Vermeidlich schlechte Tage, die voller
Langeweile sind, oder Trägheit erweisen sich nicht selten zu
Vorboten einer Erkenntnis, eines Umbruchs. Fast wie die
sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm plätschert der Tag dahin und man
weiß nichts mit sich anzufangen. Solche Tage kennt jeder zu Genüge.
Man muss es lediglich schaffen sich aufzuraffen und irgendwie
agieren, vielleicht auch im Nichtstun, wobei das oft zum Grübeln
bringt. Gerade wenn man nicht denken sollte, ist es ratsam den nicht
vorhandenen Tatendrang aus sich heraus zu entwickeln. So groß muss
der Wille dafür gar nicht mal sein, und schon führt eins zum
anderen. Egal was man dann tut, alles ist richtig, hauptsache man
agiert und jagt nichts hinterher, was noch nicht einmal vorbei
gekommen ist. Man bewegte sich ja noch weiter weg, wenn man vorliefe.
Statt auf der Lauer zu liegen, gibt man sich abgelenkt, denn mit der
Erkenntnis verhält es sich oft wie mit einem scheuen Tier. Es zeigt
sich erst dann, wenn es keine Gefahr mehr wittert, wenn die Luft rein
ist. Es hört uns, wenn wir auf der Lauer liegen, weil wir vor
Ungeduld nicht still halten können und nervös in unserem Versteck
herum rutschen. Sei nicht auf der Hut, als sei die Erkenntnis etwas,
was du einfangen willst, was du verpassen könntest, wenn du nicht
achtsam bist. Sie will ja doch zu dir, nur auch erst dann, wenn sie
es will. Lass ihr Zeit und sie wird anfangen dir zu vertrauen und aus
dem scheuen Tier wird ein zahmes Wesen werden, das sich zu dir legt.
Andererseits lernte man ja etwas zu früh und das darf nicht sein:
man lernt, wenn man es lernen soll und auch erst genau dann wenn. Es
läuft alles darauf hinaus zu glauben, dass alles einen Plan
verfolgt, der schon geschrieben ist. Man meint ihn beeinflussen zu
können, aber alles was man tut oder unterlässt ward doch zuvor
vorherbestimmt. Letztendlich sollte man also ganz intuitiv handeln
und auch nicht darüber nachdenken, was ratsam wäre zu tun, wer
jetzt Recht hat...Herz oder Kopf. Es wird immer der Part Recht
behalten, den wir wählen. Man sollte sich auch nicht scheuen
beizeiten schwach zu wirken und Herz zu sein, denn wenn das Herz
Einspruch erhebt, dann sind wir schon wieder mitten im Abwägen. Wer
an seiner Kopfentscheidung Zweifel hegt, sollte aufs Herz hören. Das
Herz wird schweigen, wenn es wichtig ist Kopf zu sein, auch wenn es
ein Fehler sein wird, so ist es doch notwendig, ihn zu begehen, damit
er seine Unwahrheit verliert, wenn er uns zur Wahrheit führt.
"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."
Dienstag, 27. März 2012
Montag, 26. März 2012
Was willst DU am Wochenende machen?
