Lieber G,
hab einen wunderschönen Morgen mit Emma verbracht. Ach, mein Mädchen...sie ist mir so viel! Einmal ist sie verrückt wie ein Kind und tanzt ganz ausgelassen im Zimmer auf und ab, dann wieder lässt sie lassiv die Hüften schwingen. Es ist schon seltsam wie sehr sich unsere Bewegungen der Kleidung anpassen, die wir tragen. Bin ich noch im Nachtkleid, so bewege ich mich eher kindlich. Meine Bewegungen sind grobmotorisch und nicht im Takt. Zieh ich Hose und Schuhe an, ist es als leiteten sie mich wie ein Metronom und führten mich in den richtigen Rhythmus ein. Der Morgen ist ja wie eine Geburt und wie in Lichtgeschwindigkeit altere ich in den ersten Stunden. Wach ich in Emmas Armen auf, bin ich wie ein Säugling, der das Köpfchen auf die Brust der Mutter stützt. Der Rollentausch vollzieht sich gerad in diesem Moment, da ich mich an den Beginn meines Lebens erinnere, mich kurz darauf vergesse und die genialsten Gedanken in meinen Kopf schießen. Die Ideen kurz nach dem Erwachen sind ja so schön wie Neugeborene. Heut dacht ich, dass man aus alten Hemden ja auch neue machen könnt, indem man einen alten Aufdruck ausschneidet und auf ein neues Hemd aufnäht. Denn es ist ja nicht das Hemd, dass mir so ans Herz gewachsen ist, sondern das Bild, das jahrelang mein Herz bedeckte. Auch verbinden sich Erinnerungen mit den Bildern, ebenso wie eine Sammlung mit getrockneten Blättern. Die Schwierigkeit sich von Dingen zu trennen, ist ja eine tiefsitzende Furcht zu vergessen. Wer Angst hat zu vergessen, der weiß aber wie wichtig Erinnerungen sind, denn vergangene Jahre anzusehen ist manchmal herzergreifend. Erinnerungen, die man sonst vergessen hätte, sind nun doch noch da. Jetzt im Beginn dieser neuen Geburt, kann ich nichts mehr vergessen, da ich mir ja alles notiere. Doch all diese beschriebenen Zettel, gäb ich ja gern hinfort, wenn ich nur wüsst, dass jene fünfzehn Seiten noch nicht auf der Müllhalde verrotten.
Antares
"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."
Mittwoch, 31. Oktober 2012
Dienstag, 30. Oktober 2012
Ach, Stille, du bist mir so fremd!
An Stille muss ich mich erstmal gewöhnen. Wenn sie beizeiten ein Gefühl
von Nervosität in mir hervorruft, so scheint mir, liegt es daran, dass
ich fürchte sie könne mir alsbald wieder gestört werden.
Wenn ich alleine im Hort liege, schreckt mich jedes Geräusch auf. Ich kann schlecht schlafen, weil sie solch Unbehagen in mir hervorruft. Wenn um mich herum Chaos ist, so scheint mir oft, dann ist Frieden in mir. Dann kann ich mich konzentrieren. Dann hab ich das Gefühl, ich müsse mich einfach nur einfügen, in eine Art Puzzle. Ich passe rein und bin inmitten der Realität. Hier ist Welt! Der Kollege Rilke hatte wohl Recht: niemals haben wir den leeren Raum vor uns. Immer ist es Welt, aber vielleicht ist den Menschen heutzutage möglich, weil es ja jetzt auch nicht mehr unvorstellbar ist, in den Weltraum zu fliegen. Ist nicht hier im Stillen ein ganzes Universum, das mir zu Herzen liegt? Mit Baumgartners Sprung aus dem All auf die Erde sind wohl der Vorstellungskraft keine Grenzen mehr gesetzt. Hätte wir sowas für möglich gehalten? Ich wär nicht mal auf den Gedanken gekommen danach zu fragen ob die Möglichkeit bestünde, so absurd war mir die Vorstellung, als ich davon hörte.
