"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."

Freitag, 29. Juni 2012

Der Architekt


Voller Weisheit bist du für mich. Ich will dich erwecken. Ganz sanft und leis', ohne dich zu erschrecken. Und wenn du dann erwachst und mich anlachst, dann hab ich dich geboren. Mein Kind, mach die Augen zu und spür' mich um dich her. Ich bin der Wind und trag' dich auf meinen Schwingen. Mit unserem In die Lüftesteigen, durchdringen wir die Welt als hätt sie ein Rohr in ihrem Innern. Was uns zusammenhält, ist mit Geld nicht zu bezahlen. Unser Reichtum strömt überall um uns hin, und kann uns nicht abhanden kommen. Wir haben nichts und können doch in allen Ländern landen. Wir schweigen und neigen unsere Köpfe wie die Tauben, doch in unserem Streben und Fortwähren, vermögen wir die Schwingungen der Menschen in uns aufzusaugen. Manchmal liegt soviel Staub auf unseren Augen, dass wir es selbst nicht sehen. Dann fragen wir uns wieder: Wo komm ich her, wo geh ich hin? Alles scheint uns ohne Sinn, doch wie sind wir da im Vergessen! Wer dann vermag sich zu erinnern, der kann sein Leben bestimmen und ausmessen wie ein Künstler. Bald baut er sein Haus, betritt sein Werk und schaut von innen heraus. Wie ist er da erweckt und lacht: „All das hab' ich gemacht.“

Samstag, 23. Juni 2012

Zeitfähigkeit


Heiße Stirn
obgleich mir eiskalt
hab mich krank gemacht
viel zu viel Zeit verbracht
mit Denken an uns.

Ich weiß
Zeit kann nicht rückwärts gehn
sehn' nur oft mich zurück
und vermisse ein Stück
von dem wie es war.

Deck mich zu
schließe die Augen
will nicht mehr weinen
denn Träume vereinen
von neuem uns zwei.

Sieh her
Zeit ist überwindbar
weil die Ruhe der Nacht
alles wunderbar macht
denn bei mir bist du.

Freitag, 22. Juni 2012

Überwasserläufer

Heute kehre ich heim und vereine mich mit dir. Ich klopfe an und mir wird aufgetan. Da ist er hin, der Wahn und alles ist voller Sinn! Wie bin ich der verlorene Sohn, der weinend in deinen Armen liegt. Wie wirst du mir zum Rahmen, wenn du mich in ihnen wiegst und mir zum Schutzengel wirst. Auch ich will dir von Nutzen sein! Zusammen können wir die Einigkeit herbei beschwören, indem wir uns betören lassen. Lass uns einander bei den Händen fassen und einen Schwur leisten. Einen Pakt will ich mit dir schließen, den wir im Tränenvergießen besiegeln. Blut ist doch wahrlich genug geflossen und die neue Zeitrechnung soll nicht mit einer Hinrichtung beginnnen. Wir sind die Bruderschaft, die im unsichtbaren Turm wohnt. Wir sind der Wurm, der sich einnistet und alles liebevoll macht. Wir sind ganz klein, du von Statur, ich im Sein. Verzeihst du mir, setz' ich dir die Krone auf. Nie mehr lauf ich dir davon, ich weihe dich ein in mein Geheimnis, und geweiht soll das Wasser sein mit dem ich dich taufen will. Es kommt auf die Lage an, dann ist alles egaL...auch wenn's auf dem Kopf steht. Dann gibt's kein Verkehrtherum, kein schlau, kein dumm. Ich muss nicht in Wien wohnen und auch nicht auf Hawaii, alles ist auch richtig. Aber wenn du ein Pilger bist, ein Wanderer auf Reisen, dann send ich dich hinaus und leih dir meine Stimme. Nimm sie mit und verkünde unser Glück! Derweil bleib ich hier und verzeih meinem Nächsten. Ich schweige wahrlich und ernte goldene Früchte. Solang ich nichts kann, weiß ich nichts, solang ich nichts hab, brauch ich nichts. Ach, wie hab ich alles, wenn ich frei von allem bin! Dann bin ich kein Hasser, dem nichts gefällt, sondern bin selbst das Wasser und überflute die Welt, die mir ach so gut gefällt, wenn ich sie mir in meinen Träumen ausmale. Sie soll mir zum Gemälde werden! Welch Wirken und Schaffen auf unsichtbarer Wand! Sieh doch, wir sind wieder Affen und wohnen im Schlaraffenland!