Ich möcht' mir dir zum Strand fahren und eine Sandburg bauen mit Graben. In allen Farben würden deine Seifenblasen leuchten, und in der feuchten Luft gen Himmel fliegen. Stell dir vor, wir liegen im Sand, ich halt deine Hand, aufdass sie dir nicht weiß würde vor Kälte und abstürbe. Schweigend schauen wir den bunten Kugeln nach, da stoß' ich dich an und sag: „Los! Lass uns fünf Packungen Eis am Stiel kaufen und mit den Hölzchen ein kleines Floss bauen!“ In Gummistiefeln würden wir bis zum Flußufer durch die Pfützen laufen, dann die geheime Botschaft ans Mästchen binden, es aufs Wasser setzen und mit einem Ästchen in die Strömung schieben. Ganz außer Puste wären wir vom Hetzen und Rennen, rieben uns den Magen und knirschten mit den Zähnen: „Wie gut, dass wir noch die Kirschen haben!“ Mal gucken, ob ich dich schlagen kann im Weitspucken oder kannst du dieses Steinchen flitschen und es auf dem Wasser auftitschen lassen? Den ganzen Tag erzählst du mir von Hunderten von Hunderassen. Wie schön es ist dir zuzuhören! Manchmal denk ich, es würde dich stören, wenn ich dich immer so ansehe. Dann guck ich schnell weg, buddel im Dreck mit meinen Händen, und frag irgendwas, ob es hier Rehe gäbe oder sag, dass ich ein Gesicht in der Wolke dort oben sehe. Plötzlich stehst du auf: He, geh nicht fort! Da lässt du mich wissen, dass wenn man den Weg dort bis zum Ende geht, zu einem kleinen Steg kommt, der über den See führt. Das möcht' ich in keinstem Falle missen! Doch da weht uns der Wind mit einem Male die Blätter um die Ohren. Das Wetter scheint umzuschlagen. Erst will ich es wagen, dich an mich reißen und drücken, da fängst du an mich mit trockenem Laub zu beschmeißen. Irgendwie muss ich mich ja wehren, also kannst dich nicht beschweren über den Staub auf deinen Haaren und deinem Rücken! Gerade will ich ihn dir abklopfen, da fällt der erste Regentropfen. Lass uns schnell zu den Brücken rennen und uns zum Schutze unterstellen. Sieh mal, richtige Wellen fängt der Hagel an in den Fluss zu schlagen. „Komm, lass uns dort hinsetzen. Aber pass auf, da ragt ein Nagel aus dem Brette!“ Zu spät, wenn ich doch nur früher was gesagt hätte! Jetzt hast du dich schon gestochen. Wie doll das Blut von deinem Finger tropft. Du sagst: „Es fängt an zu pochen und klopft in der Wunde.“ Einen Kuss geb' ich drauf, dass ist's bald wieder gut. Da siehst du plötzlich zwei Hunde. Wie ist der Schmerz da eh vergessen. Du mit deinen Tieren! Vom Sitzen hast du angefangen zu frieren, aber zum Glück war der Schauer ja nur von kurzer Dauer. Wenn ich meinen Arm um deine Schulter lege, ist dir schon bald nicht mehr kalt. "Gleich wird dir warm", sag' ich während ich dich an mich drück': „Komm wir laufen in den Wald zurück! Lass uns über die Mauer klettern und den Berg hinauf steigen.“ „Sieh mal, wie sich die Wipfel der Bäume im Winde neigen! Hörst du, wie das Echo schallt, wenn man vom Gipfel ins Tal aus vollster Kehle schreit?“ Vom vielen Rufen fängt sie mir an zu brennen. Außer uns beiden ist hier keine Menschenseele weit und breit. Wie lang mögen wir uns jetzt kennen?, denk ich ohne es zu erwähnen. Komisch, dass ich nach so kurzer Zeit schon anfange mich zu sehnen nach deiner Anwesenheit, bist du mir doch so vertraut, als sei es vor einer Ewigkeit gewesen, dass wir uns zum ersten Mal gesehen haben.
„Meinst du unser Sandburggraben ist schon voller Wasser gelaufen?“ fragst du und schaust in die Ferne. Ach, wieso hab ich dich nur so gerne?, denk ich und sag: „Wenn wir morgen hinfahren, lass uns doch Schaufeln mitnehmen.“
„Oja , was könnten wir sonst noch alles machen?“
Wie wäre es mit Drachen steigen lassen oder am Meer nach Muscheln suchen. Wir könnten auch drinnen im Bett bleiben und kuscheln, oder einen Flug buchen, ganz egal wohin. Wir könnten Brötchen mit Mett essen und Alf gucken, oder einen Kuchen backen und später die Schüssel mit dem restlichen Teig auslecken. Wir könnten schon mal unsere Sachen packen für die Reise, verstecken spielen oder fangen, oder einfach nur auf dem Boden liegen und zusammen ganz leise sein. Wir könnten Platten anmachen und so viel lachen bis uns die Wangen schmerzen. Ach, wie wünscht' ich mir all das aus tiefstem Herzen! Wie sehr bemüh' ich mich von früh bis spät im Jetzt und Hier zu sein, muss ich doch einräumen, dass ich mich immerzu verlier' in Tagträumen mit dir. Dass wir zusammen ein Bad nehmen und uns Bärte stehen lassen mit dem weißen Schaum, wird vielleicht immer ein Traum bleiben, aber wie viel wird vergehen, bis wir uns einfach erstmal wiedersehen?
