"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."
Freitag, 23. November 2012
Das verlorene Kind
Zuerst musst du etwas verlieren
um zu realisieren
wie viel du gefunden hattest.
Gehst du dann das Wagnis ein zurückzukehren
und wirst mit einem Festmahl empfangen,
bist du zuhause.
Dann musst du jemanden verlieren
um zu realisieren
wie sehr du dich gefunden hattest.
Gehst du dann das Wagnis ein zurückzukehren
und wirst mit einem Festmahl empfangen,
bist du geboren.
Zuletzt muss du dich selbst verlieren
um zu realisieren
wie vollkommen du dich gefunden hattest.
Gehst du dann das Wagnis ein zurückzukehren
und wirst mit einem Festmahl empfangen,
bist du wiedergeboren.
Jetzt bist du im Himmel
und realisierst
wer du bist
Gehst du dann das Wagnis ein dich umzukehren
und wirst mit einem Festmahl empfangen,
bist du gestorben.
Samstag, 10. November 2012
Lichtarbeit
Hab Erbarmen mit mir!
Ich will dich lieben wie mein eigen Herz!
Bilde mich aus und lass mich dein Lichtarbeiter sein!
Wenn ich über die Grenzen meines Lebens hinaus denke,
siehst du mich an.
Wie hast du gelitten! Narben zieren dein Gesicht.
Du kennst den Schmerz - malst Kreise auf deine Haut
- beschwörst - drehst dich um - suchst nach meinem Gesicht.
Dein Blick geht in die Wolken. Du versinkst darin.
Hier ist alles still.
All der Lärm der Welt verschwindet.
Als ich den Stecker zog, hörte meine Welt auf zu sein.
Wir sind gestorben, aber keiner hats gemerkt.
Alles will ich dafür tun, dass wir ineinander sinken.
Hauptsache alles fließt,
hauptsache alles geht mir ganz leicht von der Hand.
Donnerstag, 8. November 2012
Alles Menschliche wohnt mir inne
Lieber G,
Durch meine Beobachtungen kristallsiert sich eine unerwartete Ahnung heraus. Meinst du, dass gerade die Dinge, die uns heute zuwider sind, nur aus dem Grund einen Groll in uns hervorrufen, weil sie uns Vorboten von unserem eigenen Morgen sind? Wenn dem so sei, dann ist ja ein Gefühl des Widerwillens nur förderlich für meine Entscheidungen. So kann ich mir ja die Zukunft schon in die Gegenwart holen und beschleunige mir damit mein Leben. Es könnt mir so zahlreich sein, wenn ich nur aufhörte mich zu sträuben oder Kritik an anderen übte. Denn eben das, was ich an anderen kritisiere, mag zu einem späteren Zeitpunkt ebenso auf mich zutreffen, denn jede Eigenschaft, die einem Menschen anhaftet, wohnt ja gleichermaßen auch mir inne, sind wir doch alle von einem Geschlechte. Diese Gedanken entwickelten sich, als wir in gestern beim Abendtee unserer aller Schriftbild verglichen. Um festzustellen wie sich unsere Schrift verändert hatte, versetzten wir uns zurück in die Kindheit und ich erinnere mich genau wie anders ich die Buchstaben miteinander verbundebn hatte. Emma schrieb in mein kleines Heftchen und als ich mich in meiner Beobachtung nur auf ihre Hand konzentrierte, erkannte ich dort meine eigene. Da sah ich sie an und stellte mir vor, mich selbst zu erblicken. Da ja alle Kinder auf die gleiche Art lernen zu schreiben, ähneln sich wohl die Erinnerungen an die ersten Worte. Als ich mit den Jahren meine eigene Weise entwickelte, da stellte ich ja schon Vergleiche an. Heute stelle ich fest, dass ich z.B. Buchstaben eben so schreibe, wie manch Mitschüler damals. Die Schriften anderer hatte ich als unschön empfunden und stelle nun fest, dass sich auch dieses Unschöne in meinem Unterbewusstsein festgesetzt hat, auf dass ich es selbst auf diese Weise zu Papier bringe. Stelle ich solche Entwicklungen fest, muss ich ja herzhaft lachen über mein damaliges mich Erzürnen.