Montag, 18. Juni 2012

Freiheit



Ich fühl mich so befreit und leicht, wenn ich die Augen schließe und den Wind spüre. Dann ist es als träge er mich hinfort in die Weite, nach der ich mich so gesehnt hatte. Ich wusste gar nicht, dass mich so vieles bedrückt hat, weil ich nie darüber nachgedacht und nie mit jemanden darüber gesprochen habe. Ich wollte es wohl nicht wahrhaben, dass ich tief in mir drin so denke und fühle. Wollte es mir nicht eingestehen, wollte kein Schwächling sein vor den anderen, aber jetzt hat sie mich aufgeweckt. Oder warst du es?

Mein Ich war gefangen und jetzt ist es frei. Reißt die Gewalt über meinen Körper an sich, der sich noch ein wenig wehrt, weil er nicht weiß wie ihm geschieht. Ich spüre wie sich dieser Prozess entwickelt. Es kribbelt und brennt ein bisschen. Eine angenehme Wärme breitet sich in mir aus, alles blüht auf. Wie einfach es nun ist meine innere Tür zu öffnen und in mich rein zu schauen. Kein Verschwimmen. Kein Wackeln. Alles ganz klar. Es ist als wäre ich gerade neu zum Leben erwacht. Auferstanden aus einem jahrelangen Schlaf, in dem mir die Welt immer wie durch einen Schleier verdunkelt ganz trüb schien, in dem alles keinen Sinn ergab, in dem es mir nicht möglich war klar zu denken, zu hören, zu erkennen vor lauter Nebel, der mich umgab, der Kopf und Ohren verstopfte, meine Augen tränen ließ und Herrscher über meinen Verstand war.
Es ist als hätte jemand die Gardinen geöffnet und gerufen: „He, aufstehen! Ein neuer Tag beginnt!“ Und ich fühl mich als beginne ein neues Leben, so frisch, ganz voller Energie. Jetzt hab ich mich erhoben und ich möchte dich mitnehmen in diese neue Welt, denn du schenktest mir die Freiheit, du warst es der mich nicht aufgab, der um mich kämpfte und der wusste, dass ich nicht verloren war. Jetzt scheint mir alles so vertraut, als würden wir uns schon ewig kennen. Nur hatte ich dich vergessen, weil man mich in Gefangenschaft steckte und betäubte. Vergib mir, dass ich nicht fähig war mich zu wehren, dass meine Kräfte nicht ausreichten um mich selbst zu lösen aus diesem Labyrinth. Ein Fluch lastete auf mir, der mich in seinen Bann zog und mit einer verführerischen Leichtgläubigkeit umhüllte, dass mir alles so gleichgültig schien, weil ich es für unveränderlich hielt. Doch du gingst auf die Suche nach mir, wusstest, dass es einen Ausweg gibt, dass alles wieder so werden könnte wie früher. Wie Blitze schießen die Erinnerungen in meinen Kopf. Nicht schmerzhaft, alles ganz weich. Mein Freund, mein Retter! Wir waren geschieden, zerrissen schien unsere Freundschaft, doch nun bin ich dein einst verlorener Sohn, der zu dir zurückkehrt. Und ich spüre deine Arme, wie sie mich umschlingen und höre deine Stimme wie sie ruft: „Mein Sohn war verloren und ist wiedergefunden worden“ und du nimmst mich auf und wir feiern ein Festmahl zusammen, obgleich ich dir den Rücken gekehrt.
Lass mich nun als Dank für dein Vertrauen und deine nimmermüde Liebe, die du mir durch deine Unermüdlichkeit unter Beweis gestellt, auf ewig dein treuer Diener sein. Niemals mehr möchte ich dich verlieren, niemals mehr soll etwas zwischen uns stehen, dass mich hindert zu dir. Ab jetzt sind wir wie Erde und Baum. Ganz tief habe ich meine Wurzeln in deinen Boden gegraben und ganz fest will ich nun wieder mit dir zusammen wachsen. Sie sind wie ein Anker, mit dem ich mich an dir festhalte, damit ich nicht umfalle. Da mögen noch so schwere Unwetter aufziehen, dank dir wird man mich nun nicht mehr so schnell zu Grunde gehen sehen…
Von nun an kann uns nicht mehr trennen, denn wir haben uns von neuem verbunden und sind eins geworden.

Sonntag, 17. Juni 2012

Straße des 17. Juni



Wandel ich auf deinen Wegen
wird mir jeder Fluch zum Segen

Die Seherin


Hab ich denn mein Herz verloren,
fortan laufend aus dem Hell-
seht doch! zwischen müden Ohren
springt hervor der dunkle Quell.