Donnerstag, 22. März 2012
Vom Lieben und Begehren
Will denn der Mensch nicht einen
Menschen, den er lieben kann? Und ist diese Liebe nicht zur Hälfte
auf die Fehlerhaftigkeit und Unwahrheit des Menschen begründet, eben
weil doch der Liebende auch ein Mensch ist? Nehmen wir an, da sei ein Liebender, der
er sich selbst untersagt fehlerhaft zu sein, der partout keine machen
will und alles daran setzt dieses Vorhaben zu bewerkstelligen, dann
entwickelt sich in ihm, wenn auch unbewusst, die Erwartungshaltung an
den Geliebten sich ebenso zu verhalten, auf dass die Liebe niemals
ins Wanken gerate. Doch was wenn der Geliebte es eben nicht zu seiner
Lebensaufgabe macht, sich keine Fehler zu erlauben, sondern dahin
lebt und liebt und nicht viel nachdenkt über falsche oder richtige
Entscheidungen, dann hat der Liebende es umso schwerer sich selbst im
Zaume zu halten und weiterhin Güte und Erbarmen walten zu lassen. Er
bleibt allein mit seinem Kampf, da er dem Geliebten ja die Welt zu
Füßen legt und dieser um nichts kämpfen braucht. Und wie weiß der
beizeiten nicht wie ihm geschieht und ist gar ganz verwirrt ob der
liebevollen Behandlung, die er doch nimmer verdient hat. Was fängt
er da an den Liebenden zu vergöttern, da ihm doch seine Reaktion so
göttlich erscheint und wie geraten dadurch menschliche Bedürfnisse
in den Hintergrund, denn wie könnte er Begehren für einen Gott
empfinden? Was ist das für ein Begehren im Menschen? Was begehrt er?
Er begehrt doch den Menschen! Doch wenn sich dem Geliebten der Mensch
nicht zeigen will, welches Begehren sollte er da entwickeln? Da
stellt sich die Frage nach dem Grund für das Begehren des Menschen
nach seines gleichen und siehe da! Die Antwort steckt ja gar mit
drin! Sucht er denn nicht jemanden, der ihm gleicht, jemanden, in dem
er sich selbst sieht, jemandem, der es ihm erleichtert seine eigene
Menschlichkeit anzunehmen, jemanden, der es ihm möglich macht sich
selbst zu lieben? Denn wie groß ist des Menschen Schuld, wie treibt
ihn sein Wesen oft bis an den Rande der Verzweiflung, wenn er
erkennt, welch Monster im Menschen steckt und dass er selbst aus
diesem Geschlecht entsprungen ist. Und wie wollte der Liebende eben
das Menschliche in sich verleugnen, wie wollte er gleichen einem
Engel auf Erden, der Frieden bringt und eine Liebe, die rein ist und
wahr. Doch der Mensch ist Mensch und kann sein Menschsein nicht auf
ewig verstecken, selbst wenn es ihm gelingt den Geliebten so fernab
von aller Menschlichkeit zu bringen, dass dieser schon bald selbst
einem Engel gleiche und beide meinen das Glück in seiner
Vollkommenheit zu empfinden, so merken sie alsbald, dass sie etwas
bedrückt, weil etwas unterdrückt wird, ein Verlangen, das ihnen
innewohnt. Und wie empfinden beide da ein großes Schamgefühl vor
dem anderen, wie viel Angst ist da einander zu verletzen. O welch
Furcht, welch Zittern! Der Geliebte kommt nicht dagegen an. Er will
wieder Boden unter seinen Füßen spüren und wie viel Liebe muss im
Liebenden sein sich weiterhin an ihn zu klammern und einzutauchen ins
Menschsein, selbst wenn er weiß, dass sich ihre Wege dort trennen
müssen, weil ihre Liebe nicht bestehen kann in dieser Unwahrheit.
Frühlingsmorgen
Als ich bei einem Spaziergang um sieben
die Sonnenstraße hinaufgehend
die Sonne hinter den Häusern aufgehen,
und ihre Morgenröte
sich auf die kahlen Ästchen der Bäume legen sah,
vertrieb mir der Anblick
und das aus den Kronen tönende Schiep-Schiep der Finken
die Geister, die nachts bei mir wohnen.
die Sonnenstraße hinaufgehend
die Sonne hinter den Häusern aufgehen,
und ihre Morgenröte
sich auf die kahlen Ästchen der Bäume legen sah,
vertrieb mir der Anblick
und das aus den Kronen tönende Schiep-Schiep der Finken
die Geister, die nachts bei mir wohnen.
