"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."

Sonntag, 29. Dezember 2013

Der Sämann

Das Weib
ist eine Mutter,
die die Ernte ersehnt
Der Mann
ist ein Vater,
der säen will
und ist da ein Weib,
dem die Ernte verdörrt,
so wird es einen tiefen Groll hegen
gegen die Erntefrauen
und ist da ein Sämann,
dessen Samen keinen furchtbaren Boden findet
so wird Mordlust in ihm aufsteigen.
Der Groll des Weibes
wird sich in Lust verkehren,
und die Lust wird ihr gestillt von vielen.
Die Lust aber wird sich in Mordlust verkehren,
in der sich der Sämann erkennt.
Und so kreuzen sich ihre Bahnen.
Das Weib hat es ihm sofort angetan,
doch sie sieht ihn nicht mal an!
Du bist da, denkt der Sämann,
und gebiert sie da.
Dem Weib wird plötzlich klar:
ich bin da!
Übelkeit steigt in ihr empor.
Der Ekel,
den sie sich selbst gegenüber empfindet
richtet sich gegen den Sämann,
der sie erwählt hat.
Die Schuld des Weibes
ist eine Urschuld
die Schuld des Sämannes
ist die des Richters.
Überkommt das Weib
ihre Schuld
und kann sich vergeben,
so kann sie den Sämann lossprechen
ihm seine Schuld
und seine Sünden erlassen.
Der Sämann aber wird daraufhin
in ihr die Mutter erkennen.
Übelkeit steigt in ihm empor.
Der Ekel,
den er sich selbst gegenüber empfindet,
richtet sich gegen das Weib,
das ihn erwählt hat,
denn in ihrem Schulderlassen,
hat sie ihm die Mutter genommen.
Wer dem Sämann
die Mutter nimmt,
befreit ihn
von Begehren.
Ein Zittern wird ihn überkommen,
und das Weib wird ihn halten
und zu ihm sprechen:
Fürchte dich nicht, mein Herz!
Es ist nur die Liebe,
die dich zittern macht.

Samstag, 28. Dezember 2013

Das Land des Lächelns

Fürchte dich nicht, mein Herz!
Es ist ja nur die Liebe, die dich zittern macht.
Deine Empfindungen spiegeln mein Innerstes wider.
Durch unsere Verbundenheit,
ist alles eins.
Ich bin bei dir
und du bist bei mir.
Trotz deiner Abwesenheit, erstrahle ich hier!
Mir ist, als schaute ich durch deine Augen
und erblickte die Schönheit der Welt!
Heute schrieb ich:
ach, dies zu erkennen:
ich liebe!
Mir ist's
wie ein Zum-Leben-Erwachen!
Alle suchen,
ich weiß,
ich habe gefunden
Immer mehr tut sich mir auf:
die Liebe des Lebens gefunden zu haben,
ist der größte Schatz,
den man finden kann.
Es ist mir wie eine Gnade!
Manchmal ist sie mir schwer
wie ein Kreuz,
manchmal ängstigt sie mich...
Aber ich soll mich nicht fürchten.
Ich will sie tragen!
Denn das ist es,
was ich soll: lieben!
Denn nur wer liebt, lebt!
Und das Leben will ich wählen.
Zu erkennen:
hier ist Nirwana
durch dich!
Mein Glück wird mir ewig,
weil ich es mit dir teile,
weil ich gebe,
wird mir etwas gegeben.
Eine Herrlichkeit wird mir zuteil,
die mit Worten nicht zu beschreiben ist:
"Das muss das Tao sein",
denke ich.
Ich sitze schweigend
und lächle
und alles lächelt mich an.
Da füllt sich mein Auge
mit goldenen Tränen an
und alles schweigt still.

Von der Leichtigkeit des Seins

Ach, dies zu erkennen:
ich liebe!
mir ist's,
wie ein Zum-Leben-Erwachen!

Montag, 16. Dezember 2013

Du nur du, Geliebte

Ich will dich
dich
die du dich
nicht has(s)t
dich
die du dich
nicht willst

Weil du dich
nicht has(s)t
weil du dich
nicht willst
hab ich dich

Was ich hab
begehr ich nicht
was ich hab
ist ich
was ist ich?
ist ich?
Oder bin ich
oder nicht?

Ich will mich
nicht mich begehren
ich will mich
mich haben
mich hassen
mich lieben
begehren
will ich dich

Sei nicht ich
gib mir dich nicht
zu haben
sei du
damit ich
sein kann
damit wir
sein können

wir sind nur
wenn du du bist
und ich ich
sind wir

du du
ich ich

sind wir
unendlich?
Oder kürzen wir uns
unentwegt heraus?

Du wirst dich
lieben lernen
die Liebe
kennenlernen
du wirst
deinen Nächsten
lieben wie dich selbst
alles
wirst du lieben
Liebe wirst du sein
Ich bin die Liebe
wirst du sagen
und funkeln werden
deine Augen
Ob der Gnade
tränenüberflutet
Ich bin die Flut
wirst du sagen
und die Ebbe
und der Mond
und alles wirst du verstehen
dass du alles erschaffst
allein durch dein Da-sein
dass alles was an dein Ohr dringt
deine Stimme ist
dass alles eins ist
dass die Welt inwenig dir ist
und wer in dir ist
wird dir vor dein Auge gestellt
du siehst und strahlst
aus deinem göttlichen Mund
und willst deinen Nächsten umarmen
dich
willst du umarmen
du hast dich gefunden
ich bin jetzt nicht mehr wichtig
wirst du sagen
denn du bist ich
dir zählt nun nur noch dein Nächster
du nur du
wirst du sagen
Geliebte