Wenn ich alleine im Hort liege, schreckt mich jedes Geräusch auf. Ich kann schlecht schlafen, weil sie solch Unbehagen in mir hervorruft. Wenn um mich herum Chaos ist, so scheint mir oft, dann ist Frieden in mir. Dann kann ich mich konzentrieren. Dann hab ich das Gefühl, ich müsse mich einfach nur einfügen, in eine Art Puzzle. Ich passe rein und bin inmitten der Realität. Hier ist Welt! Der Kollege Rilke hatte wohl Recht: niemals haben wir den leeren Raum vor uns. Immer ist es Welt, aber vielleicht ist den Menschen heutzutage möglich, weil es ja jetzt auch nicht mehr unvorstellbar ist, in den Weltraum zu fliegen. Ist nicht hier im Stillen ein ganzes Universum, das mir zu Herzen liegt? Mit Baumgartners Sprung aus dem All auf die Erde sind wohl der Vorstellungskraft keine Grenzen mehr gesetzt. Hätte wir sowas für möglich gehalten? Ich wär nicht mal auf den Gedanken gekommen danach zu fragen ob die Möglichkeit bestünde, so absurd war mir die Vorstellung, als ich davon hörte.
Montag, 29. Oktober 2012
Will ich Genie sein, muss ich dann die Hölle wählen?
Wie mir das Laufen regelrecht den Geist beflügelt.
Trägheit hatte mich überkommen.
Nun scheint mir waren dies nur Vorboten von den Abgründen,
die sich mir gen Abend auftun wollten.
Ich verzweifelte beim Schritte und mir traten die Tränen in die Augen:
Will ich Genie sein, muss ich dann die Hölle wählen?
Trägheit hatte mich überkommen.
Nun scheint mir waren dies nur Vorboten von den Abgründen,
die sich mir gen Abend auftun wollten.
Ich verzweifelte beim Schritte und mir traten die Tränen in die Augen:
Will ich Genie sein, muss ich dann die Hölle wählen?
Sonntag, 28. Oktober 2012
Höllenqual
Wird denn das Genie in der Hölle geboren?
Das Böse kann ich nicht begreifen
und eben dies Nichtbegreifen
ist mir solch fürchterliche Qual,
dass es für mich Hölle ist.
Ihr kann ich nur im Traum entfliehen!
Das Böse kann ich nicht begreifen
und eben dies Nichtbegreifen
ist mir solch fürchterliche Qual,
dass es für mich Hölle ist.
Ihr kann ich nur im Traum entfliehen!
Samstag, 27. Oktober 2012
Ach, wenn sich doch meine Worte vom Blatt in die Welt erheben könnten!
Lieber G,
wie gütig! Gestern erhielt ich Emma's Segen für meine Herzenswünsche. Sie sähe Dinge aber eben aus anderen Persektiven und ich solle nicht versuchen diese zu ändern. Ich sagte, für mich seien alle gleich und sie echauffierte sich darüber, dass doch ein ehrenwerter Mann nicht mit einem Halunken gleichzusetzen wäre. Wenn ich Menschen als gleichwertig einstufe, dann nur weil ich bei jedem von seiner reinen Seele ausgehe. Wie sich einer gibt, steht doch immer in direkter Abhängigkeit zu dem ab, was er erfahren hat. Neigt jemand zum Gemeinen oder Negativem, so bedarf er doch am ehesten meiner Hilfestellung. Bertram ist doch sehr in der Waage, weil er nicht entschieden ist, wohin sein Weg führen soll, aber doch zugleich kurz vor der Entscheidung. Ich will ihm ja nur einen Stups geben, um seine Gedanke anzuregen, und nicht gar zwanghaft in eine Richtung lenken. Das tut er ja auch für mich und ich bin stets dankbar drum. Wenns ständig heißt, ich würde manipulieren, dann dürft ich ja gar nicht mehr da sein, denn wirke ich nicht immer ein? Wenn sich einer eine Sache wähle und sich mit seinem Herzen dazu verpflichtet, dann sollte er doch nicht zweifeln, ob er nicht lieber wieder von diesem Kurs abkommen sollte, sondern eben dieser Pflicht nachkommen, so gut er kann. Ach, und was ist meine Pflicht? Was kann ich denn schon? Die Schreiberei wirds wohl kaum sein.
