"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."

Freitag, 23. November 2012

Das verlorene Kind


Zuerst musst du etwas verlieren
um zu realisieren
wie viel du gefunden hattest.
Gehst du dann das Wagnis ein zurückzukehren
und wirst mit einem Festmahl empfangen,
bist du zuhause.

Dann musst du jemanden verlieren
um zu realisieren
wie sehr du dich gefunden hattest.
Gehst du dann das Wagnis ein zurückzukehren
und wirst mit einem Festmahl empfangen, 
bist du geboren.

Zuletzt muss du dich selbst verlieren
um zu realisieren
wie vollkommen du dich gefunden hattest.
Gehst du dann das Wagnis ein zurückzukehren
und wirst mit einem Festmahl empfangen,
bist du wiedergeboren.

Jetzt bist du im Himmel
und realisierst
wer du bist
Gehst du dann das Wagnis ein dich umzukehren
und wirst mit einem Festmahl empfangen,
bist du gestorben.

Samstag, 10. November 2012

Lichtarbeit

Hab Erbarmen mit mir!
Ich will dich lieben wie mein eigen Herz!
Bilde mich aus und lass mich dein Lichtarbeiter sein!
Wenn ich über die Grenzen meines Lebens hinaus denke, 
siehst du mich an.
Wie hast du gelitten! Narben zieren dein Gesicht.
Du kennst den Schmerz - malst Kreise auf deine Haut
- beschwörst - drehst dich um - suchst nach meinem Gesicht.
Dein Blick geht in die Wolken. Du versinkst darin. 
Hier ist alles still.
All der Lärm der Welt verschwindet.
Als ich den Stecker zog, hörte meine Welt auf zu sein.
Wir sind gestorben, aber keiner hats gemerkt.
Alles will ich dafür tun, dass wir ineinander sinken.
Hauptsache alles fließt, 
hauptsache alles geht mir ganz leicht von der Hand.


Donnerstag, 8. November 2012

Alles Menschliche wohnt mir inne

Lieber G,

Durch meine Beobachtungen kristallsiert sich eine unerwartete Ahnung heraus. Meinst du, dass gerade die Dinge, die uns heute zuwider sind, nur aus dem Grund einen Groll in uns hervorrufen, weil sie uns Vorboten von unserem eigenen Morgen sind? Wenn dem so sei, dann ist ja ein Gefühl des Widerwillens nur förderlich für meine Entscheidungen. So kann ich mir ja die Zukunft schon in die Gegenwart holen und beschleunige mir damit mein Leben. Es könnt mir so zahlreich sein, wenn ich nur aufhörte mich zu sträuben oder Kritik an anderen übte. Denn eben das, was ich an anderen kritisiere, mag zu einem späteren Zeitpunkt ebenso auf mich zutreffen, denn jede Eigenschaft, die einem Menschen anhaftet, wohnt ja gleichermaßen auch mir inne, sind wir doch alle von einem Geschlechte. Diese Gedanken entwickelten sich, als wir in gestern beim Abendtee unserer aller Schriftbild verglichen. Um festzustellen wie sich unsere Schrift verändert hatte, versetzten wir uns zurück in die Kindheit und ich erinnere mich genau wie anders ich die Buchstaben miteinander verbundebn hatte. Emma schrieb in mein kleines Heftchen und als ich mich in meiner Beobachtung nur auf ihre Hand konzentrierte, erkannte ich dort meine eigene. Da sah ich sie an und stellte mir vor, mich selbst zu erblicken. Da ja alle Kinder auf die gleiche Art lernen zu schreiben, ähneln sich wohl die Erinnerungen an die ersten Worte. Als ich mit den Jahren meine eigene Weise entwickelte, da stellte ich ja schon Vergleiche an. Heute stelle ich fest, dass ich z.B. Buchstaben eben so schreibe, wie manch Mitschüler damals. Die Schriften anderer hatte ich als unschön empfunden und stelle nun fest, dass sich auch dieses Unschöne in meinem Unterbewusstsein festgesetzt hat, auf dass ich es selbst auf diese Weise zu Papier bringe. Stelle ich solche Entwicklungen fest, muss ich ja herzhaft lachen über mein damaliges mich Erzürnen.