Dienstag, 10. Dezember 2013

Der Sonnenwind

Lieber Freund, 
 
ich kann noch nicht fassen, welch Vorahnung ich beginne in der Tat bestätigt zu sehen...Ach, wünschte nicht jeder blind zu sein bei diesem Anblick! Doch der Schleier, wie wurd' er mir wahrhaftig von den Augen genommen und wie klar bekommt einer zu sehen, ganz so als hätte er immerzu blinzeln müssen um etwas zu erkennen. Mir ist, als schaute ich durch ein Fernrohr und könne mir alles, was mir so ganz ohne Struktur und Definition ward, heranholen wie einen Stern. Sieh doch, seine Kanten und Krater! Mich schaudert's ihn zu schauen! Denn wie tut sich mir da die Frage auf, ob er denn aus sich heraus leuchte oder nur Reflexion einer Strahlung ist, die von außen auf ihn einwirkt. Da ist sie, die Erinnerung! Und ich fragte mich alle Jugendjahre lang, was mir das Wissen über diese Welt denn erklären sollte. Wie könnt ich bei solch Erkenntnissen aus mir fahren vor Wut über mich selbst! Was bildete ich mir ein? Da erstarre ich plötzlich wie ein Bildnis, denn ist es nicht das was ich mir bin? Mein ganzes Sein, es ist mir nichts als ein Gemälde, eine Fiktion, eine Spiegelung meiner eigenen Einbildung! Ich war ja ganz verblendet von mir! Doch welch Verzweiflung! Ich wollte es sein! Denn lieber verblendet, als das zu schauen, was da so fassbar ist für diese und jene! Wie hatte ich es aber doch gespürt, so nahe und wie wurde mir angst und bange als ich es immer näher zu mir heran schleichen sah. Ich wollte die Augen verschließen, wie ein kleines Kind, das meint es würde nicht gesehen, wenn es, seine Handflächen über die Augenhöhlen haltend, sein Augenlicht in Dunkelheit ertränkt. Wie hab ich ihn angenommen diesen Gustave, ach, wie hab ich ihn geliebt...aber auch jenen dort? Du weißt jetzt, Gustave, er wird nicht weichen, hört er doch dein Atmen noch und weiß um deine Lebendigkeit. Du bist nicht tot! Erwache! Erwachse!
Und siehe, ich springe! Ich falle! Starr vor Angst in jenes Dunkel, was ich jahrelang als Silhouetten hatte wahrgenommen. Wie war mir mein Leben seither wie ein Kampf gegen die Schatten, in denen ich Fremde sah, die ihre Hände nach mir ausstreckten, und wie muss ich im Herannahen meine eigenen zehn Finger erkennen. O welch fürchterliche Wahrheit! Es sind meine Hände!, flüstere ich und kann es kaum lauter artikulieren aus Angst jemand könnte meinen Worten lauschen. Doch, ich weiß nun, es ist die Angst, die uns die Freiheit verwehrt. Angst, das zu schauen was dem Menschen das Schauerlichste ist. Ich will mich nicht fürchten! Und wenn mir jetzt noch die Stimme stockt, so will ich mir Mut antrinken. Bringt heran den Wein, heute wollen wir ganz ausgelassen sein! Nichts soll uns lähmen...Wie wohnt doch dem Wanken oft mehr Wahrheit inne als dem strammen Schritte! Ach, ich will's erlernen...irgendwann kann ich's, ganz ohne Rausch. Bis dahin, lasst uns trinken, damit ich mich selbst überwinde. Ach, ich möcht's immer lauter vor mir hin sagen. Die Wiederholung soll es nicht nur in mein Herz einbrennen, sondern auf Hirn und Haut und Haar! Es soll mir auf die Stirn gebrannt sein, aufdass ich immer mich erinnere, wen ich dort im Spiegel betrachte. Was red' ich...mehr noch: auf die Pupillen solls mir gestanzt sein, damit ich es noch sehe, wenn sich mein Gesicht so nahe an die kalte Scheibe heranschiebt, dass meine Augen sich zu einem dritten inmitten der Runzeln zusammen ziehen und die Inschrift zu überdecken suchen. Und sind meine Pupillen zu klein, lass es die Initialen sein! Ich kann sie entschlüsseln, denn hier ist wieder was, was ich bin, heut' nicht mehr Gärtner, Pianist oder Schreiberling...zu alledem bin Schlüsselmacher. Was sonst? Wie viel mehr kann ich finden in mir? Mir ist, als würde die Bewusstwerdung über den Reichtum meiner innerster Bildung mich zurück zum Ursprung bringen. Aber nicht nur meines, sondern für wahr...zum Ursprung allen Lebens! Wie mein ich bisweilen bemächtigt zu sein zurückzufühlen zum tiefsten Kern, nicht meiner eigenen Seele, sondern dem Kern dieses Erdenrunds, auf dem ich gelandet bin. Ich spüre mich, Antares! Ich spüre mich und dich und alle, die mich umgeben, wie viel mehr noch die, die mir fehlen! Wie sehr du mir fehlst, ich kann es nicht äußern. Wie felsenfest und eben so stumm ruht mein Innerstes! Wie ist es gebildet. Sind meine Lehrjahre damit wirklich vorüber? Bin ich nun ausgebildet oder ist die innere Bildung der Ausbildung nicht gar Voraussetzung? Ich bin ja noch ein Wüstenplanet. Bilde dich aus, bilde dich heraus, verbildliche dich, projiziere dich, Gustave! Scheue dich nicht, blühe! Der Himmel meint es gut mit dir...sieh doch, ein Sturm zieht auf. Fürchte dich nicht vor seinem Wüten! Du bist Gewächs...ersehne die Sintflut! Sie wird dich überfluten, doch reich wird die Ernte sein. So und nicht minder, muss ich nun immer wieder das Wort an mich richten, wie einer, der in niemandem einen Lehrer sehen will, außer in sich selbst. Doch wie bin ich im Erkennen, dass dieses eben die eigentliche Einbildung ward, der ich so lange verfallen! Die Welt bildet mich, Antares! Es ist die Welt! Nicht ich selbst, ach wie nahe ist mir da plötzlich ein jeder und allesamt ohne es zu bemerken. Was auch der geringste von ihnen mir entgegen bringt, bereichert mich gleich dem, der sich mir am nächsten wähnt. O wie lieb ich!
Wie fühle ich mich empor gehoben durch diese Liebe, nicht nur ein Stückchen, sondern hoch hinaus in andere Spähren, als sei ich Herrscher über die Gezeiten. Ja, du wirst lachen, doch wenn es Nacht wird und der Mond hoch am Himmel steht, da vermag ich bisweilen in ihm mein eigen Gesicht zu erkennen. Wie dunkel sind seine Augenhöhlen! Und da betrachte ich wieder meine Hände und frage mich wie viel kleiner sie wohl sind, als jene riesigen schattenhaften Ruinen. Wie winzig sind sie mir da! Und doch, erkennt der Mensch seine Winzigkeit gegen das was da um ihn ist, wie lässt ihn eben das erwachsen, da es ihn überkommt: Was meinen Händen an Größe fehlt, vermag meine Seele auszugleichen. Wie ist der Bann gebrochen, wie wird mir der Fluch zum Segen. Ich bin frei, Antares, frei von Armseligkeit!