Wie oft denke ich, dass es meine
Bestimmung ist, Worte aneinander zu rücken, aber dann weiß ich nicht
sicher, ob es nicht gesprochene Worte sein sollen, anstatt
geschriebene. Ich würd gern dran glauben, dass um die Welt zu bewegen, ich nur eben dies tun muss, dass ich keinen Leser, keinen Zuhörer brauche, außer mich allein, weil es die Welt schon in dem Moment bewegt, in dem es mich bewegt. Ich könnte doch fragen: Wirkt denn meine
Bewegung nicht in die Welt hinein? Ich aggiere! Reicht das nicht? Nur
weil es niemand sieht, heißt es ja nicht, dass es unsichtbar bleibt
in der Welt. Ich bewege ja Atome und Moleküle umher nur durch die
Bewegung, die mein Stift macht. Immer fließender reihe ich meine
Buchstaben aneinander. Wenn alles miteinander vernetzt ist wie ein
Atomkern dessen Moleküle miteinander in Verbindung stehen, dann hat
jede Bewegung Einfluss. Drücke ich demnach diese Stiftmiene auf das
Papier, so verändere ich seine Beschaffenheit. Vorher war die Seite
weiß, jetzt ist sie beschrieben. Ich verändere die Struktur des
Blattes. Ach, wenn sich doch meine Worte vom Blatt in die Welt
erheben könnten! Kann ich mir ein Wort mit einer Seele denken? Ach,
so wär mir ja jeder Buchstabe wie ein Kind, das ich gebäre. Je mehr
ich schreibe, desto mehr Seelen schweben durch die Luft. Ich wünschte
mir die Luft erfüllt von meinen Worten und einen, der dichtet: Der Wind,
der Wind, das himmlische Kind!
Antares
Freitag, 26. Oktober 2012
Der Herbst
So manche bunte Blätterschlacht
macht, dass die Sonne in mir lacht
holt mich raus aus diesem Schacht
Ach, du bunte Herbstespracht.
macht, dass die Sonne in mir lacht
holt mich raus aus diesem Schacht
Ach, du bunte Herbstespracht.
Donnerstag, 25. Oktober 2012
Die Verdammnis beginnt...
Der Zeiger der Uhr springt auf Mitternacht
und die Stimmung schwingt ins Negative.
und die Stimmung schwingt ins Negative.
Die unsichtbare Schmeißfliege
Immer wieder stieß die Schmeißfliege
in ihrem Flug gegen die Fensterscheibe.
Ihr Summen und Brummen riss
mich aus dem Schlaf
und zog mich binnen Sekunden aus meinem Traum,
aufdass ich ihn im Nu vergaß.
Wenig später saß ich am Tisch und
beobachtete
ihre verzweifelten Versuche sich einen Weg aus diesem
Kerker zu bahnen.
Hinter den Fensterscheiben blüht das
Grün,
der Wind umweht die Sträucher und die Blätter der Bäume
leuchten in allen Farben.
Sie sitzt still wie ein weiser Mann und
rührt sich nicht,
im nächsten Moment ist sie wieder Kind und surrt
und springt.
Betritt jemand den Raum, so ist's als sei niemand da.
Die Schmeißfliege ist unsichtbar.
Sie fliegt suchend umher und
bittet: Lass mich frei!
Der Besucher jedoch sieht nur leeren Raum und
geht vorbei.
Mittwoch, 24. Oktober 2012
Der Ursprung
Ohne Zerstreuung
ist jedes Gefühl
ursprünglich
Da wo Zeit ist
ist Zerstreuung
Da wo Ewigkeit ist
ist Ursprung
ist jedes Gefühl
ursprünglich
Da wo Zeit ist
ist Zerstreuung
Da wo Ewigkeit ist
ist Ursprung
Ich will nichts wollen, als das was ist
Lieber G,
Ich bin dir zu Dank verpflichtet. Deine Zeilen haben mich aufgeweckt. Ich nahm Emma bei der Hand und wir verbrachten etliche Stunden im Park. Ein Traumherbsttag! Wir lagen im Gras und suchten
Gesichter in der Wolkendecke. Und ich war eben nur dort! Auch heute
hab ich den Tag so genommen wie er kam.
Fortan will ich nichts mehr wollen, als das was ist!
Antares
Ach, gibt es etwas Furchterregenderes als die Einsamkeit?
Die Kleingärtnerin erzählte
mir von ihrem verstorbenen Mann. Sie meinte sie würde es künftig
unterlassen Pläne zu schmieden, weit in die Zukunft zu denken. Sonst
freu man sich ja doch zu sehr, und dann kommt plötzlich alles
anders und dann noch so furchtbar tragisch, dass man ob der Pläne
noch mehr leide, weil die Pläne wie zusätzliche Erinnerungen sind,
Erlebnisse, die man gern noch geteilt hätte.
Ach, gibt es etwas Furchterregenderes als die Einsamkeit?
Du bist wieder zu ursprünglich, Antares, du fürchtest dich ja nur vor dem Verlassenwerden!
G
Ach, gibt es etwas Furchterregenderes als die Einsamkeit?
Du bist wieder zu ursprünglich, Antares, du fürchtest dich ja nur vor dem Verlassenwerden!