Montag, 19. März 2012
Vom Zugfahren
Euer summendes Gemurmel
lässt mich verstummen
und säuselt mich in tiefen Schlummer.
Ich verlier euch um mich herum
und mit euch all meinen Kummer.
lässt mich verstummen
und säuselt mich in tiefen Schlummer.
Ich verlier euch um mich herum
und mit euch all meinen Kummer.
Donnerstag, 15. März 2012
Alles beginnt in mir
Der Forscher
kommt nicht umhin
mit jedweder Erforschung
bei sich selbst
zu beginnen.
kommt nicht umhin
mit jedweder Erforschung
bei sich selbst
zu beginnen.
Mittwoch, 14. März 2012
Awakening
Walking down the street
wishing I would meet
someone to laugh with
someone to talk with
catching gazes
smiling faces
rainbows everywhere
wish I'd be there
hanging with them
banging with them
not alone no more
What am I waiting for?
Let's keep trying
stop crying!
time's running out
there's no doubt
I open my eyes
and realize
how much bliss
like a spring kiss
does happen to me
I'm totally free.
Everything makes sense again
stop thinking about back then!
Start living now!
and you'll say: Wow,
how wonderful it is
I don't want to miss
anything in life
I want to dive
into it
I know I can fit
I won't give up
I know, I can reach the top.
Sunny day
I'm feeling gay
spinning around
finally found
happiness and love
sent by a heaven's dove
my heart filled
my sorrows killed
silence in my head
no more time to feel sad.
People yelling
but I'm dwelling
with clogged ears
last night's fears
resolved into air
this nightmare
I want it to burn
I want it to turn
into a paradise
with sparkling night skies
with blossoming trees
a soft breeze
on my bare skin
my sin
forgiven
I'm driven
glowing
flowing
like a stream of fresh water
I'm a daughter
of mother earth
who's caring since my birth
won't stop until I'm dead
roses of red
blooming on my lawn
from dusk until dawn
from spring to fall
until winter's call.
But that's a long way to go
much time to grow
for the flowers and me
keep my eyes open and see
life's glory and beauty
stop being moody!
from now on
and forever.
someone to laugh with
someone to talk with
catching gazes
smiling faces
rainbows everywhere
wish I'd be there
hanging with them
banging with them
not alone no more
What am I waiting for?
Let's keep trying
stop crying!
time's running out
there's no doubt
I open my eyes
and realize
how much bliss
like a spring kiss
does happen to me
I'm totally free.
Everything makes sense again
stop thinking about back then!
Start living now!
and you'll say: Wow,
how wonderful it is
I don't want to miss
anything in life
I want to dive
into it
I know I can fit
I won't give up
I know, I can reach the top.
Sunny day
I'm feeling gay
spinning around
finally found
happiness and love
sent by a heaven's dove
my heart filled
my sorrows killed
silence in my head
no more time to feel sad.
People yelling
but I'm dwelling
with clogged ears
last night's fears
resolved into air
this nightmare
I want it to burn
I want it to turn
into a paradise
with sparkling night skies
with blossoming trees
a soft breeze
on my bare skin
my sin
forgiven
I'm driven
glowing
flowing
like a stream of fresh water
I'm a daughter
of mother earth
who's caring since my birth
won't stop until I'm dead
roses of red
blooming on my lawn
from dusk until dawn
from spring to fall
until winter's call.
But that's a long way to go
much time to grow
for the flowers and me
keep my eyes open and see
life's glory and beauty
stop being moody!
from now on
and forever.
Dienstag, 13. März 2012
Wer bin ich
Bin ich der
oder der
mit ihr bin ich so
mir dir so
mit den meisten
bin ich nicht
wenn ich nicht bin
bin ich am meisten
ich bin über
unter den meisten
ich bin Meister
über ich
oder der
mit ihr bin ich so
mir dir so
mit den meisten
bin ich nicht
wenn ich nicht bin
bin ich am meisten
ich bin über
unter den meisten
ich bin Meister
über ich
Montag, 12. März 2012
Ich allein bin mir Sinn für mein Sein
Wenn du aufhörst
mir Sinn für mein Sein zu sein
bin ich allein
und find ihn in mir.