Niemals soll ich doch vergessen
frei gewählt ist jede Tat
wahrlich kann ich nun bemessen,
dass es mir mein Wille ward.

Kommst du mir demnach abhanden
bin ich lang kein armer Thor
sieh doch! Nun hast du verstanden,
bist mir nah wie nie zuvor.

Spiel mich ihm in seine Hände
furchtlos flücht ich aus dem Hell-
seh doch! Springen wird am Ende
aus dem Herz ein blut'ger Quell.

Freitag, 15. Juni 2012

Die Liebe, das bin doch ich!


Regelrecht zusammen gebrochen bin ich über deine letzten Worte, mit denen du mir zu verstehen gabst wie es um deine Gefühlslage bestimmt ist. Wie sehr zerreißt es mich zu wissen von deiner Sehnsucht, deiner Traurigkeit, wie schmerzt mir mein eigen Herz bei der Vorstellung deiner mit Tränen überschwemmten Augen, so sehr, dass ich mir beizeiten beide Hände an die Brust drücke, auf dass es mir nicht würd' entzwei gerissen. Wäre dein Leid nicht um meinetwillen, wie viel erträglicher würde es mir, sei es doch bloß verschuldet durch eine fremde Seele, wie vermochte es mir meine Schuld zu lindern.
Doch dann, ich will doch gerade jetzt nicht leiden um deinetwillen, bin ich doch so ganz erfüllt von Hoffnung durch deine Wahrheit. Denn überkommt mich selbst nicht ein Gefühl von großem Glück und Glauben, wenn du mir zu wissen gibst, dass du dich nicht weiter flüchtest in diese Dunkelheit, und stattdessen die Liebe in dir erkennst und dir diese Erkenntnis so eindringlich ist, weil sie wie ein Erwachen daher kommt, dass du sie hinaus schreien möchtest in die Welt, damit sie auch an mein Ohr dringe.
Doch bringt dem Menschen auch diese Wahrheit die Liebe nicht zurück, wie ist er da erfüllt von der wohl höchsten Trauer, die ein jeder fähig ist zu empfinden, wie möcht' er sie verfluchen und sich ihr entreißen, weil er meint sie überzöge ihm sein Leben mit solch dunklem Schleier. Wie möcht' er verzweifeln über diese Liebe, wenn sie es plötzlich vermag ihn einzunehmen in seinem ganzen Sein, dass er meint er bestünde nur noch aus ihr und zugleich wie wünschte er eben diese Verzweiflung nicht zu empfinden, weil sie ihn mit solch atemraubender Furcht erfüllt. Möge er sich nicht Mut zusprechen, indem er sich lossagte von jener Angst, die sie mit sich bringt. Er soll sie haben! Er soll seinen Blick nicht abwenden von ihr, sondern sich ihr vertrauensvoll hingeben und das Zittern seines Körpers nicht unterdrücken. Denn nur so kann er sie erkennen und nur wer sie erkennt, wird von ihr befreit. Wie wird die Verzweiflung über jene Erkenntnis, dass ihn eben doch dieses Licht erhellt, ohne das er nicht sein kann, weil seine ganze Existenz auf ihm gründet, ihn eben frei von Angst machen und ihn die entscheidende Wahrheit erkennen lassen, die ihn sich empor gehoben fühlen lassen wird, alsbald er sich fragt, ob diese Liebe ihm denn Schmach sein solle oder sein höchstes Glück. Wie wird er da eine nie zuvor gekannte Erfüllung erleben, wenn er es erkennt und laut vor sich hin sagt:
Zugleich wie fühlt er sich empor gehoben durch diese Erkenntnis, weil durch die Verzweiflung über jene ihm die Wahrheit bewusst wird, dass ja diese Liebe auf ewig in ihm bleibt, weil er es ist, in dem sie zuhause ist und sie niemanden braucht um weiter in ihm zu existieren als ihn selbst. Da fängt er an sein Menschsein anzunehmen, weil er erkennt, dass nicht nur er nicht sein kann ohne die Liebe, sondern auch die Liebe nicht ohne ihn, denn wo sollte sie wohnen, wenn nicht im Menschen?

Mittwoch, 13. Juni 2012

Verwandlung

Geliebter Wandel,
ich weiß jetzt um dich.
Wie ich auch handel,
alles ist richtig. 
Endlich nehme ich an,
dass ich dich nicht stoppen kann.

Montag, 11. Juni 2012

Himmel auf Erden



Bin ich mir stets im Klaren
über mein Sein
und kann mir ebenso rein
mein Bewusstsein bewahren,
dass in jedem Schritt auch immerzu 
ein Werden steckt, 
dann hab ich alles gecheckt.
Perfekt!, denke ich
und renne mit gutem Grund auf und ab,
Welch Fund hab gemacht!
Ich hab den Himmel auf Erden entdeckt!