G
Dienstag, 23. Oktober 2012
Ach, ich will noch kleiner werden um dem geringsten gleich zu werden!
Lieber Antares,
Vorhin bin ich rüber zu den
Kleingärten. Ich malte mir ein Leben in einer gemieteten Gartenlaube
aus. Im Sommer könnt man drin wohnen und im Winter verreisen. Die
Miete beträgt jährlich sechshundert Taler. Eine ältere Dame mit
der ich ins Gespräch kam, erzählte mir von Einbrüchen und
Diebstählen, aber dagegen könnt man sich ja schützen. Nimm mich
nicht für voll! Alles Rumspinnerei, aber wenn ich derart rumspinne,
dann seh ich alles klarer. Dann fang ich die letzten Sonnenstrahlen
bewusster ein. Beizeiten war mir in der Stille, da nichts zu hören
war als ein Zirpen und Säuseln, ein Rascheln und Knacken im Gebüsch,
ein Summen und Brummen kleiner Flugobjekte, und mein Blick in den
Baumkronen hing, das hier könnt auch Afrika sein. Die Sonne brannte
auf meinen Wangen und ich spürte die Schweißperlen auf meiner Brust
herunter rinnen und sich in den kleinen Trichter sammeln. Ich
erinnere mich wie ich als Kind in der Badewanne lag und dort ein
Wasserbecken entstehen ließ. Mein Körper war dann die Wüste und
zwischen den kleinen Sandhügelchen befand sich diese kleine Oase.
Ich nahm die kleinen Spielfigürchen und sie erwachten zum Leben.
„Dort, eine Oase!“ rief dann der Pirat oder Cowboy, und ich
erfand mir eine Geschichte nach der anderen, die ich mir selbst
erzählte. Oft hab ich mich gefragt wie es wohl wäre so klein zu
sein, und irgendwie wünschte ich mir manchmal zu verstehen wie sich
das wohl anfühlt. Heute merk ich...der Traum ist wahr geworden. Ich
bin klein, winzig, unbedeutend...nicht nur, weil ich in einer
Gartenlaube wohne. Ach, ich will noch kleiner werden um dem
geringsten gleich zu werden! Könnte ich mir nicht selbst hier ein
Paradies errichten? Die Bäume und Sträucher bekomm ich dazu. Dann
noch ein Baumhaus und eine Schaukel an den Ast gebaut. Welch ein
Schlumpfen-Leben das wär! Wie ein immerwährender Urlaubstag! Ganz
nah beieinander, im Grünen wohnen, nicht viel arbeiten, einen
Brunnen bauen, einen chinesischen Garten anpflanzen. Du solltest auch hinaus und dich von der Natur heilen lassen. Lass dir doch deine Stille anfüllen, Antares!
G
Montag, 22. Oktober 2012
Diese Stille, immer diese Stille!
Lieber G,
diese Stille, immer diese Stille! Wieso kann ich nicht in ihr schwelgen, warum muss sie mich mit Nervosität plagen? Ich würd sie so gern als angenehm empfinden. Stattdessen ist mir immerzu flau. Auf meine Arbeiten kann ich mich nicht konzentrieren und um mich noch tiefer in diesen Zustand des Selbstmitleids zu versinken, greife ich wieder zur Flasche. Ach, wieso will man im Leid nur stets noch tiefgründiger leiden? Na, so ist's ja einfach, nicht? Doch ich bin gewillt, mich zu bemühen, mich meiner Lethargie zu entziehen. Wenn nicht um meinetwillen, dann zumindest um Emma nicht weiter zu belasten. Dass ein Mensch solch Geduld aufbringen kann, entfacht meine Bewunderung. Sie muss mich ja wahrlich lieben, mich in solch Verfassung zu ertragen. Ihre Fürsorge ist mir so angenehm, dass mir die Ahnung kommt, mein Leiden sei mir nur Mittel zu diesem Zwecke, denn wenn ich so stöhne und depremiert bin, dann kann sie ja kaum von mir lassen. Lächelnd bringt sie mir den Tee ans Bett und täschelt mir die Wangen. Brennt das Fieber mir auf der Stirn, so wickelt sie meine Waden in kühle Tücher und misst meine Temperatur. Vielleicht fürchte ich, ihre Liebe könnt nur auf ihre Fürsorge begründet sein und sie würd sich entlieben, wenn sie merkte, dass ich stark genug sei mich allein zu versorgen. Ist es das? Leide ich wieder nur aus Angst?