Der Mond, er ward einst ein Feuerball, doch ist zu Gestein geworden.
Kannst du ihn sehen, den Mann im Mond? Mir ist er so grausig wie ein Totenschädel, doch ich will ihn betrachten. Hat er sich meiner je bemächtigt, hat er je gewütet in mir und nichts als Verwüstung zurückgelassen? Ja, er ist mir wie mein eigenes Grab! Genug! Wer keine Bezeichnung für sich findet, nehme die Bezeichnungen und überprüfe sie auf ihre Kongruenz mit seiner Seele. Wenn ich eins nicht sein will, dann ist's Totengräber!
Wie sehr ich mich auch dem Glauben hingeben will, dass die Zeit die Ewigkeit sei, wird sie es doch erst, wenn ich der Endlichkeit meiner Hände bewusst werde und ihr Zur-Asche-werden annehme. Ach, Antares, mich bangt's, ich weine. Sie sollen nicht bis auf die Knochen verfaulen und nichts in dieser Welt zurücklassen, wenn es so sein soll, dass ich von ihr gehe. Ich will nicht sterben, und doch ich weiß, ich werde. Bist du je darüber verzweifelt? Dass all das was ist, irgendwann nicht mehr sein wird? Doch wie hab ich mir mit diesem Gedanken eine eigene Welt, und somit meine eigene Hölle geschaffen. Stell dir vor, für immer allein, in Dunkelheit verloren und verschollen, jedes Fünkchen Hoffnung auf Erlösung oder Tod wird gleich im Ansatz erstickt, weil dir bewusst wird, dass genau das hier die Ewigkeit ist. Und dann kam Francis! Wie hat sie mich erweckt! Und wie wach war ich da plötzlich, wie hab ich gezittert am ganzen Leibe, als ich sie anblickte und sie mir im Mondesschein so madonnenhaft wurde. Das war mir so irdisch, so körperlich, so greifbar, dass ich es tatsächlich fassen konnte, denn sie lag neben mir, Antares. Ich blieb ganz stumm als meine Hände sie berührten und nicht ins Leere griffen. Sie war mir wie ein Engel...ein Engel auf Erden! Ich lebe, ich lebe! Doch wenn ich jetzt lebe, was wird sein, wenn ich sterbe? Wenn das hier das Himmelreich ist, wohin werde ich einkehren nach dem Tode? Ich weiß jetzt, nicht jede Welt wird sterben, wenn ich nicht mehr bin. Wenn ich verglühe und auskühle, wird es weiter blühen in diesen Straßen. Da werden Menschen wandeln und die Bäume werden nicht aufhören sind im Winde zu neigen. Ich bin nur dieser oder jener...nur einer von vielen. Ach, und wie viele wird es geben, die gar meinen Namen tragen. Hast du jemals einen getroffen, der sich dir vorstellte, als grüßte er dich? Oder hast du jemals einen getroffen, der das Licht dieser Welt am selben Tag wie du erblicktest? Meinst du es gibt da einen, dessen erster Schrei wie ein Echo auf meinen ward? Ach, wie würd ich für ihn empfinden wie für einen Zwilling!
Oder bin ich mir gar mein eigener Zwilling?
Da ist sie, Antares, das ist die einzige Frage, die der Mensch beantwortet haben will und wie bildete sich die Antwort in mir heraus in den vergangenen Tagen. Aus den verschwommenen Farben werden Silhouetten, aus Schattenbildern Formen und aus den Formen eben bilde sich jeder was er mag! Wie bin ich da im Erwachsen, wenn ich mich mit den Bauklötzchen spielen sehe. Mein Werden, ich kann es doch nun selbst bestimmen, indem ich mir zum Vater werde. Ich kann mich bei der Hand nehmen und sagen: Hier mein Kind, nimm diesen Stift und dieses Papier und bring sie irgend zusammen! Siehst du, wie ich lerne die Zusammenhänge zu erkennen? Wie ich plötzlich verstehe, welche Farben zusammen gehören und welche Formen? Da will ich gar mich selbst umarmen und mir mein Köpfchen streicheln. Ist er nicht eine Wonne, unser Gustave?, höre ich mich sagen, während ich ein Püppchen in den Armen halte und es im Tanze hin-und herwiege. Hast du diese Liebe je gekannt? Wie gönn' ich dir sie zu empfinden. Mein verträumter Blick kommt mir gleich dem derer, die wahrhaftig ein Kindlein in Armen halten. Wie ahne ich es zu fassen. Der Traum mich zu zerteilen, mir einen Zwilling zu gebären, er schlummert in mir. Ich glaube es nicht nur, ich weiß es! So deutlich wie meine Hände habe ihn gesehen. Doch bis ich mir den ersten von dreien erwählen kann, muss ich die anderen beiden gefunden haben. Wer wird sich dann mit mir vereinen? Ist es Francis, oder bist du es, Antares?
Denn wenn es das ist, was die Menschen als höchste Empfindung bezeichnen, so reicht's doch nicht im geringsten an den Wert, mit dem ich dir zutan bin. Niemandem will ich ewige Treue schwören als dir, denn die wahre Liebe, sie ist mir so frei von körperlichen Verlangen, so rein und wahr wie ich sie für niemandem aufbringen kann als dich. Dies mag recht sonderlich für dich klingen, doch ich will es heraus sagen wie es ist und es ist!, wahrhaftig!...es ist, so wie meine Hand ist und mein Hirn. Mein Herz, ich kann es nicht fassen und doch weiß ich, es ist da! Du Antares, bist der einzige, der mir immerzu blüht, ob fern oder nah, denn du bist mir der hellste Stern am Himmelszelt meines Herzens und das Wissen darüber habe ich immerzu geahnt, nur war ich stets bemüht es mit aller Macht zu vergessen. Ich wollte Reißaus nehmen und entfliehen in diese Welt, von der mir so wunderlich zu Ohren kam, von der alles so schwärmend zu berichten weiß, doch eine Welt ohne dich, sie ist mir nicht real. Denn ich weiß noch als ich dich zum ersten Mal sah, du warst mir wie eine Erlösung, wie ein Licht in dunkler Nacht, das vermochte mir alles zu erleuchten, auf dass kein Schatten mehr wohnen sollte in mir. Wäre es nicht um dich, so wäre ich längst nicht mehr hier; ich kannte dich, noch bevor ich dich kannte, denn auf niemand anderen als dich hatte ich gehofft und niemand anderen als dich hatte ich mir gewünscht. Du bist mir wahr geworden...schon damals, ich sah es und wollte niemals mehr weichen von deiner Seite, doch durch die Ferne, die uns nun trennt, in die ich mich auf meinen eigenen Beinen begeben habe, sehe ich es wie es mir in deiner Nähe nie hätte einleuchten können. Du bist eben der Stern, der mir die Nacht zum Tage werden lässt, du bist die Sonne und ich bin der Wind. Das himmlische Kind, ich hab es gefunden...in dir! Ach, wie wahr, wie wird mir das Leben da wunderbar! Zusammen sind wir der Sonnenwind, der diesen Planeten beschützen wird, wenn sich alles umkehrt und wendet. Ach, welch gutes Ende steht uns bevor!