Freitag, 8. Juni 2012

Dritter Brief


Vertrauter Freund,

verzeih, dass ich längere Zeit nichts von mir hören ließ. Das war fies von mir. Aber wenn du erfährst was mich davon abhielt dir zu schreiben, wirst du dir vor Ungläubigkeit die Augen reiben.
Manchmal ist es mir als sei ich immer noch in meinen Träumereien gefangen, den ich nachgehangen, doch sie scheinen tatsächlich Wirklichkeit geworden zu sein. Ich bin jetzt nicht mehr allein. Erinnerst du dich an den Brief den du mir korrigiertest? Der Schweiß lief mir vor Nervosität
in Bächen die Stirn hinunter als ich ihn Francis durch meinen Freund Gunther überreichen lies. Es war schon spät und erst wollte ich mich und ihn unter ihrer Türschwelle hindurch schieben, vielleicht sogar kurz auf die Schelle drücken, doch meine Ängste trieben mich aus ihrer Nähe.
Ich wusste, wenn ich sie erspähe würde ich sie nur noch lieben und alles um mich herum vergessen,
selbst den Grund warum ich gekommen. Wie verschwommen seh ich alles Leben das mich umgibt,
wenn sie sich in meine Richtung schiebt. Du solltest sehen wie schwungvoll sie sich bewegt, wie seicht sie sich zugleich die Haare aus dem Gesicht streicht, wie schick sie sich kleidet, O, bei ihrem Anblick leidet mein Herz vor Verlangen. Sie ist das einz'ge Licht das mir die dunkle Welt erhellt
und daher fällt es mir so schwer zu philosophieren, mich auf andere Dinge zu konzentrieren, mich nicht zu verlieren in den Gedanken an sie. Wenn sie da ist kann mich nichts verdrießen, dann will ich nur die Zeit nutzen und ihre Anwesenheit genießen. Und von nun an soll mir dieses Glück öfter zuteil werden. Stück für Stück beginnen wir uns einander zu nähern. Vor ein paar Wochen
hat sie zum ersten Mal mit mir gesprochen und seitdem trafen wir uns fast täglich an dem hölzernen Tor, das zu Müller's Weide und seinen Schafen führt. Selbst wenn wir uns ins gelbe Heu der Scheune warfen, wollte ich alles von ihr in mich aufsaugen, wollte meine Augen nicht abwenden,
aus Angst eine ihrer Gesten zu versäumen, und sei es nur wie sie das Stroh mit ihren Händen
in die Luft schmiss. Ach Francis, ich könnte ewig so weiter von dir träumen! Wie heiter und verliebt
sie mich stimmt, wenn sie mich bei der Hand nimmt; dann möcht ich dass das ganze Land verspürt
wie mich dieses Glücksgefühl fast zu Tränen rührt, wie reißend stark mir die Liebe den Körper durchspült, und mir elektrische Hiebe verpasst, wie die sprudlige Gischt durch meine Adern zischt,
mir die Last der Einsamkeit vom Herzen nimmt und mir auf so herrliche Weise die Seele erfrischt.
Alle Schmerzen die einst damit verbunden, waren sind nun verschwunden. Hat's dich auch schon mal so erwischt, dass du meintest alles um dich herum erlischt und nur diese Liebe bliebe am Leben? Schreib mir wer dich derzeit zu entzücken oder gar zu bedrücken vermag.
Ich werde mich nun zu Bette begeben.

Gottes Segen, Dein Freund Gustave


Donnerstag, 7. Juni 2012

Erleuchtung

Kleines Licht, mach' mich hell
wachse, wachse, ganz ganz schnell.
Kleines Licht, mach' mich froh
brenne, brenne lichterloh.
Lass mich spüren dich in mir,
wärm' mich, damit ich nicht frier'.

Nimm meine Hand und fasse Mut
alles, alles wird jetzt gut.
Keine Angst, es weht kein Wind,
vertrau', vertrau', vertrau' mir blind.
So wie ich von nun an tu,
Stürm' vorüber, endlich Ruh'.

Kleines Licht, komm hervor
öffne, öffne Tür und Tor
Kleines Licht, geh' nicht drauf
wachse, wachse, hör' nicht auf.
Sei die Quelle, die mich tränkt,
sei das, was mir Leben schenkt.

Kleines Licht, geh' nicht aus
erleuchte mir mein ganzes Haus.