Antares
diese Stille, immer diese Stille! Wieso kann ich nicht in ihr schwelgen, warum muss sie mich mit Nervosität plagen? Ich würd sie so gern als angenehm empfinden. Stattdessen ist mir immerzu flau. Auf meine Arbeiten kann ich mich nicht konzentrieren und um mich noch tiefer in diesen Zustand des Selbstmitleids zu versinken, greife ich wieder zur Flasche. Ach, wieso will man im Leid nur stets noch tiefgründiger leiden? Na, so ist's ja einfach, nicht? Doch ich bin gewillt, mich zu bemühen, mich meiner Lethargie zu entziehen. Wenn nicht um meinetwillen, dann zumindest um Emma nicht weiter zu belasten. Dass ein Mensch solch Geduld aufbringen kann, entfacht meine Bewunderung. Sie muss mich ja wahrlich lieben, mich in solch Verfassung zu ertragen. Ihre Fürsorge ist mir so angenehm, dass mir die Ahnung kommt, mein Leiden sei mir nur Mittel zu diesem Zwecke, denn wenn ich so stöhne und depremiert bin, dann kann sie ja kaum von mir lassen. Lächelnd bringt sie mir den Tee ans Bett und täschelt mir die Wangen. Brennt das Fieber mir auf der Stirn, so wickelt sie meine Waden in kühle Tücher und misst meine Temperatur. Vielleicht fürchte ich, ihre Liebe könnt nur auf ihre Fürsorge begründet sein und sie würd sich entlieben, wenn sie merkte, dass ich stark genug sei mich allein zu versorgen. Ist es das? Leide ich wieder nur aus Angst?
Antares
Sonntag, 21. Oktober 2012
...wie ein Nebelschwaden
Welch Leere in meine Kopf!
Einen klaren
Gedanken fassen gleicht einer Unmöglichkeit.
Denke ich, so wirken
die Gedanken fremd
als seien sie nicht die meinen.
Sie sind so unedlich weit weg.
Eine Trägheit umgibt mich wie ein Nebelschwaden.
Samstag, 20. Oktober 2012
Ein Traum, ein Traum, juchee, ein Traum!
Endlich träume ich wieder,
endlich ist der Traum wieder Traum
und die Wirklichkeit wieder Wirklichkeit!
endlich ist der Traum wieder Traum
und die Wirklichkeit wieder Wirklichkeit!
Freitag, 19. Oktober 2012
Wo ich bin, ist Welt
Welch Freude kann eine Zugfahrt uns
bereiten, gerade zur Mittagszeit, wenn die Sonne hoch am Himmel
steht. Die Wagons rasen vorbei an Feldern und Wiesen. Da wird mir
buchstäblich vor Augen geführt, dass sich die ferne Wirklichkeit
gar nicht so sehr von der unterscheidet, die sich direkt vor meiner
Haustür befindet. Oft denke ich sehnsuchtsvoll an die ländlichen
Gegenden der amerikanischen Vororte und muss nun entdecken, dass ich
viel zu oft meine Zeit damit zubringe davon zu träumen nach fernen
Ländern zu reisen, obwohl ich mein eigenes noch gar nicht
kennengelernt habe. Wieso zieht es einen so oft weg von dem Ort an
dem wir uns befinden? Ich will darauf vertrauen, dass mir die gleiche
Herrlichkeit in meiner Heimat widerfahren kann wie anderswo.
Donnerstag, 18. Oktober 2012
All das ist!
Lieber G,
seit ein paar Tagen meine ich die Welt ganz anders wahrzunehmen. Mir ist als blickte ich mit neuen Augen um
mich her. Die Realität wird mir so sehr in hellerem Lichte vermittelt, dass ich oft meine ihr jetzt erst richtig bewusst zu werden.
Ich sehe die Dinge an, den Himmel und die Bäume, die sich derzeit so
schön bunt verfärben und bin ganz erstaunt, wenn sich mir ihre Wahrheit offenbart. Ich sage mir: Das ist! Und blicke meine Umgebung an
wie ein Kind, das jahrelang in einem dunklen Keller verbracht hat.