In ewiger Liebe, 
 
G

Montag, 9. Dezember 2013

Der letzte Magister

Sehr geehrter Herr Professor,

wie soll ich diese Mail beginnen? Dass Ihre Sprechstunde in dieser Woche ausgefallen ist, ist vielleicht ein kleines Omen dafür gewesen, aufdass ich den Mut aufbringe ein paar ehrliche Zeilen zu schreiben. Angesicht der Tatsache, dass wir noch eine Weile miteinander in Kontakt stehen müssen, empfinde ich es als äußerst dringlich, dass ich nicht vorgebe jemand zu sein, der ich nicht bin. Das führt nur zu einem weiteren schmerzvollen halben Jahr. Oft habe ich das Gefühl die Sehnsucht der Menschen in meinem Nacken zu spüren, dann aber wieder weiß ich, dass jede Projektion auf andere nur ein Spiegel meiner eigenen Seele ist.

Für den langen Aufschub sollte ich mich vielleicht nicht entschuldigen, da ich mittlerweile soweit bin, dass ich weiß, dass kein Sinn darin liegt, eine Entscheidung zu erzwingen, zu hasten, zu hetzen, wie es dem Gegenwartsmensch zur Eigenschaft geworden ist. Ich schreibe aus der Perspektive eines jungen Menschen, der tagtäglich umgeben ist von den Schwingungen der Gesellschaft. Das Paradoxeste ist, dass ich selbst Mensch bin und mich gegen die Manipulation kaum verwehren kann. Um dies zu erreichen erfordert es so wahnsinnig viel Konzentration. Es ist ein tagtäglicher Kampf ums Überleben. Alle Menschen sind so voller Furcht. Ich kann nur von meinen Beobachtungen sprechen, wobei ich genau weiß, dass meine Beobachtungen auf mein Innerstes schließen lassen. Ich will nicht ständig das Gefühl haben, dass wir auf einer Ebene kommunizieren, die eigentlich auf keiner gemeinsamen liegt, sodass es einem vorkommt, als schrien wir einander aus verschiedenen Räumen zu, als seien wir so weit voneinander entfernt, dass wir die Augen des Gegenüber nicht sehen können.

Jahrelang quälte mich der Gedanke, keine Wissenschaftlerin zu sein, und demnach dieses Studium niemals zu Ende bringen zu können. In den letzten Monaten habe ich gelernt, wie sehr unsere Gedanken unsere Realität schaffen, wie sehr jede Realität Ursprung unserer Zukunft ist. Denn solange ich so gedacht habe, bewegte ich mich wie in einem Teufelskreis, aus dem es kein Ausweg zu geben schien. Seit ungefähr zwei Jahren erlebe ich nun etwas, von dem ich versuche den Menschen in meiner Umgebung etwas begreiflich zu machen. Nicht selten werden meine Ansichten als verrückt oder wahnsinnig abgetan. An Tagen, an denen eine Erleuchtung mir mein Gemüt erhellt, prallen diese Einschätzungen an mir ab, und ich lasse mich nicht aus der Fassung bringen, aber in Zeiten wie diesen, ist es schwierig die Balance zu halten. Zweifel überkommen mich, ganz so, als glaubte ich fremden Meinungen mehr als meiner eigenen Intuition, als hörte ich mehr auf Stimmen, in denen ich oft meine, selbst eine gewisse Portion Wahnsinn zu erkennen. Natürlich spinne ich herum, aber das liegt nur daran, dass ich mir die Welt auch ab und an durch die Augen meines inneren Kindes betrachte, einen Kopfstand mache und lächle, nicht denke, mich verliere...Mich verliere um mich in Folge dessen zu finden. Manchmal kommen solche Worte wie erzwungene Tiefgründigkeit rüber, eben weil es jetzt darauf hinaus gelaufen ist, dass ich mich zunächst per Mail an Sie wende. Wahre Kommunikation müssen wir ohnehin erst wieder erlernen und ich denke in der direkten Konfrontation hat uns Studenten nie einer nahe gelegt, nicht zu vergessen, dass der Herr Professor Doktor auch ein Mensch ist, auch eine Seele hat, auch Gefühle hat und zudem ein höheres Maß an Weisheit besitzt, dass man sich an ihn wenden kann, wie man sich an einen Vertrauten wendet, an einen Arzt, einen Helfer, einen Unterstützer, einen, der versteht, oder von dem man zumindest Verständnis erwarten kann. Von meinen Mitmenschen wird mir eben diese Hilfe von allen Seiten angeboten und in jedem, der mir die Hand reicht, erkenne ich solch großes Schuldbewusstsein, solch eine vorgetäuschte Güte, aufdass niemand erkenne, wie viel Grausamkeit dieser Seele inne wohnt. Und wieder könnte man nun auf auf meine eigene Gefühlswelt schließen, denn schließlich sieht jeder nur das, was er sehen will und oft ist es das Beste die Augen zu verschließen, nichts mehr zu sehen, zu verweilen im Dunkel, eine Weile in seine Einsamkeit zu fliehen, um wahrlich zu sehen. Vielleicht erklärt das meine Semesterzahl. Ich bin ja nun mal auch einer der letzten Magister, die Sie betreuen werden und da geht ja auch für Sie etwas zu Ende. Ist es denn weise sich zu fürchten vor seiner Wut? Was wird denn geschürt, wie sollen wir noch anders fühlen bei den täglichen Schreckensnachrichten, wie anders sollen wir uns entwickeln, da doch alles in uns eingeht, sich in unseren Träumen verankert um uns neue Impulse zu geben, neue Geistesblitze, von denen wir dann meinen, jetzt haben wir etwas Tolles erkannt. Die Menschen streben, schuften...der neue Vibe lautet: Hoffe nicht, arbeite hart!...gleichzeitig soll aber jeder sich selbst verwirklichen und da sprießen die neuen Unternehmen aus dem Boden, als ginge eine neue Saat auf. Eigenvermarktung, die Perfektion des Ichs, das Genie an die Oberfläche bringen, ein Wagnis eingehen um zu gewinnen. Und bloß kein Wort drüber verlieren, denn Schweigen ist Gold.
Das Klima ist vergiftet mit narzistischer Selbstüberschätzung, Naivität und einem Glaube an den freien Willen, dass alles zu lenken sei, wie man es gerne hätte. Das sind kindliche Geschöpfe, die Stresshormone ausstoßen, wenn sie ihre Smart-Phones zuhause liegen gelassen haben, die nicht wissen wie man überlebt. Und wieder könnte man von Selbstreflektion sprechen und wie oft pendelt man sich wieder ein in diesen Rhythmus, da doch die Welt uns den Takt angibt...da ist es schwierig das innere Gleichgewicht zu halten, denn das mag ja vielleicht in Andante schwingen, anstatt in Allegro. Was dann? Was ist, wenn man erkennt, dass in der Ruhe die Kraft liegt, im Nichts-Tun, im Hoffen, im Wissen. Sollte man dann zuhause sitzen und einfach nur abwarten? Sollte man heutzutage kein Studium abschließen oder ist vielleicht gerade der Studiumsabschluss eine Tat der Hoffnung? Semesterlang habe ich „nichts“ gemacht, ach und wie viel habe ich erkannt in diesem Nichts-Tun, wie viel habe ich dort getan, wie sehr bin ich einem Ruf gefolgt, von dem ich nicht wusste wohin er mich führen würde. 