Antares
Durch meine Beobachtungen kristallsiert sich eine unerwartete Ahnung heraus. Meinst du, dass gerade die Dinge, die uns heute zuwider sind, nur aus dem Grund einen Groll in uns hervorrufen, weil sie uns Vorboten von unserem eigenen Morgen sind? Wenn dem so sei, dann ist ja ein Gefühl des Widerwillens nur förderlich für meine Entscheidungen. So kann ich mir ja die Zukunft schon in die Gegenwart holen und beschleunige mir damit mein Leben. Es könnt mir so zahlreich sein, wenn ich nur aufhörte mich zu sträuben oder Kritik an anderen übte. Denn eben das, was ich an anderen kritisiere, mag zu einem späteren Zeitpunkt ebenso auf mich zutreffen, denn jede Eigenschaft, die einem Menschen anhaftet, wohnt ja gleichermaßen auch mir inne, sind wir doch alle von einem Geschlechte. Diese Gedanken entwickelten sich, als wir in gestern beim Abendtee unserer aller Schriftbild verglichen. Um festzustellen wie sich unsere Schrift verändert hatte, versetzten wir uns zurück in die Kindheit und ich erinnere mich genau wie anders ich die Buchstaben miteinander verbundebn hatte. Emma schrieb in mein kleines Heftchen und als ich mich in meiner Beobachtung nur auf ihre Hand konzentrierte, erkannte ich dort meine eigene. Da sah ich sie an und stellte mir vor, mich selbst zu erblicken. Da ja alle Kinder auf die gleiche Art lernen zu schreiben, ähneln sich wohl die Erinnerungen an die ersten Worte. Als ich mit den Jahren meine eigene Weise entwickelte, da stellte ich ja schon Vergleiche an. Heute stelle ich fest, dass ich z.B. Buchstaben eben so schreibe, wie manch Mitschüler damals. Die Schriften anderer hatte ich als unschön empfunden und stelle nun fest, dass sich auch dieses Unschöne in meinem Unterbewusstsein festgesetzt hat, auf dass ich es selbst auf diese Weise zu Papier bringe. Stelle ich solche Entwicklungen fest, muss ich ja herzhaft lachen über mein damaliges mich Erzürnen.
Antares
Mittwoch, 7. November 2012
Auf zum Licht
Lieber G,
Ich realisiere, dass alles Empfinden
mit dem in Zusammenhang steht, was ich in den vergangenen Wochen in
Erfahrung gebracht habe. Große Zweifel überkommen mich bezüglich
dieses Strebens, weil ich mir keine Vorstellung davon machen kann, wie
all dies zu schaffen sein soll. Dann aber will ich mich ja auch in
Geduld üben, indem ich mir das Wundervolle meiner Wirklichkeit vor
Augen führe und erkenne, dass ich derzeit nichts wünsche, und gar
nicht bereit bin mich den Aufgaben zu stellen, die auf mich warten.
Mich in die Einsamkeit begeben, scheint zwar immer notwendiger zu
werden, aber zum momentanen Zeitpunkt wäre es mehr als verfrüht
dies Vorhaben in die Tat umzusetzen. Ja, ich will! Ich will zu mir
finden, aber alles zu seiner Zeit. Zudem hat doch jeder seine eigene
Vorstellung von dem, was heilig ist oder einem inneren Frieden,
nicht? Als ich auf der gestrigen Heimfahrt zum Fenster hinaus sah
und die untergehende Sonne erblickte, trieb mir dieser leuchtende
Feuerball vor Ehrfurcht die Tränen in die Augen. Welch heiliger
Moment! Und auch, wenn er mir heiliger hätte sein können, an
anderem Ort, wo ich ihn in Abgeschiedenheit hätte genießen können,
so ahnte ich, dass mir dort die Tränen in Bächen die Wangen
wären hinunter gelaufen, jedoch, weit weniger aus Ehrfurcht, als aus eben
dieser Einsamkeit. Ach, ich fürchte sie ja stets noch so sehr, und
will doch, solang mein Glück des Miteinanders währt, es mich bis ins
Mark durchdringen lassen. Ich will die Menschen in mich aufsaugen,
aufdass ich sie mitnehmen kann in dies finstre Tal, in das ich zu
wandern gedenke.