Alles ist mir wie ein schönes Gemälde, selbst noch wenn sich
der Himmel verdunkelt. Regnet es in Strömen, so möcht ich gern
hinauslaufen um die Tropfen auf meiner Haut zu spüren. Der Herbst
verspricht sonnig zu werden. In den kommenden Tagen werden für diese
Jahreszeit ungewöhnlich hohe Temperaturen erwartet. Ich freue mich
auf den Anblick des blauen Meeres über mir. Manchmal stelle ich mir
vor die Welt stünde auf dem Kopf. Dann beuge ich mich vornüber um
alles durch meine Beine zu betrachten, aufdass sich das Bild umkehre
und das Meer zurück auf Erden dreht. Seh ich dann die Zugvögel
Richtung Süden fliegen, so sind sie mir wie fliegende Fische, die
über die weißen Wolkenwellen springen. Wenn das Sonnenlicht dann so
herrlich durch die Baumwipfel und Zweige bricht, so drängt sich mir
der Wunsch auf es regelrecht auszurufen: All das ist! Es mag ja durchaus
sein, dass es anderen ebenso schwer fällt, die Wahrnehmung anderen ebenso nicht bewusst ist, so wie es auch mir
lange Zeit unsichtbar schien. Aber dann unterdrücke ich meine
Euphorie und schreie die Worte in mich hinein, denn niemandem will
ich die Freude über dieses Erkennen vorweg nehmen. Immerhin ist es
erst dann erkannt, wenn ein jeder es mit eigenen Augen zu sehen
vermag!
Mittwoch, 17. Oktober 2012
Der Bergmann
Gähnend wie zur Geisterstund
blickt ihn an der tiefe Schlund
der Bergamnn trotzt der
eingeschränkten Sicht
das Fürchten kennt der Kühne nicht
brennt auch unter ihm kein Licht
seilt er sich ab bis auf den Grund.
Den Hammer schwingend und die Kelle
dort! die Mauer steht an falscher
Stelle
drum gehört sie rasch vernichtet
aufdass er alles was hier fest
verschichtet
aufstößt und das Dunkel lichtet
bis erschöpft er schöpft vom Quelle.
Samstag, 13. Oktober 2012
Nur Geduld
So manches erfordert Geduld und Zeit, und selten genießen wir dabei. Mit
der Freundschaft und der Liebe ist's wie mit den Pflanzen. Sind sie
erst ausgewachsen, so ist's schön sie zu betrachten, aber ihnen dabei
zuzusehen, scheint uns der Warterei zu lang und so sind wir stets
geneigt zu schnell wieder fortzugehen, aus Angst etwas Schöneres könnte
an uns vorüberziehen. Ach, dabei ist's ja nur ein Entfliehen, welches
wir vielleicht noch nicht begreifen oder vielleicht doch so sehr und uns
gerade deshalb von dannen machen.
Immer ist es Angst, die uns in die Ferne leitet, weil wir uns nach mehr sehnen als der Wahrheit, die uns vielleicht viel zu früh zuteil wurde. Wir wollen ja den Zweifel, doch empfinden wir eben mit dem Abstand, das da sehr viel Reinheit war.
Immer ist es Angst, die uns in die Ferne leitet, weil wir uns nach mehr sehnen als der Wahrheit, die uns vielleicht viel zu früh zuteil wurde. Wir wollen ja den Zweifel, doch empfinden wir eben mit dem Abstand, das da sehr viel Reinheit war.
Freitag, 12. Oktober 2012
Gefallen
Für mich lag die größte Wahrheit schon immer in diesem weißen Raum,
im Einander-Verstehen, ein bisschen wie im Traum,
im Einander-Sehen mit geschlossenen Augen.
Gerade deshalb ist sie ja so wahr, weil sie das Unmögliche möglich macht
und uns zu etwas Besserem schafft als wir so oft meinen zu sein.
Wir waren so jung und konnten das Menschsein nicht begreifen,
uns keinen Reim darauf machen was wir hier zu suchen haben,
ob wir nur irgendwer seien,
nur eines der Millionen von Krümeln auf dem Kuchen von Erde,
nur eines der Millionen von Tieren in Menschengestalt,
die wie in einer großen Herde in eine Richtung ziehen.
Bemerkte denn nur einer unser Fehlen,
wenn wir uns umdrehten und anders würden?
Ich will mich nicht fürchten und siehe,
in diesem Sich-Fallen-Lassen in die größte Angst,
da wurd uns das Universum zuteil.
Keiner von uns schien dies zu bemerken,
ganz so als hätten wir alles verstanden ohne es zu wissen.
Jetzt weiß ich:
in unserem Einander-Vermissen lag die größte Erkenntnis des Menschen,
dem Verständnis dessen, dass in der Wiege der Körperlosigkeit
der Schlüssel zu einer Welt des Friedens liege.
Stürbe ein jedermanns Verlangen,
so müsste ja niemand mehr bangen und zum Diebe werden.