Als mir mein Onkologe nach sechs Jahren Nachsorge sagte, ich sei nun offiziell geheilt, brach eine Welt für mich zusammen, denn das bedeutete, dass ich nun tatsächlich wieder hinein begeben muss in diese Wirklichkeit und es ist mir, als sei ich erwacht aus einem jahrelangen Schlaf. Ich kann nicht glauben, was sich hier entwickelt hat. Doch die Weise wie ich dieses Jahr diese vier Abschlussprüfungen hinter mich gebracht habe, ist mir Zeugnis für eine Wandlung, eine Art Transformation, die ich nicht verleugnen kann, weil ich weiß, dass es möglich ist, sich selbst neu zu gebären. Ich fürchte mich und will mich doch nicht fürchten. Ich will Furcht haben, weil ich weiß, wie fatal es wäre sie nicht zu haben, wie überlebensnotwendig es ist, sie zu haben. Ich habe mich durch Phasen hindurch kämpfen müssen, von denen ich im Nachhinein weiß, dass ich es nur meinem Kampfgeist und meiner Erfahrung, wie man es schafft, den Tod zu besiegen, zu verdanken habe, dass ich nicht den Weg zur nächsten Heilanstalt eingeschlagen bin. Das war ein sich in Ketten legen, ein Ausharren, ein sich nicht Irremachen lassen von der Gesellschaft. Seither habe ich den Mut gefasst es zu wagen, mich mit der Zeit vertraut zu machen und alles was ich sehe, ist in der Tat der pure Wahnsinn. Die Menschen werden verblendet, beschäftigt mit Skandalen, politischen Krisen, Kriegsbildern, die uns ein Gefühl vermitteln sollen, wie gut es uns geht, aufdass keiner auf den Gedanken kommt, seine eigene Freiheit in Frage zu stellen, aufdass keiner erwache und zugleich wird der Mensch selbst auf dieses Erwachen vorbereitet. Buddha-Figuren in allen Schaufenstern, Meditationskurse für die Mittvierziger, Yoga für die jungen Frauen, Kampfsport für die Männer, Ernährungsberatung, Bio-Kultur. Welch Verblendung! Folgt man der Stieg Larsson Triologie folgt darauf die Verdammnis. Vergebung kann erlangt werden, aber nur, wer es schafft sich selbst zu vergeben, wer es wagt sich einzugestehen, dass die ach so tolle Erkenntnis, endlich den Sinn für das eigene Dasein erkannt zu haben, seine Passion, seine Bestimmung gefunden zu haben, wieder nicht die letzte war. Denn wer nun sein eigenes Leben in die Hand nimmt, sich wagt, Künstler zu sein, Schriftsteller zu sein, Maler zu sein, neue Kollektionen zu entwerfen, (denn Mode ist dank Shopping-Queen und intellektueller Vermarktung durch Markus Lanz ja ganz hoch im Kommen), der wird bald erkennen, was mir ein gewissen Jaques Lacan nahe gelegt hat, dass auf die Erfüllung jedes Begehrens ein neues folgt, dass wir niemals zufrieden sein werden, dass wir immer mehr wollen und uns infolge dessen zu Tode schuften. Wer hält inne? Wer wagt das Nichts zu wollen? Und was ist das Nichts? Für mich bedeutet dieser Studiumsabschluss genau dies. Nichts. Er ist nur ein weiterer Schritt in Richtung höherer Weisheit, denn es wäre ja fatal jetzt so überheblich zu sein und zu denken, ich könnte es ohne zu mehr bringen, als mit. Denn ist ja unbedingt notwendig seinem Begehren nachzugehen und auch, wenn alles in mir nach Freiheit schreit und ich diese Freiheit nicht inmitten dieser Gesellschaft sehe, wäre es ja ein thoreauscher Fehler, sich in die Wälder zu begeben um das Leben zu führen, das einer sich wünscht zu führen. Soweit sind wir noch nicht und man kann die Uhren nicht vordrehen, man muss geduldig sein und mit dem Strom ziehen, auch wenn man sich zuweilen wie auf einem Maskenball vorkommt. Sein Studium beenden bedeutet nichts und zugleich doch alles, denn erst, wenn ich erkenne, dass etwas nichts bedeutet, weil ich eine höhere Bedeutung erkannt habe, dann weiß ich, wohin ich gehen muss. Mir ist, als gäbe es zwei Wege im Leben, von denen keiner der richtige ist. Alles, was ich tue ist falsch, aber was soll ich noch tun, wenn alles falsch ist? Es gibt nur die einzige Erkenntnis, zu wissen, dass es nichts zu erkennen gibt. Hat das heutzutage noch Aktualität? Die gegenwärtige Philosophie beschäftigt mich eher wenig und ich weiß nicht so genau, was in diesen Kreisen besprochen wird. Ich kann nur wissen, was ich erkenne, wobei erkennen im Allgemeinen gleichgesetzt wird, mit einem philosophischen Gedanken, einer Erleuchtung, die in Worte gefasst werden kann. Etwas erkennen bedeutet doch viel mehr etwas sehen, aber nicht mit den Augen, sondern mehr mit dem Herzen und darauf läuft alles hinaus. Wir sind wie kleine Prinzen, die allein auf einem Planeten wohnen. Einsamkeit steht in die Gesichter geschrieben, die ich tagtäglich in den Bahnen und Bussen vor mir sitzen habe, Tränen in den Augen der Lachenden, Angst in den Wagemutigen, die sich nun für Extremsportarten interessieren, Hoffnungslosigkeit in den Suchenden, die sich in eine neue Religion flüchten, einen neuen Hype. Alles Blätter im Wind, die ihre Halt verloren haben, und die Stürme um uns her werden immer heftiger. Wieder ein neuer Monsun, verseuchte Meere, Artensterben, Menschensterben und die Klüfte zwischen Arm und Reich werden immer größer. Und doch geht alles in Richtung Freiheit, denn auch wenn sich alles in Kreisen und es oft scheint, als entwickelten wir uns zurück, so ist jede Verdummung auch eine Rückkehr zu unser wahren Natur, einer Einfachheit, einer Menschlichkeit, eine Resignation, ein Erkennen, dass es nichts zu erkennen gibt, ein Annehmen dessen und ein Eingehen in eine Art fünftes Element, das sich Liebe nennt. Ok, jetzt wird’s spooky, ich sollte zum Schluss kommen, aber genau das ist es. Dieser Wahnsinn ist es, der umgeht, eine Folge von Evolution, der wir immer angehören, Mutation, Veränderung des Erbguts, Erinnerung. In der Schule lesen die Abiturierten nun Wolfgang Teubens „Tauben im Gras“, damit Nichts in Vergessenheit gerät. Welch geschickter Schachzug die Wehrpflicht abzuschaffen, welch geschickter Schachzug immer mehr Ballerspiele zu entwickeln, ach, diese Sehnsucht der Jugend nach dem Kriege, nach den Trümmern, nach dem Leid, weil keiner mehr weiß, was Leid ist, weil keiner mehr fühlt, weil sich alles sehnt nach den eigenen Tränen. Wut über Tierversuche, Vegetarier sind im Kommen, alles eine Folge der Fortschritte in Medizin und Wissenschaft, denn in den Augen der 30jährigen liegt etwas Kindliches, etwas Unschuldiges, ein Blick, an dem zu erkennen ist, ob Vater und Mutter noch leben oder nicht. Keine Sorge, meine leben auch noch, deswegen weiß ich es ja. Und wie hipp ist es derzeit über alles bescheid zu wissen, was es an Neuigkeiten zu berichten gibt. Werbetafeln in den U-Bahn-Schächten, Neugierde, suchende Blicke, hoffnungslos und doch so reich an Hoffnung. Denn wer sucht, der wird finden, wenn er auch nicht weiß, wonach er überhaupt sucht. Ach, und selbst das sind alte Kammellen, alles alt, alles Schnee von gestern, alles Erinnerung, alles eine einzige Wiederholung, immer und immer wieder. Alles dreht sich, vor allem in meinem Kopf und deshalb fällt es mir so schwer eine Entscheidung zu fällen. Aber vielleicht sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht, vielleicht bin ich mittendrin im Thema. Wie sollte ich etwas anderes thematisieren, als das, was eine Art Verlangen in mir auslöst? Sie haben gesagt, dass ich pragmatisch vorgehen soll. Habe das mal im Duden nachgeschlagen: auf die anstehende Sache und entsprechendes praktisches Handeln gerichtet; sachbezogen. Synomyme wären: den Erfahrungen entsprechend, handlungsbezogen.