Hab ich ihn gefunden,
wie bin ich da von Sinnen
und will nie wieder
ohne ihn sein.
Alles ist mir voller Sinn
und ich das Sinnvollste darin.
Wer keinen hat,
dem geb ich einen,
jedoch nicht den meinen,
den seinen
muss er finden,
obschon meiner seiner ist,
denn ich bin er
und er ist ich
nur ansehen
muss er sich.
mir Sinn für mein Sein zu sein
bin ich allein
und find ihn in mir.
Hab ich ihn gefunden,
wie bin ich da von Sinnen
und will nie wieder
ohne ihn sein.
Alles ist mir voller Sinn
und ich das Sinnvollste darin.
Wer keinen hat,
dem geb ich einen,
jedoch nicht den meinen,
den seinen
muss er finden,
obschon meiner seiner ist,
denn ich bin er
und er ist ich
nur ansehen
muss er sich.
Sonntag, 11. März 2012
Wasserratten
Es ist 6.00Uhr. Mein Wecker klingelt ohne von Nöten zu sein. Gemächlich begebe ich mich ins Badezimmer, schlüpfe aus meinem Pyjama hinein in die blau-weiß gestreifte Bikini-Bugse und hebe meine Brüste in die kleinen Dreiecke des Oberteils, die in der Mitte spitz nach vorne zeigen, weil mir so kalt ist. 'Nippelalarm', denke ich um mich vom Rest des Anblickes abzulenken. Mein träger Blick in den Spiegel ist jedoch mehr auf meine müden Augen zurückzuführen, die dunkel umrandet sind, als auf die Unzufriedenheit gegenüber dem was sie zu sehen bekommen. 'Whatever, immerhin bin ich seit knapp zwei Stunden wach'. Ich lächle und verzeihe mir meine morgentliche Hässlichkeit. Ich mag mich. Es ist 6.00Uhr, mir ist eisekalt und ich trage einen Bikini. Die nächste S-Bahn komm in zwanzig Minuten. Genügend Zeit mein Schwimmzeug zu packen und das dreckige Geschirr vom Vorabend zu spülen. Bewusst denke ich nicht an die Zeit. Ich weiß, dass es nicht solange dauern wird zwei Müslischüsseln, einen Teller, drei Löffel, zwei Messer und Gabeln zu waschen. Die Pfannen müssen erstmal einweichen. Den Topf schaffe ich noch. Ruhig trockne ich alles ab und räume es in den Küchenschrank. Das Einrauschen der Bahn in die entgegen gesetzte Richtung verrät mir die Uhrzeit ohne, dass ich es wissen wollte. Noch fünf Minuten. Perfektes Timing! Eingepackt in meine viel zu dünne Winterjacke mit bepacktem Rucksack auf dem Rücken, schlendere ich fröstelnd hinüber zum Gleis. Noch vor kurzem wäre halb sieben mitten in der Nacht für mich gewesen. Mittlerweile lösen die vielen Menschen, die um diese Uhrzeit unterwegs sind, keinerlei Verwunderung mehr in mir aus. Um dem morgentlichen Gemurmel der Reisenden zu entkommen, bestücke ich meine Ohren mit den Kopfhörern meines MP3-Players. Ein Morgen beginnt für mich stets ohne Worte, vor allem da ich heute schon so viele in meinem Kopf vernommen habe. Zu wortloser Musik kann ich dichten, ganz so als würde dem Stück absichtlich der Text fehlen, damit ich ihn mir selbst zusammen reime. Schwimmen in der Früh ist ähnlich. Die älteren Damen, die gern zu mehreren kommen um sich über den neusten Klatsch auszutauschen, sind noch nicht da und auch die Schulkinder treffen nicht vor 8Uhr ein. Es herrscht keine Stille, aber das regelmäßige Rauschen der Chloranlange hat eine unvergleichbare, fast betörende Wirkung auf mich. Wie gut, dass mich eifrige Sportschwimmer umgeben, die mich mit ihrem Platschen und Prusten davor bewahren ganz benommen im Wasser