Entflöhe der Mensch sich selbst, erhöbe sich zu seiner reinen Seele
und würd dem Gotte gleich,
ach, was wäre dann, was bliebe als „Ewige Liebe“
und die Welt ein Himmelreich.
Samstag, 6. Oktober 2012
Die Reifeprüfung
Ihr mütterliches Herz war voller Stolz. In seinem Nicht-Erscheinen hatte er die Prüfung bestanden. Er hatte hinzu gelernt! Der Verzicht ließ sie in alle Höhen wachsen. Ihre Geduld würde sich auszahlen. Wendete er sich ab von ihr und lernte die Liebe von der dunklen Seite kennen, so würde ihm ja in der Vereinigung der böse Keim gepflanzt. Die Krankheit breitet sich aus. Sie würde da sein und seine Hand halten. Sie würde ihm den Himmel zu Füßen legen und seine Liebe würde ihr die Kraft dazu geben, alles durchzustehen. Er musste auch daran glauben, aber das tat er ja zweifellos. Sie sah ihn vor sich, lächelnd, obschon er voller Furcht war. Zusammen würden sie siegreich sein. Solange wie möglich würde sie den Feind abhalten können, doch in etwas mehr als einem Jahr würde er so sehr fordern sie zu sehen, dass die Tür nicht geschlossen werden würden könne. Er würde eindringen und vorstoßen und sie überrennen wie eine Büffelherde. Was passiert ist, kann nicht rückgängig gemacht werden. Das hatte er erkannt und doch nicht, denn ihr hatte er längst verziehen, nur sich selbst noch nicht. Er hatte Gefallen gefunden an der Sinnlichkeit und konnte sie für sie nicht mehr aufbringen. Das würde nur passieren, wenn sie sie ihm jetzt zu empfinden gebe, denn nun war auf ewig ihr Glück Voraussetzung für das seine.
Donnerstag, 4. Oktober 2012
Siebter Brief
Lieber Freund,
gestern Nacht wollte ich es nun genau wissen. Es dämmerte schon, als sich Gunther und ich an ihr Haus anschlichen. Mein Herzschlag hämmerte in meiner Brust, die Erinnerung an ihren Verlust und die Aufregung ließen meinen Frust nur noch stärker werden. Wir hatten keine andere Wahl: Um uns nicht zu gefährden schlugen wir uns ins Dickicht, in das kein Strahl vom Licht der Laternen zu dringen vermochte. Wir wollten uns so gut verstecken, dass man nur von den Sternen aus uns hätte entdecken können. Nach einigem Warten, näherten sich zwei Gestalten. Vom Weiten her konnte man schon erraten, dass sie es waren. Ich erkannte sie an ihrem Gang und ihren Gesten, und es dauerte nicht lang bis ich in Gedanken auf sie zurannte und sie mit meinen Armen umschlang. Sie hielten direkt vor ihrem Haus, dass an der Seite mit Ranken behangen ist. Ich richtete mich ein wenig auf um besser sehen zu können; das war sehr riskant, doch mein Herz konnte es einfach nicht verstehen, war ganz außer Rand und Band. O welch Schand! Welch Schmerz mich bei diesem Anblick durchfuhr, welch Wut und Zorn und eine unendliche Spur von Traurigkeit. Plötzlich schrie Gunther auf und zog mich wieder hinunter. Ein kleiner Dorn hatte sich durch seinen Mantel gebohrt, doch bei seinem Geschrei hätte man meinen können es sei eine Tarantel gewesen. Wir zogen uns zurück um nicht noch mehr Aufsehen zu erregen. Zum Glück waren die beiden zu sehr mit sich selbst beschäftigt, was meines Herzens Leiden noch einmal mehr bekräftigte. Im fahlen Licht konnte ich des Schurkens Gesicht nur erahnen. Jemand sollte sie warnen! Denn es ist jener, den ich bereits vermutet hatte, der seinen Kopf dem ihren zu nähern begann. O, lieber Freund, sie zu verlieren umzäunt mir mein Herz und lässt alles vollkommen finster werden. Zu ihnen hinüber zu laufen und mich mit ihm zu raufen wäre nicht meine Art gewesen, so hörten wir auf sie zu bespannen und zogen lautlos von dannen. Als ich später im Bette lag, fragte ich mich was ich hätte anders machen sollen, damit es nicht soweit kommt. Unsere Wege werden sich weiterhin kreuzen, doch für mich ist sie nun wie verschollen. O wie ich mich aufrege! Entschuldige, ich muss mir soeben die Nase schneuzen. Mein Leben scheint mir zu Ende, die Hände sind mir gebunden und ich verschwende eine Träne nach der anderen. Es tut mir leid, dass ich's immer wieder erwähne. Ich will dich nicht weiter langweilen, ich selbst gähne ja schon, du sicher bereits seit den ersten Zeilen. Mach dir keine Sorgen! Denn wie mein Vetter Hagen pflegt zu sagen, mit den Gefühlen ist es wie mit dem Wetter: heute Regen, morgen Schnee am dritten Tag, o welch ein Segen, die Sonne lacht wie eh und je. In ein paar Tagen wird mein Klagen sicher ein Ende haben. Dann werd ich dir wieder schreiben, doch für den Moment, will ich verbleiben, mit den herzlichsten Grüßen.