Der Himmel beglückt uns alle nun schon
seit ein paar Tagen mit dem herrlichsten Wetter. An den warmen
Sonnenstrahlen habe ich mich neu aufgeladen. So voller Energie fühle
ich mich, dass es mir den Kopf pochen macht. Meine Schmerzen im
Rücken und Nacken haben sich verflüchtigt und ich empfinde meinen
Körper wie in der Schwebe ohne diese Verspannungen. In diesem Moment
war mir umso mehr Heiligkeit verborgen, als dass ich ihn in Gedanken
mit dir teilte. Ich wähnte dich neben mir sitzend und ebenso
ehrfürchtig zusehen, wie der Himmel sich in den prächtigsten Farben
zeigte. Ich will nicht mehr zweifeln, dachte ich, sondern daran
glauben, dass alles zu schaffen ist. Wenn ich nur weiter meinen
Willen gepackt halte und mir der Glaube nicht abhanden kommt, so will
ich nichts anderes wollen, als das was ist und all mein Vertrauen
darin legen, dass, ganz gleich auf welchem Pfade ich mich befinde, ich
immer zu dem Ort auf dem Wege bin, an den ich ersehe zu gelangen.
Alles was ich wünsche, werde ich mir zu eigen machen, aber doch
alles genau dann, wenn sich dieses Erlangen mit meinen meinem
Wege kreuzt. Oft meine ich, niemanden zu brauchen und mir alles
selbst beibringen zu können, doch dann erkenne ich wieder welch
Naivität und Selbstüberschätzung mich in solchem Moment ereilt,
denn es ist doch weitaus wahrscheinlicher, dass ich einen Lehrer
werde brauchen, der sich meiner annimmt und sich meine Ausbildung zur
Aufgabe macht. Letzte Nacht träumte ich von der seltsamsten
Begegnung. Ein Mann, dessen Gesicht mir nicht im Gedächtnis
geblieben ist, nahm meine Hand und beschaute sich meine Handfläche
mit großer Genauigkeit. Durch ein schwarzes Röhrchen, das ihm als
Vergrößerungsglas diente, fuhr er die Linien nach und ich spürte,
dass er genau wusste was er tat. Ich sei nun auf dem Wege ins Licht,
sagte er mit ruhiger Stimme und reichte mir die Hand zum Abschied. Du
kannst dir denken, mit welch Erleichterung und Frohsinn ich aus
diesem Traum erwachte. Doch wie es sich stets mit solch hoffnungsvollen
Momenten verhält, so verhallen sie ja wieder und man findet sich
alsbald in der drögen Alltäglichkeit, in der man das Licht so oft
nicht zu erblicken vermag. Doch nun, da ich daran bin, diese Zeilen
an dich zu versenden, kann Vorfreude auf deine Antwort in mir sein.
Ich verspreche, ich sende dir ein Lächeln anbei.