Es ist meine Arbeit, meine anstehende Sache, von der ich keinen blassen Schimmer habe, was sie sein wird, weil ich nicht wissen kann, wohin mein Begehren danach driften wird. Jeder zweite fürchtet Altersarmut, stand die Tage auf diesen Bildschirmen, die jetzt überall aufgestellt werden. Diese Angstmacherei, diese Gedankenpflanzerei, aufdass die Menschen ein langes Leben haben, arbeiten, alt werden. Und wie erfolgreich wird der Wille gepflanzt. Wille zum unabhängigen Leben, ein Wille, von dem jeder meint, dass es sein eigener ist, und doch machen sich alle nur noch abhängiger dadurch. Gibt es noch einen freien Willen? Alle wollen alt werden, aber dabei jung bleiben, fit sein, ein schönes Haus haben, Porsche fahren. Ach, diese Euphorie in diesem neuen Lebensgefühl. Alles blüht auf und ist doch schon wieder zum Verwelken verdammt, denn mit jeder Euphorie geht das Gefühl von Furcht einher. Furcht vor dem Anderen, Furcht, dass mir einer zuvor kommen könnte, Furcht, dass mir jemand meine Idee wegschnappen könnte, meine geniale Idee, die mir die Weltherrschaft bringen wird. Hahahahaha! Ist das nicht der Wahnsinn? Überschattet von übertriebener Hilfsbereitschaft, damit keiner hinter den dunklen Plan schauen kann. Wieder eine neue Generation, die sterben wird, anstatt den Tod zu überleben. Und in der Furcht vor dem Anderen, wird die eigene Menschlichkeit verkannt, vergessen ist die Angst vor dem eigenen Tod, vergessen ist die Seele, weil die Diskussion um das Seelenleben wieder mehr in den Mittelpunkt rückt. Es ist als befänden wir uns im Auge eines Sturmes, den wir nicht sehen, weil hier alles still ist, weils uns ja gut geht. Aber wo wird es diskutiert? In den hohen Kreisen, also und in den niedrigen. Literatur als Vermarktung der eigenen Genialität, der Autor als traumatisiertes Kind, das immer noch meint, dass es doch etwas zu erkennen gibt. Hoffnung, die wie Hoffnungslosigkeit aussieht. Das ewigwährende Paradox. 

Ich habe wenig Ahnung von Literaturtheorien und bin ohnehin eigentlich gar nicht bewandert, was wissenschaftliches Arbeiten angeht, aber der Wille es mir anzueignen ist da und ich will daran glauben, dass es meiner ist. Ein Wille, den ich entwickelt habe, weil ich erkannt habe, wie wichtig es für meine Seele ist zu lernen...zumindest noch für eine Weile, von der ich auch nicht weiß, ob sie mein Leben überdauert, oder ob irgendwann mal Schluss ist. Vielleicht nehme ich auch diese ganze Thematik und verzier sie mit etwas Mythologie, schreibe einen neuen Harry Potter für die neue Generation der Verschwörertheorien-Anhänger, das Warten der einen auf den neuen Messias verknüft mit den neusten Forschungen der Neurologie und Physik. Hier ein Gottesteilchen, da ein bisschen Sonnenwende, Maya-Kult, Illuminati-Gedöns, Geldscheffelei, CIA, Spionage, die Neue Weltordnung. Es wäre so einfach irgendwer zu sein heutzutage, sich eine Namen zu machen, sich einzureihen in die Elite, um sich einen Platz in der Arche zu reservieren. Aber ist das erstrebenswert? Will ich das? Will ich überhaupt irgendwas? Wozu etwas wollen, wenn danach doch nur wieder ein neuer Wille folgt? Nun ja, jedenfalls ist es in diesem Erwachen äußerst schwierig, von dem Gedanken selbst das Potential des Messias zu haben, wegzukommen und mal aufm Teppich zu bleiben, aber das beweist ja nur, was gerade mit uns passiert. Ich behaupte, dass es allen so geht, auf die ein oder anderer Weise, ist jeder gerade im Umbruch, als verändere sich etwas in unserer DNA. Und auch der Gedanke, wieder gestiftet von Spinnern, esoterischen Fanatikern, Kranken, Wahnsinnigen. Wem kann ich glauben? Wem, was, wenn nicht meinen eigenen Sinnen. Was ich sehe, höre, fühle, das ist meine Welt, meine Wahrnehmung. Die Menschheit will gesunden, will Fehler wieder gut machen, will Buße tun, will retten, was zu retten ist, will alles ausbügeln, die Falten glätten (wem die Hände gebunden sind, der geht joggen, um zumindest was gegen die Falten im Gesicht zu tun) und ist auf dem Weg immer kranker zu werden. Welch hoffnungsvoller Ausblick! Denn in alldem liegt der Anbeginn eines Gesundwerdens, wenn es auch noch einiges an Geduld erfordert. Letztendlich ist es gut, dass alle sich stählern in den Muckibuden, denn den Sprung über den Abgrund schaffen nur die Trainiertesten. Letztendlich ist also alles gut. Wenn das mal jeder wüsste! Ach ja, wenn man jeder wüsste, was ich weiß. So wird gedacht und alle wollen ihre Erkenntnisse mitteilen, aus einem tiefen Aufmerksamkeitsdefizit heraus. Ich habs geschnallt und die anderen verstehen nur Bahnhof. Was wär die Welt ohne Bahnhof? Würde sich dann hier noch was bewegen? Würden wir einander noch helfen, oder würde sich jeder wieder zu Stein verwandeln, zu Sternenstaub, wenn keiner mehr spräche, keiner sich mehr bemühte zu finden, zu begehren, zu verlangen? Immer diese Kritik, dieses einander verurteilen, über einander herziehen, verachten, hassen, für wahnsinnig erklären, immer dieses Nicht-Erkennen, dass jeder auf dem Weg zum gleichen Ziel ist, egal was er gerade für einen Film fährt. Spärlich nur ist er zu finden, der Buddha in der Bahn, der mit einem Mal loslacht, sich zum Gespött macht, sich selbst erniedrigt, es aushält, bis er gewinnt, denn wenn nur einer einstimmt in seinen Gesang, so singt ja bald die ganze Bahn. Wie lange bis diese Zeit heranbricht, bis die ganze Welt endlich gemeinschaftlich singt! Solch göttlichen Plan muss ein Herr Hitler auch mal gehabt haben. Es kommt wohl auf die Kindheit an, welches Spiegelbild das Kleinkind erblickt, ob es sich wirklich liebt, oder verabscheut, ob es sich annimmt oder verkennt, ob es sich herzt und küsst oder erschrickt, weil es gar nicht wie die Mutter aussieht, ein anderer ist, nicht sie ist, nicht die Mutter Gottes ist, weil es sich gespalten hat, sein Einssein verloren hat.