zu treiben. Die Kombination der einzelnen Geräusche lässt eine Kulisse entstehen, die mich in ihren Bann zieht. Ich bin hellwach. Es ist 7.00Uhr und ich ziehe meine vierte Bahn. Spätestens ab der Hälfte meines Pensums tauche ich ein in einen Bewegungsfluss, der mich alles um mich herum vergessen lässt. Bis dahin beobachte ich die Schwimmer, die rechts und links neben mir hin und her gleiten. Wie unterschiedlich ihre Schimmtechniken sind! Eine von Statur zierliche, auf dem Rücken schwimmende Frau, deren Haare eine blaue Badekappe versteckt hält, kommt trotz zeitlupenartiger Bewegungen auf den Rücken schwimmend unglaublich zügig voran. Es fasziniert mich mit welch Ruhe sie ihre Arme kreisförmig nach hinten schwingt um kurz vor dem Eintauchen noch einmal langsamer werdend, fast zärtlich die Wasseroberfläche erneut zu durchbrechen. Ihr Schwimmen ist Meditation, so wirkt es auf mich. Für einen Moment schwelge ich in der Bewunderung und bezweifle seufzend je so tief in diesen Fluss hinabsinken zu können. Den Zweifel verwerfend, lasse ich von meinen Beobachtungen ab und konzentriere ich mich wieder auf meine Bahn. Auf die große Fensterfront zuschwimmend und der Weise zusehend, wie das Sonnenlicht hinter der Häuserfront die kleine Seitenstraße bescheint, reißt mich aus der Gleichmässigkeit meiner Züge. Für ein paar Sekunden halte ich im Wasser inne und ziehe die Stirn in Runzeln. Mit einem Male ist mir als erinnerten mich die Häuser, die ihre Schatten auf die gegenüberliegenden Wände werfen, an Pariser Gassen, in denen ich nie gewesen bin. Ich war noch nie in Paris. Eine Erinnerung, die nicht meine zu sein scheint, lässt mir das Bild so klar werden, dass ich es für einen Moment für ein Deja-Vu halte. Ach, wie gern wäre ich mit dir durch solch Gassen gelaufen! Ich stelle mir vor wie schön dein Gesicht in diesem Licht hätt ausgesehen. Fehlte dir für solch romantische Reisen wirklich der Sinn, oder lediglich das nötige Kleingeld? Jedenfalls wirkt mir nun jener Traum realer als jede schöne Stunde, in der das Sonnenlicht in deinen Augen funkelte. Nur mit Mühe schaffe ich es meine Konzentration wieder auf meinen Körper zu lenken und richte meinen Blick nicht weiter in die Ferne, sondern stets immer nur auf den einen Meter Wasser, in den ich mit einem Zug hinein gleite. Mit meinen Handflächen schieben ich die Massen zur Seite als wollte ich mir einen Weg bahnen. Ach, könnte ich dich doch so federleicht hinter mir lassen wie dieses Wasser. Wie schnell würde dein Gesicht zur Unkenntlichkeit verschwimmen in den Wogen. Große Wellen würde ich schlagen, in denen es unterginge, während ich sie durchquere.
Samstag, 10. März 2012
Der Gärtner
Da im Garten nun
die bunten Blumen blühen
gibt es nichts weiter zu tun
als noch einmal zu gießen
damit der Gedanke gedeiht.
O, wie ich wanke und schwanke
in meinem Gemüte
wenn ich in taumelnder Träumerei
seine Blüten sprießen sehe.
die bunten Blumen blühen
gibt es nichts weiter zu tun
als noch einmal zu gießen
damit der Gedanke gedeiht.
O, wie ich wanke und schwanke
in meinem Gemüte
wenn ich in taumelnder Träumerei
seine Blüten sprießen sehe.
Freitag, 9. März 2012
Donnerstag, 8. März 2012
Ach, ihr Sehnsüchtigen, die ihr mich umtanzt...