Antares

Mittwoch, 7. November 2012

Auf zum Licht

Lieber G,

Ich realisiere, dass alles Empfinden mit dem in Zusammenhang steht, was ich in den vergangenen Wochen in Erfahrung gebracht habe. Große Zweifel überkommen mich bezüglich dieses Strebens, weil ich mir keine Vorstellung davon machen kann, wie all dies zu schaffen sein soll. Dann aber will ich mich ja auch in Geduld üben, indem ich mir das Wundervolle meiner Wirklichkeit vor Augen führe und erkenne, dass ich derzeit nichts wünsche, und gar nicht bereit bin mich den Aufgaben zu stellen, die auf mich warten. Mich in die Einsamkeit begeben, scheint zwar immer notwendiger zu werden, aber zum momentanen Zeitpunkt wäre es mehr als verfrüht dies Vorhaben in die Tat umzusetzen. Ja, ich will! Ich will zu mir finden, aber alles zu seiner Zeit. Zudem hat doch jeder seine eigene Vorstellung von dem, was heilig ist oder einem inneren Frieden, nicht? Als ich auf der gestrigen Heimfahrt zum Fenster hinaus sah und die untergehende Sonne erblickte, trieb mir dieser leuchtende Feuerball vor Ehrfurcht die Tränen in die Augen. Welch heiliger Moment! Und auch, wenn er mir heiliger hätte sein können, an anderem Ort, wo ich ihn in Abgeschiedenheit hätte genießen können, so ahnte ich, dass mir dort die Tränen in Bächen die Wangen wären hinunter gelaufen, jedoch, weit weniger aus Ehrfurcht, als aus eben dieser Einsamkeit. Ach, ich fürchte sie ja stets noch so sehr, und will doch, solang mein Glück des Miteinanders währt, es mich bis ins Mark durchdringen lassen. Ich will die Menschen in mich aufsaugen, aufdass ich sie mitnehmen kann in dies finstre Tal, in das ich zu wandern gedenke.
Der Himmel beglückt uns alle nun schon seit ein paar Tagen mit dem herrlichsten Wetter. An den warmen Sonnenstrahlen habe ich mich neu aufgeladen. So voller Energie fühle ich mich, dass es mir den Kopf pochen macht. Meine Schmerzen im Rücken und Nacken haben sich verflüchtigt und ich empfinde meinen Körper wie in der Schwebe ohne diese Verspannungen. In diesem Moment war mir umso mehr Heiligkeit verborgen, als dass ich ihn in Gedanken mit dir teilte. Ich wähnte dich neben mir sitzend und ebenso ehrfürchtig zusehen, wie der Himmel sich in den prächtigsten Farben zeigte. Ich will nicht mehr zweifeln, dachte ich, sondern daran glauben, dass alles zu schaffen ist. Wenn ich nur weiter meinen Willen gepackt halte und mir der Glaube nicht abhanden kommt, so will ich nichts anderes wollen, als das was ist und all mein Vertrauen darin legen, dass, ganz gleich auf welchem Pfade ich mich befinde, ich immer zu dem Ort auf dem Wege bin, an den ich ersehe zu gelangen. Alles was ich wünsche, werde ich mir zu eigen machen, aber doch alles genau dann, wenn sich dieses Erlangen mit meinen meinem Wege kreuzt. Oft meine ich, niemanden zu brauchen und mir alles selbst beibringen zu können, doch dann erkenne ich wieder welch Naivität und Selbstüberschätzung mich in solchem Moment ereilt, denn es ist doch weitaus wahrscheinlicher, dass ich einen Lehrer werde brauchen, der sich meiner annimmt und sich meine Ausbildung zur Aufgabe macht. Letzte Nacht träumte ich von der seltsamsten Begegnung. Ein Mann, dessen Gesicht mir nicht im Gedächtnis geblieben ist, nahm meine Hand und beschaute sich meine Handfläche mit großer Genauigkeit. Durch ein schwarzes Röhrchen, das ihm als Vergrößerungsglas diente, fuhr er die Linien nach und ich spürte, dass er genau wusste was er tat. Ich sei nun auf dem Wege ins Licht, sagte er mit ruhiger Stimme und reichte mir die Hand zum Abschied. Du kannst dir denken, mit welch Erleichterung und Frohsinn ich aus diesem Traum erwachte. Doch wie es sich stets mit solch hoffnungsvollen Momenten verhält, so verhallen sie ja wieder und man findet sich alsbald in der drögen Alltäglichkeit, in der man das Licht so oft nicht zu erblicken vermag. Doch nun, da ich daran bin, diese Zeilen an dich zu versenden, kann Vorfreude auf deine Antwort in mir sein. Ich verspreche, ich sende dir ein Lächeln anbei.