Antares
Sonntag, 4. November 2012
Verlorene Kindheit
Lieber Antares,
Manchmal sorge ich mich um den kleinen
Felix. Diese pausenlose Lernerei raubt ihm die ganze Kindheit. Einmal
lernte ich mit ihm und er wirkte mir wie ausgedörrt. Ständig wird
ihm sein Hirn angefüllt mit Informationen, dass kein Freiraum bleibt
für seine kindlichen Bedürfnisse nach Toberei und Abenteuer. Wenn
ein Bub von gerade mal zehn Jahren schon Buch führen muss, über
seine Termine und Erledigungen, dann scheint mir, wird er zu etwas
heran gezogen, was nicht seiner Natur entspricht. Alles muss ständig
in regelten Bahnen laufen. Nicht mal das Spiel scheint ihn zu
amüsieren, wenn es nur darum geht einem Leistungsanspruch zu genügen
und sich immer mehr auf Perfektion zu trimmen. Ich bin froh, dass er
zumindest mir gegenüber beginnt sich etwas zu öffnen und seine
Emotionen zu realisieren. Jedoch bleibt ihm nicht genügend Raum für
ausreichende Reflexion. So wunderte es mich nicht, als er mir
berichtete, dass ihn tags zuvor eine Lustlosigkeit fürs Lernen dazu
gebracht habe, eine Seite aus seiner Lektüre heraus zu reißen. Er
lachte und in seinen Augen funkelte solch Zorn, dass ich innerlich
erschrak. Sein Lachen jedoch schien mir, als wüsste er selbst nicht,
dass er Wut empfinde, ganz so, als wüsste er gar nicht, dass dort
noch eine zweite Welt in ihm ist. Der bevorstehende Urlaub nach
Amerika erhält die Vorfreude im Haus. Die Kinder ziehen sich an
fernen Dingen hoch, weil ihnen die Gegenwart so trübe ist. Aber
dieser Trübsinn ist ihnen so überschattet von den Unmengen an
Material und Zerstreuung, dass sie das Gespür nicht fassen können.
Sie leiden, ohne es zu wissen. Wenn ich ihm in die Augen blicke,
erkenne ich eine tiefe Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit, und
erkenne zugleich, dass er selbst von dieser Sehnsucht nichts weiß.
Der Mutter mag man einen Vorwurf machen können, aber mir scheint
oft, als herrsche in ihr eben solch Leere. Wenn ich Felix versuche
Dinge begreiflich zu machen, kann ich förmlich spüren wie wenig er
bei der Sache ist, aber dann ist er auch nirgendwo anders, sondern
wie eingehüllt in ein Vakuum, in das meine Stimme nicht eindringen
kann. Er wiederholt sich die grammatikalischen Regeln, bis er sie
auswendig weiß, aber inhaltlich scheint er nicht zu wissen von was
da die Rede ist, wenn er letztendlich alles wie eine Maschine
herunter betet. Eigenständiges Denken fällt ihm sehr schwer, und
mir ist als würde es in ihm aus einem Selbstschutz unterdrückt,
weil durch eigene Worte auch sein Ich erwachte. Ihn zu wecken, will
ich unterlassen. Solch Einwirkung zerstörte ja nur das sich
entwickelnde Vertrauen. Ich will geduldig sein, bis er von sich aus
aus sich heraus bricht.
G
Samstag, 3. November 2012
Dein Herz möge eine Laterne sein
Lieber Antares,
Nur dort zu sein wo dein Schritt
hingeht, nur auf diesem einen Fleck, auf den dein Fuß aufsetzt, und
nicht zu schauen wohin dein Weg führt, ist eine nicht zu unterschätzende
Fähigkeit. Mach dich nicht immer so runter, Antares!
Gestern ging ich zum Rummel und konnte ein paar gute Bücher erstehen, von denen ich dir eines anbei lege, und eine wunderschöne in Leder gebundene Flasche, die ich mir gleich mit gutem Wein angefüllt habe. Ich trinke auf deine Zeilen, die mich stets so sehr beglücken.
Gestern ging ich zum Rummel und konnte ein paar gute Bücher erstehen, von denen ich dir eines anbei lege, und eine wunderschöne in Leder gebundene Flasche, die ich mir gleich mit gutem Wein angefüllt habe. Ich trinke auf deine Zeilen, die mich stets so sehr beglücken.
Hier geht es nun aufs St.