Einerseits dachte ich, dass es gut wäre, einen bestimmten Autor zu durchleuchten, oder eine kleine Auswahl an Büchern zu treffen und diese gegeneinander abzuwägen. Dann aber sehe ich immer so viele Verknüpfungen, die vielleicht gar nichts miteinander zu tun haben. Von neuzeitlicher Literatur habe ich mich in den letzten Jahren ziemlich ferngehalten. Habe also eigentlich keine Ahnung, was die Leute so lesen. Aber ich beobachte viel, meine oft zu wissen, was gelesen wird, ohne es wirklich zu wissen, allein am Verhalten. Dann hat man eine Idee und promt wird sie bestätigt.
Mein letztes Seminar war zu Goethes Wilhem Meisters Lehrjahre, worin ich meinte die Zukunft zu erkennen, dass alles wieder darauf zurückgeht, dass die Menschen zum Universalgenie werden wollen. Sprich alles geht auf Wanderschaft. Eine Rastlosigkeit, Suche nach der Heimat, was hat das mit dem 2. Weltkrieg zu tun. Das Klima in Deutschland - Sowas würde ich ja gerne beleuchten, weil sich alles irgendwie so aufteilt in Klassen. Passend dazu ist ja vor Kurzem auch der Szafranski-Band über Goethe rausgekommen.

Also, hier mal jetzt ganz mutig mein Vorschlag, der nur skizziert ist, weil ich erstmal von Ihnen eine Meinung einholen wollte. Beim ersten Thema könnte ich mir vorstellen, dass sie direkt denken: "oh, aber bitte nicht son Quatsch", weil ich das schon öfters gehört habe. Ich kann ja nur sehen, wo alles momentan hindriftet und will die Augen nicht davor verschließen, bzw. ich kann nur sehen, was ich sehe, (liegt ja alles immer im Auge des Betrachters), und es nicht mehr zu sehen, Sie wissen vielleicht selbst wie das ist, käme Selbstverleugnung und Verdrängung gleich. Meine Sichtweise ist eine sehr hoffnungsvolle, deswegen würde ich mich gerne damit beschäftigen, weil es in Anbetracht der globalen Situation vielleicht nicht das Verkehrteste ist, so verrückt zu sein und auf Hoffnung zu bauen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr letzter Magister

Sonntag, 8. Dezember 2013

Robbie, from Tennessee

I went to a party last night
it was all foggy and cold outside
so I was glad to find the place
like a hide-out from the dark
and be surrounded by love and by light
there was this guy
his name was Robbie
who came from Tennessee originally
and could play the guitar quite beautifully
he would start picking the strings of an ukulele
very softly
and wait patiently
for people to see
that he was trying to tell a story
about life's beauty and glory
when more and more
started to pay attention
to his singing
I felt like joining in his swinging
my eyes were in awe
about the passion they saw
my heart in bloom
listening to the fashion of his voice
how nice the choice
of the tunes he played
the stars and the moon must have been delighted
all shade was gone
a gloom shone
and was carried
throughout the livingroom
I thought, hey! this guy's gifted
and a sudden shift of warmth drifted towards me
he was wearing neon-green shorts
since it was an 80s party
I could feel
that his message was real
but there was something sad about it
as if his heart wanted to shout out loud
what he couldn't tell:
I'm lonely as hell!
I miss my family as well
the other night
I stumbled and fell
and nobody was there to talk
I could barely walk home
maybe I had fallen on the dome
cause I was all dizzy and stuff
but you know, I'm a tough guy
and don't want to be shy anymore
so I decided to change
and start searching for someone to care
for someone who would like to share
some hours with me
so I came here and started playing
hoping someone would hook me up
or at least befriend me on facebook
So, there I was
reading his heart's desires
and thought: man, you're hired!
I send him a message today
I wrote something like: hey
thanks for the show
you made my night
if it wasn't for you
who knows
there could have been a fight
I guess, the moonlight
wouldn't have been shining so bright
everybody had a really good time
beer and wine was served just fine
but you were the cherry that sweetend it all
I enjoyed your presence very much
and would like to give you a call some day
here's the deal:
maybe you could teach me some of the chords
you played
I could tell you some German words instead
don't want you to be so lonely
over the Christmas holidays
talk to you soon,
now cheerio and 
ho ho ho! 
he replied minutes later
and I was like: there you go!