Diese Sehnsucht soll mich nähren. Sie ist mir mein täglich Brot. Wie dürstet es mir nach ihr in fröhlichen Stunden! Sind sie denn nur lachendes Spiel? Wer schaut mir aus den Augen, wer verzerrt meinen Mund zum Grinsen und zeigt meine weißen Zähne in verdunkeltem Raume, während mein Herz versteckt sich im Zaume hält? Ach, ihr Sehnsüchtigen, die ihr mich umtanzt...euer Frohsinn ist mir so schaurig! Aber ist es denn Schauspiel, wenn sie nichts wissen von der Bühne unter ihren Füßen? Sieh nur, wie schön ihre Kostüme sind und ihre bemalten Gesichter! Ihr Unschuldigen, was soll ich für euch empfinden...Soll ich euch für erbärmlich halten, soll ich euch verabscheuen für eure Unwissenheit? Einst zog ich mich zurück um fern von euch zu sein, auf dass eure Stimmen mir die meine nicht übertönen, aber nun, da ich sie vernommen, wie empfinde ich Liebe für euch wie eine Mutter für ihr Neugeborenes. Ich leide mit euch, wenn ich mit euch munter bin, denn seid ihr nicht wie die Blinden und die Tauben. Wann werdet ihr sehend? Wann vernehmt ihr die Stimmen?
Mittwoch, 7. März 2012
Ende des Maskenballs
Die Nacht endet um 4:30 Uhr. Was mich aus meinen Träumen über Pornoheftchen und losen Geldscheinen in meinen Hosentaschen aus dem Schlaf riss...ich weiß es nicht. Doch als ich draußen eine Autotür knallen höre und eine helle Stimme sich bedankend verabschieden, denke ich: Guten Morgen, Schatz! Immerhin geht's dir gut. Betrunken klingst du auch nicht. Mir wird sofort bewusst: das wars fürs Erste was die restlichen Stunden angeht, bis der Wecker klingelt. Was den pochenden Kopfschmerz in meinen Schläfen auslöste, ob er ein Nachbote meiner skurrilen Träume ist oder erst mit dem plötzlichen Erwachen entstand...ich weiß es nicht. Jedenfalls fühlt sich mein Schädel an, als hätte er sich während der Verabschiedung von der unbekannten Person zwischen Wagentür und Karosserie befunden. Vielleicht sollte ich aufhören mit meinem "Sinnesschärfungs-Projekt". Waren mir deine Schritte schon immer so eindringlich, wenn du auf leisen Sohlen das Treppenhaus in den fünften Stock erklommst? Meine Augen sind noch ganz verklebt und brennen vor Müdigkeit, aber dahinter bin ich wacher als zu manch Mittagsstunde. Krampfhafte Versuche mich auf meinen Traum zu konzentrieren um wieder in ihn zurück zu sinken, scheitern, weil dein Husten und Röcheln mich in der Realität hält. Ich ertappe mich dabei, wie ich ganz unbeweglich da liege um ja keinen deiner Laute zu verpassen. Du bist mir so fern und doch so nah. Drei Meter Luftlinie trennen mich von deinen warmen Armen. Die Erinnerung daran durchfährt mich wie ein heißer Rausch. Auch bei dir herrscht stickige Luft. Du öffnest das Fenster. Welch vertrautes Bild. Hinter zugenähten Lidern sehe ich deine Hände wie sie sich zur Decke recken um mit kräftigem Druck die an der schrägen Wand eingelassene Scheibe nach vorne zu stoßen. Langsam strecke ich meinen Arm in die Luft in der Vorstellung, dass deine Hände gerade nicht die Velux-Stange halten, sondern gegen den Boden gepresst sind um einen Gute-Nacht-Segen auf mich zu legen. Draußen zwitschern die Vögel schon ihren morgentlichen Gruß, doch meine Ohren lauschen nur dem dumpfen Klopfen deiner Bewegungen. Mit jedem Schritt schlägt eine Bombe in meinem Kopf ein. Das Wasserrauschen deiner Toilettenspülung...ich stelle mir vor es seien deine Tränen, die dir in Bächen über die Wangen laufen. Vermiss mich! Begehr mich, verzehr dich nach mir! Was denkst du, wenn du dir jetzt die Schminke von den Wangen wischt? Verzweifelst du beiweilen über die Erinnerung an meine Feinfühligkeit mit der ich dir nach solch durchzechten Nächten das Weiß und Schwarz vom Gesicht wusch? Wenn du's jetzt tust, will ich es auch wieder