Martin Fest zu. Die Kinder basteln schon fleißig an ihren Laternen und
studieren die Lieder ein, die bald im Kerzenschein zu singen sind. Schau
mal zu den Sternen und stimm das altbekannte Liedchen an. Mögest auch
du leuchten, Antares! Dein Herz soll dir Laterne sein. Hab Vertrauen und
es wird dir den Weg weisen. Gerade sehe ich die Kleinen draußen herum flitzen
und sich gegenseitig mit getrockneten Blättern bewerfen. Ihre
Unbeschwertheit ist mir mehr als beeindruckend, und die Gewissheit jene verloren zu
haben, erfüllt auch mich beizeiten mit Traurigkeit. Ich meine dann in
diesem Gefühl den Ursprung aller Verzweiflung zu erkennen, die den
Menschen innewohnt. Ein jeder ist zeitlebens bestürzt, als sei er
gefallen wie ein Krieger, der den Kampf verloren hat. Aber wer sieht
sich an und wünscht eben das? Diese Leichtigkeit zurück zu erlangen? Dem
Menschen fehlt der Mut zum Kindsein, der Mut schon diese Sehnsucht in
Worte zu fassen. Es ist ja wieder der Stolz der hier böse reinwirkt.
Denn es bedarf der Unterordnung, der Erniedrigung und dem Zugeständnis,
dass nicht alles zu wissen ist, und dass das Verstehen dem Fragen
bedarf. Du stellst Fragen, Antares! Erkenne deinen Mut! Erkenne wie sehr
du da bist, wo es all die Sehnsüchtigen hinzieht und die doch in entgegen
gesetzter Richtung fliehen, allein aus Angst. In deiner Liebe zu Emma,
erkenne ich deine Zukunft. Du bist auf gutem Wege, mein Freund!
G
Wenn ich fröhlich bin, sehne ich am meisten
Lieber G,
so sehr wie gestern Abend liebte ich Emma lang nicht mehr. Als ich nach Hause kam, fand ich sie brauchlinks in der Wanne liegend vor, wie ein Kleinkind. Da war sie mir so niedlich, dass ich mich umso größer und stärker fühlte. Ich wusch ihren Körper und küsste ihre Stirn, wie ein Vater seinen Zögling. Später im Rausch überkam mich die Vorstellung, dass alle Welt denselben Plan habe, ohne es zu wissen. Dass ein jeder von jedem wegzutreiben sucht, aufdass schließlich jeder allein sei. Dies mag wieder Projektion sein, aber indem ich projizieren bringe ich ja die Gedanken in die Menschen hinein. Ich fasse Äußerungen anders auf und antworte im Geiste gegensätzlich zu dem, was meine Lippen formen. Manchmal tue ich unaufmerksam um nicht zu erkennen zu geben, wie wie viel Aufmerksamkeit ich dieser Seele schenke, die dort zu mir spricht, ohne, dass ich mich angesprochen gebe. Weiß sie denn nicht was sie tut, wenn sie dieses Lied anstimmt? Ist ihr denn nicht bewusst, was das bewirken kann oder will sie mich nur einem Test unterziehen? Wenn du am Fenster stehst und den Regentropfen zusiehst, wie sie die Scheiben hinunter laufen, denkst du dann stets an mich? Es ist nicht so wie du denkst, im Gegenteil! Ich bin ja betrübt wie das Wetter und wünsche mir dann nichts sehnlicher als in Emmas Armen zu liegen. Wenn die Sonne scheint, ist sie mir ja ebenso da. Dann kann ich fröhlich sein und gerade, wenn ich fröhlich bin, sehne ich am meisten. Gerade unter Menschen, bin ich am einsamsten, weil so viele da sind, nur nicht die eine.
Aha, da sieh mal einer an, wie der Schreiber ins Schreiben kommt, wenn er nur schreibt!
Frage mich einer, was ich sei, so sei es nicht Schriftsteller, sondern viel mehr SchriftERsteller. Ich erstelle Schrift! Ich bin inmitten eines Tuns, indem ich meine Hand betätige. Mein Kopf tut rein gar nichts mehr. Welch Leere dort wieder herrscht seit Tagen. Gestern wollte mir partout kein einziger Gedanke kommen. Immerhin bleiben mir dann noch die Erinnerungen.