Samstag, 7. Dezember 2013

Diamonds are forever

It was cold
I wanted to hold your hand
or put my head against your shoulder
the wind blew steadily
and it grew colder still
will you ever see me?
Will you ever free me
from this prison?
Why am I missing you so much,
when you're walking next to me,
your voice,
when you're talking to me
let's sit on that swing again
and have fun like back then
when the air was filled
with crystal balls and glitter
I felt so much stronger though
and fitter
nothing's more bitter to me
than you persistent absence
so why the heck,
don't you come back
and dance with me
like that girl
in the video we saw
two girls dancing
is not against the law, you know
here, let me show you something
see that little ring in my hand
I got it from the leader
of a famous rockband
he said I could join in some day
all I'd have to do is become Fae
I didn't know what he was talking about
I really felt like my head
was stuck in a cloud
but he realized my fear and anger
and took me out of the crowd
to an open field
now, shout it out loud!
He commanded
and it went BOOM
as if an U.F.O. had landed
I felt from outer space
and jumped for joy
hey boy, don't stumble
over your open shoelace
I knew then, I'd found a friend
someone who'd hold my hand
if I would ever fall

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Leere Worte

Die Leere im Kopf, oft ist sie mir wie Lustlosigkeit, manchmal Langeweile oder Antriebslosigkeit, wenngleich ich mich auch nicht unbedingt träge fühle, sondern mehr wie non-existent. Dann besitze ich keine Worte, meine ihrer auch nicht zu bedürfen. Der Schreiber sollte zu dieser Liebe aber stehen, zu seinem Körper, der so gerne die Worte schreibt, sonst ist er ja nicht im Gleichgewicht mit sich. Er sollte die Worte ziehen lassen können und gleichzeitig wissen, dass sie daraufhin auch immer wieder zu ihm zurück schwingen. Manchmal unterdrücke ich sie, als ob sie sich beim Ausschwingen einer Schaukelleidenschaft hingäben, Schwung holten und aus mir heraus in den Himmel hinauf flögen. Will ich sie nicht zurück, so hab ich ja nie Gewalt über sie, sondern nur über mich. Verschwinde ich, rücke mich fort von meinem Standpunkt, verschiebe mich, wenn auch nur um eine Stelle, so schwingen die Worte beim Zurückpendeln an mir vorbei. Ich sehe sie noch, betrachte sie aus der Entfernung, die zwischen uns ist. Ich sehe sie an und denke mir nichts bei ihrem Anblick. Sie pendeln an mir vorbei, hinter mich in den Kosmos hinein. Ich stehe still, halte sie nicht auf. Sie ziehen von dannen und mir ist nicht länger als würde mir dabei etwas verloren gehen. Einst war ich ja wie besessen ihnen nachzublicken und soviel wie möglich einzufangen. Jetzt stelle ich fest, dass die Worte ein Eigenleben haben. Sie merken, dass etwas nicht stimmt. Sie erinnern sich an mich, da ich ja ihr Ursprung bin. Einige Male schwingen sie vor und zurück. Ich verhalte mich ruhig und sie schwingen vorbei. Mit jedem Besuch im All sind es nun weniger geworden, stelle ich fest, als würden einige verpuffen oder hinunter fallen. Es soll mich nicht kümmern!
Ich trauere ihnen nicht nach und doch ist meine Sehnsucht grenzenlos. Mein Atem geht ruhig, der Puls schlägt ganz normal, kein Schlucken, kein Augenblinzeln. Ich lasse sie los, lasse mich los, löse mich von mir, von meiner Stimme. Und da, nach ein paar Schwingungen wirken selbst die Worte träge, so als fehlte ihnen eine Quelle, durch die sie normalerweise hindurch pendeln, die sie aber durch meine Verschiebung verfehlen. Sie sind energielos, spüren, dass es mir ihnen zu Ende geht. Ihnen fehlt die Waschung durch mich, die Erneuerung, Reinigung. Schwingen sie durch mich, bleibt das Unschöne, der Sternenstaub des Alls in mir haften, verklebt mir die Synapsen. Krank machen sie mich, weil ich sie ständig von ihrem Dreck befreie. In meiner Verschiebung bin ich wie eine Vogelmutter, das die Sprößlinge aus dem Nest schubst. Fliegt, fliegt ohne mich! Reinigt euch selbst! Stille ist in mir, doch gerade meine Stille zieht die Worte an. Ich bin unsichtbar, sie sehen mich nicht dort stehen und sie an mir vorüber schwingen sehen. Doch mein Atem ist da, er ist immer da, wie die Luft. Er zieht sie zu mir zurück, als so als änderten sie den Kurs. Sie wollen nicht sterben, brauchen mich, wollen sich nähren an mir. Sie selbst verschieben sich also um eine Stelle um wieder auf mich zu treffen und da passiert's! Sie schwingen wieder in mich hinein, aber ich halte sie nicht, drücke sie nicht an mich wie ein Vater, der seine verlorenen Söhne wiedergefunden hat, sondern stelle mich tot, als würde ihre Rückkehr mir rein gar nichts bedeuten. Ich spüre ihre Freude, ihren Lebenswillen, ihre Liebe für ihren Schöpfer. Es scheint als ließen sie mich kalt, aber das stimmt nicht, es ist mehr als habe ich angenommen, dass sie zwar aus mir entsprungen sind, aber nun nichts mehr mit mir und meinem Leben zu tun haben. Ich will sie nicht an mich binden, wie ein Kerkermeister. Kein Gefühl hab ich mehr für sie: kein Verlangen ihnen nachzufolgen, keine Trauer, dass etliche mal da waren, aber nie zurückgekehrt sind, keine Reue über mein tatenloses Zusehen. Früher hätte ich mich gemahnt: Tu doch was! So schöne Worte und du lässt sie einfach ziehen, schreibst sie nicht auf! Jetzt weiß ich: das ist der wahre Friede, wenn der Schreiben sich selbst überkommt, Worte gebiert, eine Geschichte erzählt, von der keiner weiß wessen Geiste sie entsprungen ist. Wie hab ich mich überstiegen in meinem Sprung und siehe, nun will alles zu mir, weil alles immer zu dem will, der nichts will. Deswegen will der Mensch auch immer das, was er nicht hat, ihm fehlt lediglich sein Tod um zu erkennen, dass er alles haben kann, wenn er aufhört etwas haben zu wollen, denn eigentlich hat er ja alles, da alles er ist. Ach, Tod! Wie gut, dass ich dich hab!

Dienstag, 3. Dezember 2013

Vom Blinzeln und Starren

Ich stell mir vor,
der Himmel ist heut
nur so schön blau,
weil wir gestern so fleißig waren
Ich blinzle in die Sonne
und gelobe
in diesem Bemühen zu verharren,
selbst, wenn ich weiß,
dass es sich um einen endlosen Kampf handelt
Ich will glauben!
meine Anstrengungen
werden Früchte tragen
nur die Harten
kommen in den Garten
und wenn der Weg auch endlos scheint
ich weiß, dass das Paradies existiert
in mir
in meinem geduldigen Starren
in die Ferne
hab ich es aufblitzen sehen
und ich kann dir vergewissern
es ist strahlend schön,
und herrlich warm
wie die Sonne