tun. Ich hab alles was ich brauch...feuchte Tücher, einen warmen Waschlappen und die Tube mit der Nachtcreme. Behutsam entferne ich deine Wimpern vom Mascara und gleite zärtlich über deine Wangen. Ganz rot sind sie unter der Make-Up-Maske, als ströme viel Blut darunter. Ich mach alles so wie ich's von dir gelernt hab...immer von innen nach außen streichen und die Creme in kleinen Kreisen einmassieren. Der Genuss ist jetzt sechs Jahre her, doch ich erinnere mich genau an den Tag, den wir in meinem Kinderzimmer verbrachten. Nie zuvor hatte ich so entspannt in meinem Bett gelegen. Ich hatte dich nicht darum gebeten, wäre mir doch nie so etwas in den Sinn gekommen. Wie fingst du an dich mir zu öffnen, schon damals, indem du mich auf so angenehme Weise in deine Fähigkeiten einwiesest. Wie waren mir deine Fürsorge und Sorgfalt mit der du mein Gesicht berührtest, Beweis für die Wärme, die du in dir trugst. Die Gedanken daran lassen mir auch jetzt das Blut zu Kopfe steigen. Wie gern hätt' ich solch Liebkosungen seither nochmal genossen! Warum war es mir stets so fern ab jeglicher Vorstellung, dich danach zu fragen, ganz so als wäre mir die Erinnerung an jene glücklichen Stunden abhanden gekommen? Ich bitte nicht, ich werde gebeten. Ich bin nicht klein, ich will für dich da sein. Wie hab ich mich vergessen durch dich, und wie sehr weiß ich jetzt, dass es von großer Notwendigkeit ist sich selbst zu verlieren. Wie sonst kann sich der Mensch denn finden? Was ich hab, ist mir viel zu nah, als dass ich es sehen könnte. Was mir abhanden kommst, hinterlässt ein Loch. Stürzt auch du dich hinein? Traust auch du dich klein zu sein?
Dienstag, 6. März 2012
Meiner Großmutter
Ich hab dich kaum gekannt, aber kein älterer Mensch war zu meinen Lebzeiten so lang mit mir verwandt. Wie verwirrt dein Blick war, als er im 85. Lebensjahr zum ersten Mal einen Euroschein sah. Ich hatte die Wahl, doch nahm die Scheine aus deiner Hand, ganz ohne Vorwand und Qual. Jetzt stehe ich in Gedanken an deinem Grabe und weine, dass ich dich um die Hälfte bestahl, wie ein diebischer Rabe. Du hast mich nicht gefragt, wie viel dies nun sei, und ich dacht bei mir, was sei schon dabei, und hab nichts gesagt.
Darf ich dir heute an deinem 97. Geburtstage die Frage stellen und dich bitten mir zu verzeihen?
Eigentlich wollte ich es mir nur leihen...
Ach, was red ich...jetzt fang ich schon an deine Ruhestätte mit Schwindeleien zu entweihen. Ich wollte es nehmen und keinem etwas davon abgeben, auch mit niemanden drüber reden, nicht mal drüber schreiben. Jetzt reibe ich mir die Augen, weil ich mit der Sünde leben muss. Doch im tiefstem Glauben trete ich heute vor dich hin und hoffe, dass wenn ich zu ihr stünde und sie in die Welt hinaus verkünde, mir die Bürde vom Rücken genommen würde. Augenschließend stell mir vor, dass du einem heiligen Menschen deine Stimme hätt's verliehen, der in deinem Namen zu mir spricht: "Dir sei verziehen!"
Darf ich dir heute an deinem 97. Geburtstage die Frage stellen und dich bitten mir zu verzeihen?
Eigentlich wollte ich es mir nur leihen...
Ach, was red ich...jetzt fang ich schon an deine Ruhestätte mit Schwindeleien zu entweihen. Ich wollte es nehmen und keinem etwas davon abgeben, auch mit niemanden drüber reden, nicht mal drüber schreiben. Jetzt reibe ich mir die Augen, weil ich mit der Sünde leben muss. Doch im tiefstem Glauben trete ich heute vor dich hin und hoffe, dass wenn ich zu ihr stünde und sie in die Welt hinaus verkünde, mir die Bürde vom Rücken genommen würde. Augenschließend stell mir vor, dass du einem heiligen Menschen deine Stimme hätt's verliehen, der in deinem Namen zu mir spricht: "Dir sei verziehen!"
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