu lesen, wo du gerade stehst. Dies habe ich heute durchgemacht.

Nichts ist, erkannte ich.
Nichts ist jemals gewesen, alles wird nur, ohn' End.
Alles ist Bewegung.
Schwindel überkam mich.
Alles war laut, alles Chaos.
Angst überkam mich.
"Du bist so nah", hieß mich eine Stimme an.
"Ja, deswegen ja!" sagte ich vor mich hin, stutzte, blickte verstohlen um mich.
Keiner schien mich gehört zu haben.
"Es gibt nichts was dich fürchten braucht, denn alles bist du. Sieh zu den Wolken, wie sie ziehen und wisse: auch das bist du!"

Ich lächelte. Schön fand ich mich. Und ich erkannte meine Schönheit.
"Nichts brauch dir laut sein, nichts Chaos, denn alles ist auch Stille, auch Friede. Lausche nur auf das Schweigen in dir. Lausche geduldig, so wie du dem Wind lauschst, ihm nicht gebietest seine Stimme für dich zu erheben. Du nimmst ihn an mit seinem Schweigen, nimmst ihn wie er ist, willst ihn nicht ändern, maßt dir nicht an seinen Kurs zu bestimmen, so sei auch gegen dich selbst ganz ohne Erwartungen."
Erhaben, fühlte ich mich, erhaben, weil ich erkannte, dass dieser Moment gar nicht existierte.
Nur ich hatte ihn und ich hatte ihn, weil ich er war. 


Ich bestieg den Zug, suchte mir einen freien Platz, setzte mich. Dort saß ein Vater mit seinem Kind. Er hielt es wie eine Trophäe. Ich merkte, dass er darauf achtete, ob ich das Kind betrachtete.
Ich tat es und lächelte. Da lächelte auch er.
Die gleiche Suche.
Einer wird Vater, der andere nicht.
Alle suchen das lächelnde Gesicht.
"Sieh doch, er hat sich aufgegeben für dich. Er will selbst lächeln, und wählt die Freude, durch dich."
"Aber indem seine Wahl auf mich fällt, wählt er da nicht doch nur sich selbst?"

Der Wille, ist im Moment wo er am stärksten ist zu unterdrücken, um ihn zu verlängern.
Ihn zu verlängern, ewiglich verlängern, ist große Weisheit, denn durch die Verlängerung ist nur ein Wille, auf den kein weiterer folgt.
Der Mensch gibt sich auf und wählt doch sich. Wählt Willen, wenn auch nur den einen.
"Wer ist weise? Was ist Weisheit?", fragte ich.
"Weise ist, wer weise zu wählen weiß."

Wer nicht Liebe wählt, ist gescheit, ist genügsam, aber nicht weise, denn der Weise weiß, dass er alles will und in der Liebe ist alles verborgen. In ihr steckt alles, steckt Atman und Brahman. Liebe ist das Tao. Das kleinste und größte. Und so wie im kleinsten alles enthalten ist, so hat er in der Liebe alles und braucht fortan nichts mehr zu wollen. Er schafft die Verlängerung, indem er sie aufgibt, gibt Willen auf, stirbt und sitzt nun zur Rechten Gottes. Der Himmel ist ihm wunderschön.

Alles ist wie immer.

Er kann nun zwischen den Welten springen wie ein seilchenspringendes Kind. Er sieht die Wellen kommen und hüpft freudig herüber. Alles ist ihm leicht, als sei er selbst Wolke. Klart auf, verdunkelt sich, zieht sich zusammen und bricht auf, weint sich aus, wird gewärmt vom Sonnenlicht, labt sich daran, schwebt und genießt, schweigt und bricht zusammen. Wird jeden Abend von den Engeln zu Bett gebracht, schläft und wacht. Liebt, bei Tag und bei Nacht.

Hier liegt Nirwana, liegt Himmelreich.

Nur durch die Liebe kommt er dort hin.

Wer aber die Liebe wählt, der wisse:
er wählt das Tao, er wählt Unendlichkeit, er wählt Kummer und Leid, wählt Einsamkeit und weiß:
"Will ich die Liebe schauen, muss ich in den sauren Apfel beißen."
Er schmeckt nach Fäulnis und Bitterkeit. Alles muss der Weise überkommen, jedes Gefühl der Welt.
Wie wird er hassen, neiden, Ekel empfinden, Wut ausdünsten, Furcht in seinen Magen eindringen lassen, den Tod spüren, ihn sehen, sich in ihm erkennen, seine Stimme vernehmen, die spricht:
"Mich musst du lieben, sonst liebst du nicht!"

Diesen Schmerz überkommen, diesen neuen Sinn, diesen Wahn, dieses Erwachen ertragen, diesen Tod erleiden und hinnehmen, das ist Verzweiflung, Bestürzung und tiefe Depression.
Die Traurigkeit birgt Schuld und die ward durch ihn, durch den Biss in die Fäulnis.

O welch Pein, zu fühlen
an allem schuld zu sein! 
Alles ist durch mich,
und sieh doch,
alles ist so fürcherlich!

"Welch Verrat!", entspringt es ihm da.
"Die Liebe hielt nicht, was sie versprach. In die Hölle hat mich mein Wunsch verbannt."
Zerspringen will er vor Reue. Alles reut ihn, alles war falsch, alles Abstieg, alles Verführung, der er verfallen ward. Nicht Scham bloß, Schande überkommt ihn, übersäuert ihn, verbittert ihn, bringt ihn zum Schweigen, bis zu dem Tag, da die Liebe zu ihm spricht:
"Wählst du immer noch mich?"

Der Weise kniet nun nieder und senkt das Haupt vor seinem Herrn. Mit seiner Bejahung wählt er den Tod und wird beseelt, wird Seele, denn er vergibt. Vertraut, fällt voll Vertrauen und wird zum Ritter geschlagen.

Hier sticht dein Herz nicht mehr und stolpert nicht. Alles ist friedlich.

Er öffnet die Augen und sieht sein eigenes lachendes Kindergesicht.
"Du bist ich!", entfährt es ihm da.
"Ich hab' dich lieb, Papa!", sagt das Ich.
Da ist er in der Liebe, in der kein Begehren ist.
Er hat gefunden, den Vater und die Mutter, und erkennt in jedem Gesicht, in jedem Sonnenstrahl, der durch die Wolken bricht:
                                                                
                                                                      "Hier bin ich
                                                                      und auch dort"

Gräme dich nicht, mein Freund. Wähle weiter die Liebe und du wirst erkennen: In ihr hast du alles.

Es grüßt dich,

Antares


Donnerstag, 2. Januar 2014

Herzenssprünge

Ach, Antares, meine Freude über das Gefühl der Einheit, mir scheint, ich kann es nur in unserem Beisammensein aufrecht erhalten. Deine Abwesenheit geht mir so zu Herzen, dass es mir ständig sticht und stolpert. Je größer die Spanne zwischen uns, desto heftiger dies Ziehen und Zerren in der Brust. Es ist mir Beweis wie sehr du mich bewegst. Du hast mich und nichts lieber will ich sein, als gepackt von dir.
Und doch bin ich immer noch hier und du dort. Wir sollten uns treffen inmitten dieser beiden Orte!

G