Dein Freund Gustave
gestern Nacht wollte ich es nun genau wissen. Es dämmerte schon, als sich Gunther und ich an ihr Haus anschlichen. Mein Herzschlag hämmerte in meiner Brust, die Erinnerung an ihren Verlust und die Aufregung ließen meinen Frust nur noch stärker werden. Wir hatten keine andere Wahl: Um uns nicht zu gefährden schlugen wir uns ins Dickicht, in das kein Strahl vom Licht der Laternen zu dringen vermochte. Wir wollten uns so gut verstecken, dass man nur von den Sternen aus uns hätte entdecken können. Nach einigem Warten, näherten sich zwei Gestalten. Vom Weiten her konnte man schon erraten, dass sie es waren. Ich erkannte sie an ihrem Gang und ihren Gesten, und es dauerte nicht lang bis ich in Gedanken auf sie zurannte und sie mit meinen Armen umschlang. Sie hielten direkt vor ihrem Haus, dass an der Seite mit Ranken behangen ist. Ich richtete mich ein wenig auf um besser sehen zu können; das war sehr riskant, doch mein Herz konnte es einfach nicht verstehen, war ganz außer Rand und Band. O welch Schand! Welch Schmerz mich bei diesem Anblick durchfuhr, welch Wut und Zorn und eine unendliche Spur von Traurigkeit. Plötzlich schrie Gunther auf und zog mich wieder hinunter. Ein kleiner Dorn hatte sich durch seinen Mantel gebohrt, doch bei seinem Geschrei hätte man meinen können es sei eine Tarantel gewesen. Wir zogen uns zurück um nicht noch mehr Aufsehen zu erregen. Zum Glück waren die beiden zu sehr mit sich selbst beschäftigt, was meines Herzens Leiden noch einmal mehr bekräftigte. Im fahlen Licht konnte ich des Schurkens Gesicht nur erahnen. Jemand sollte sie warnen! Denn es ist jener, den ich bereits vermutet hatte, der seinen Kopf dem ihren zu nähern begann. O, lieber Freund, sie zu verlieren umzäunt mir mein Herz und lässt alles vollkommen finster werden. Zu ihnen hinüber zu laufen und mich mit ihm zu raufen wäre nicht meine Art gewesen, so hörten wir auf sie zu bespannen und zogen lautlos von dannen. Als ich später im Bette lag, fragte ich mich was ich hätte anders machen sollen, damit es nicht soweit kommt. Unsere Wege werden sich weiterhin kreuzen, doch für mich ist sie nun wie verschollen. O wie ich mich aufrege! Entschuldige, ich muss mir soeben die Nase schneuzen. Mein Leben scheint mir zu Ende, die Hände sind mir gebunden und ich verschwende eine Träne nach der anderen. Es tut mir leid, dass ich's immer wieder erwähne. Ich will dich nicht weiter langweilen, ich selbst gähne ja schon, du sicher bereits seit den ersten Zeilen. Mach dir keine Sorgen! Denn wie mein Vetter Hagen pflegt zu sagen, mit den Gefühlen ist es wie mit dem Wetter: heute Regen, morgen Schnee am dritten Tag, o welch ein Segen, die Sonne lacht wie eh und je. In ein paar Tagen wird mein Klagen sicher ein Ende haben. Dann werd ich dir wieder schreiben, doch für den Moment, will ich verbleiben, mit den herzlichsten Grüßen.
Dein Freund Gustave
Montag, 1. Oktober 2012
Von der Ungenügsamkeit
Das Wochenende war schön,
aber wieder ist mir die Schönheit nicht genug.
Ich kann nicht begreifen,
warum ich jetzt hier sitze
und wieder nichts weiß.
aber wieder ist mir die Schönheit nicht genug.
Ich kann nicht begreifen,
warum ich jetzt hier sitze
und wieder nichts weiß.
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