Antares
so sehr wie gestern Abend liebte ich Emma lang nicht mehr. Als ich nach Hause kam, fand ich sie brauchlinks in der Wanne liegend vor, wie ein Kleinkind. Da war sie mir so niedlich, dass ich mich umso größer und stärker fühlte. Ich wusch ihren Körper und küsste ihre Stirn, wie ein Vater seinen Zögling. Später im Rausch überkam mich die Vorstellung, dass alle Welt denselben Plan habe, ohne es zu wissen. Dass ein jeder von jedem wegzutreiben sucht, aufdass schließlich jeder allein sei. Dies mag wieder Projektion sein, aber indem ich projizieren bringe ich ja die Gedanken in die Menschen hinein. Ich fasse Äußerungen anders auf und antworte im Geiste gegensätzlich zu dem, was meine Lippen formen. Manchmal tue ich unaufmerksam um nicht zu erkennen zu geben, wie wie viel Aufmerksamkeit ich dieser Seele schenke, die dort zu mir spricht, ohne, dass ich mich angesprochen gebe. Weiß sie denn nicht was sie tut, wenn sie dieses Lied anstimmt? Ist ihr denn nicht bewusst, was das bewirken kann oder will sie mich nur einem Test unterziehen? Wenn du am Fenster stehst und den Regentropfen zusiehst, wie sie die Scheiben hinunter laufen, denkst du dann stets an mich? Es ist nicht so wie du denkst, im Gegenteil! Ich bin ja betrübt wie das Wetter und wünsche mir dann nichts sehnlicher als in Emmas Armen zu liegen. Wenn die Sonne scheint, ist sie mir ja ebenso da. Dann kann ich fröhlich sein und gerade, wenn ich fröhlich bin, sehne ich am meisten. Gerade unter Menschen, bin ich am einsamsten, weil so viele da sind, nur nicht die eine.
Aha, da sieh mal einer an, wie der Schreiber ins Schreiben kommt, wenn er nur schreibt!
Frage mich einer, was ich sei, so sei es nicht Schriftsteller, sondern viel mehr SchriftERsteller. Ich erstelle Schrift! Ich bin inmitten eines Tuns, indem ich meine Hand betätige. Mein Kopf tut rein gar nichts mehr. Welch Leere dort wieder herrscht seit Tagen. Gestern wollte mir partout kein einziger Gedanke kommen. Immerhin bleiben mir dann noch die Erinnerungen.
Antares
Freitag, 2. November 2012
Abschiedsbrief
Geliebte Susi,
einen
letztes Gedicht will
ich dir schreiben, damit
mir ein Licht leuchte
im Dunkeln dieser
Tage. Vertreiben soll
es meine Tränen und dir zeigen, dass
du immer als heller Stern an
meinem Himmelszelt funkeln wirst. Ich
hoffe es gefällt dir
und ist dir eine schöne Erinnerung an
die Zeit, die wir hatten, da
sich nun schwarze Schatten über
unser Verbündnis ziehen, denen
du zu entfliehen suchst. Von
ganzem Herzen möchte
ich dir danken für
den Versuch mich zu lieben. Viele
Schranken haben
sich mit deiner Hilfe aufgetan, und
auch, wenn du jetzt von mir weichen musst,
weil deine Gefühle nicht mehr ausreichen, so
wird sich mein Herz, die, die
du es wissen ließest, aufbewahren und
ganz sparsam mit
ihnen umgehen. Auf
dass sie mich lange nähren mögen, dass
ich nicht vor Sehnsucht nach dir verhungere, die
sich von nun an von Tag zu Tag vermehren
wird. Ich
muss begreifen, wie
es sein kann, dass
ich neulich noch in
deinen Armen lag und
sich so plötzlich dieses schwarze Loch unter
mir auftat, in
dem ich immer noch am
Fallen bin. Ich
wollte mich festkrallen an
dir und dich nie wieder loslassen.
Jetzt
kann ich's kaum fassen dir
im Morgengrauen nie
wieder in die Augen schauen zu
können. Niemandem
will ich dieses Geschenk gönnen. Mit
aller Macht werd
ich den Hass aus meinem Herzen treiben, damit
mir schon bald wieder die Sonne lacht und
meine Schmerzen ein
Ende haben. Dann
wird die große Wende kommen,
weil die Erinnerung an
dich mein Anschwung sein
wird, damit
sich mein Kopf nicht verirrt im
Chaos dieser Welt.
Du
hast mir zu verstehen gegeben, dass
ich in Zukunft ohne
deine Liebe leben muss; einen
letzten Kuss hab
ich zum Abschied auf
deine Stirn gedrückt, jetzt
macht's mich verrückt zu
wissen, dass
meine Lippen deine Haut nie
wieder berühren werden, und
alles was ich spüren kann,
ist der Wunsch sofort
zu sterben. Mein
Herz möcht ich mir aus
der Brust reißen, weil
es dir gehört,
seitdem ich es dir zum
Geschenk machte. Richte
dem nächsten von mir aus, ganz
vorsichtig und sachte mit
dir umzugehen, denn
auch, wenn wir uns von
nun an nicht mehr sehen,
werde
ich Wacht über
deinen Schlaf in der Nacht halten,
weiter Acht auf
dich geben und
jeden vertreiben, der
dir Böses will. Still,
still, mein Herz! Lass
deinen Tränen freien Lauf, doch
verbirg den Schmerz, den
du empfindest, auf
dass du verschwindest an
einen einsamen Ort, wo
niemandem deines Kummers Wort zu
Ohren kommt, und
auch dein Gesicht nicht
erkennen lässt, welch
kräftigen Stoß dir
der gestrige
Tage verpasste. Haste jetzt
nicht wie verloren durch
den Tag, sondern
leg die Hände in deinen Schoß und
sag: "Jetzt
werd ich neu geboren!" Alles
was war soll
ich vergessen, alles
was wird von
nun an besser ausmessen und
einschätzen, und
mich mit den restlichen Fetzen der
verlorenen Liebe zudecken. Ich
will aufhören mich zu verstecken und
denken, sie
triebe mich
in den Wahnsinn und
wolle nichts als
mich in die verkehrte Richtung zu
lenken, denn
das wäre ein Trugschluss. Ich
will nicht in den falschen Bus einsteigen,
der in die Hölle fährt, sondern
kehrt machen
und alle bösen Gefühle abstreifen, die
der Teufel regiert, mich
seiner mächtigen Klauen entreißen und
lieber in die reifen Früchte
Gottes immerwährender Liebe beißen. Wie
naiv ich war vom
Sommer zu
reden, denn
wie man sieht, im
null komma nix
ist's aus und vorbei. O
wie mir geschieht! Sitz
auf des Berges Gipfel und
schrei mir
die Seele aus
dem Leibe, seh
die Wipfel der
Bäume sich im Winde bewegen und
reibe meine
trockene Kehle. Ich
muss mich hinlegen, weil
mich die Müdigkeit überwältigt,
und hoffe der Herr befreit mich
von meiner Schlaflosigkeit, die
mich die ganze Nacht gequält. Schon
jetzt fehlt mir
dein Lachen, all
die lustigen Sachen, die
ich nur mit dir machen konnte. Ich
werd dich so unendlich sehr vermissen, werd
nie wieder das Kissen waschen,
auf dem dein Köpfchen lag,
weils sicher noch ein Tröpfchen von
deinem Dufte an sich trägt. Mit
einem Mal wie weg gefegt ist
alles was uns verband, doch
ich möchte dich wissen lassen: Ich
könnte dich niemals hassen und
reich dir die Hand wann
immer du ins Wanken gerätst. Ich
bin für dich da, ob
nah oder
fern, doch
jetzt muss ich erstmal lern ohne
dich auszukommen, weil
du mich ganz benommen machtest, muss
mich entfern, auch,
wenns nichts daran ändern wird wie
wahnsinnig gern ich
dich hab, wie
sehr ich es mag meine
Zeit mit
dir zu verbringen, so
ist es jetzt soweit unsere
Lieder allein zu singen und
mich anderen Dingen zuzuwenden. Mein
Glaube wird mir die nötige Kraft dazu
spenden und
wer weiß, vielleicht
wird mir der Himmel schon bald einen
neuen Engel senden. Drum
mach dir keine Sorgen, es
wird immer ein Morgen geben. Meinen
Segen hast
du längst und
ich weiß, dass
du mir auch deinen schenkst. Ich
möchte nun aufhören, dir
mein Leid zu klagen und
dir "Lebe Wohl" sagen, aber
auch, wenn sich unsere Wege hier trennen und
unser beider Leben seinen Lauf nimmt, dein
Name wird ewiglich in
meinem Herzen brennen, denn
ich weiß ganz bestimmt ich
werde dich lieben für
alle Zeit.
In Liebe,
Dein Gustave
Der Doppelgänger
Wir ziehen an einem Strang,
aber anstatt uns hintereinander aufzureihen,
stehen wir uns gegenüber und zerren an dem Seil,
als wollten wir messen, wer wohl der Stärkere sei.
Wär alles ein Leichtes, wenn einer nachgäbe,
wenn nur einer klüger wäre.
Mir scheint, von allen Sünden ist der Stolz,
die wohl am schwersten zu überwindende.
aber anstatt uns hintereinander aufzureihen,
stehen wir uns gegenüber und zerren an dem Seil,
als wollten wir messen, wer wohl der Stärkere sei.
Wär alles ein Leichtes, wenn einer nachgäbe,
wenn nur einer klüger wäre.
Mir scheint, von allen Sünden ist der Stolz,
die wohl am schwersten zu überwindende.
Donnerstag, 1. November 2012
Nicht Qual, Vorfreude solls mir sein
Lieber G,
Emma entschuldigt sich nun ständig für ihr Mich-Verhätscheln. Nachdem ich meine Depression überwunden habe, kristallisiert sich nun heraus, dass sie es nur schwerlich unterlassen kann, an mir herum zu fummeln. Ihr fällt das ja selbst auf, aber mich stört es derzeit rein gar nicht. Ich bin ja erleichtert, dass sich meine Sorgen nicht bewahrheitet haben. Ihre Berührungen genieße ich sehr. Beizeiten meine ich jedoch, dass dies so nicht richtig sei, und sie wirkt fast auch ein wenig so, als rege sie sich darüber auf plötzlich wieder so vernarrt in mich zu sein. Es scheint, wahrlich böse könne sie mir kaum sein. Wenn ich mich deswegen nun wieder klein fühle, dann gräme ich mich dessen nicht mehr. Der Beweis ist ja erbracht und mir ist's nun wie eine Erleichterung. Ich lebe - ich bin nicht nur schön, kleine Klettenbergerin und auch kein Moritz.
Ach, wenn ich nur jetzt schon Zeit hätte für ein intensives Studium all dieser Schriftstücke. Anzunehmen, dass dieses Verlangen noch zurück zu stecken sei, quält mich, aber dann sag ich mir, dass die Qual ja nur Qual ist, wenn ich sie so bezeichne. Stattdessen soll es mir Vorfreude sein! Die müßigen Stunden, die ich zubringen muss, bis sie mir erfüllt wird, sollt ich mir doch nicht durch betrübtes Gemüt noch müßiger machen. Was hilft's denn? Es ist ja nicht zu ändern und wenn ich dahin komme anzunehmen, dass die Muße und der Fleiß jetzt nicht sein muss, sondern sein soll, dann mögen die Stunden mir gar angenehm verstreichen. Denn gibt es nicht da eine Hoffnung in mir, die geradezu wünscht alles, alles möge schnell vergehen? Manchmal ist's aber ja gerad diese Hoffnung, die mich bange macht, denn wär dieser Wunsch nicht, was gäbs zu fürchten?
Antares
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