Antares

Sonntag, 4. November 2012

Verlorene Kindheit

Lieber Antares,

Manchmal sorge ich mich um den kleinen Felix. Diese pausenlose Lernerei raubt ihm die ganze Kindheit. Einmal lernte ich mit ihm und er wirkte mir wie ausgedörrt. Ständig wird ihm sein Hirn angefüllt mit Informationen, dass kein Freiraum bleibt für seine kindlichen Bedürfnisse nach Toberei und Abenteuer. Wenn ein Bub von gerade mal zehn Jahren schon Buch führen muss, über seine Termine und Erledigungen, dann scheint mir, wird er zu etwas heran gezogen, was nicht seiner Natur entspricht. Alles muss ständig in regelten Bahnen laufen. Nicht mal das Spiel scheint ihn zu amüsieren, wenn es nur darum geht einem Leistungsanspruch zu genügen und sich immer mehr auf Perfektion zu trimmen. Ich bin froh, dass er zumindest mir gegenüber beginnt sich etwas zu öffnen und seine Emotionen zu realisieren. Jedoch bleibt ihm nicht genügend Raum für ausreichende Reflexion. So wunderte es mich nicht, als er mir berichtete, dass ihn tags zuvor eine Lustlosigkeit fürs Lernen dazu gebracht habe, eine Seite aus seiner Lektüre heraus zu reißen. Er lachte und in seinen Augen funkelte solch Zorn, dass ich innerlich erschrak. Sein Lachen jedoch schien mir, als wüsste er selbst nicht, dass er Wut empfinde, ganz so, als wüsste er gar nicht, dass dort noch eine zweite Welt in ihm ist. Der bevorstehende Urlaub nach Amerika erhält die Vorfreude im Haus. Die Kinder ziehen sich an fernen Dingen hoch, weil ihnen die Gegenwart so trübe ist. Aber dieser Trübsinn ist ihnen so überschattet von den Unmengen an Material und Zerstreuung, dass sie das Gespür nicht fassen können. Sie leiden, ohne es zu wissen. Wenn ich ihm in die Augen blicke, erkenne ich eine tiefe Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit, und erkenne zugleich, dass er selbst von dieser Sehnsucht nichts weiß. Der Mutter mag man einen Vorwurf machen können, aber mir scheint oft, als herrsche in ihr eben solch Leere. Wenn ich Felix versuche Dinge begreiflich zu machen, kann ich förmlich spüren wie wenig er bei der Sache ist, aber dann ist er auch nirgendwo anders, sondern wie eingehüllt in ein Vakuum, in das meine Stimme nicht eindringen kann. Er wiederholt sich die grammatikalischen Regeln, bis er sie auswendig weiß, aber inhaltlich scheint er nicht zu wissen von was da die Rede ist, wenn er letztendlich alles wie eine Maschine herunter betet. Eigenständiges Denken fällt ihm sehr schwer, und mir ist als würde es in ihm aus einem Selbstschutz unterdrückt, weil durch eigene Worte auch sein Ich erwachte. Ihn zu wecken, will ich unterlassen. Solch Einwirkung zerstörte ja nur das sich entwickelnde Vertrauen. Ich will geduldig sein, bis er von sich aus aus sich heraus bricht.

G

Samstag, 3. November 2012

Dein Herz möge eine Laterne sein

Lieber Antares,

Nur dort zu sein wo dein Schritt hingeht, nur auf diesem einen Fleck, auf den dein Fuß aufsetzt, und nicht zu schauen wohin dein Weg führt, ist eine nicht zu unterschätzende Fähigkeit. Mach dich nicht immer so runter, Antares!
Gestern ging ich zum Rummel und konnte ein paar gute Bücher erstehen, von denen ich dir eines anbei lege, und eine wunderschöne in Leder gebundene Flasche, die ich mir gleich mit gutem Wein angefüllt habe. Ich trinke auf deine Zeilen, die mich stets so sehr beglücken. 
Hier geht es nun aufs St. Martin Fest zu. Die Kinder basteln schon fleißig an ihren Laternen und studieren die Lieder ein, die bald im Kerzenschein zu singen sind. Schau mal zu den Sternen und stimm das altbekannte Liedchen an. Mögest auch du leuchten, Antares! Dein Herz soll dir Laterne sein. Hab Vertrauen und es wird dir den Weg weisen. Gerade sehe ich die Kleinen draußen herum flitzen und sich gegenseitig mit getrockneten Blättern bewerfen. Ihre Unbeschwertheit ist mir mehr als beeindruckend, und die Gewissheit jene verloren zu haben, erfüllt auch mich beizeiten mit Traurigkeit. Ich meine dann in diesem Gefühl den Ursprung aller Verzweiflung zu erkennen, die den Menschen innewohnt. Ein jeder ist zeitlebens bestürzt, als sei er gefallen wie ein Krieger, der den Kampf verloren hat. Aber wer sieht sich an und wünscht eben das? Diese Leichtigkeit zurück zu erlangen? Dem Menschen fehlt der Mut zum Kindsein, der Mut schon diese Sehnsucht in Worte zu fassen. Es ist ja wieder der Stolz der hier böse reinwirkt. Denn es bedarf der Unterordnung, der Erniedrigung und dem Zugeständnis, dass nicht alles zu wissen ist, und dass das Verstehen dem Fragen bedarf. Du stellst Fragen, Antares! Erkenne deinen Mut! Erkenne wie sehr du da bist, wo es all die Sehnsüchtigen hinzieht und die doch in entgegen gesetzter Richtung fliehen, allein aus Angst. In deiner Liebe zu Emma, erkenne ich deine Zukunft. Du bist auf gutem Wege, mein Freund! 

G

Wenn ich fröhlich bin, sehne ich am meisten

Lieber G,

so sehr wie gestern Abend liebte ich Emma lang nicht mehr. Als ich nach Hause kam, fand ich sie brauchlinks in der Wanne liegend vor, wie ein Kleinkind. Da war sie mir so niedlich, dass ich mich umso größer und stärker fühlte. Ich wusch ihren Körper und küsste ihre Stirn, wie ein Vater seinen Zögling. Später im Rausch überkam mich die Vorstellung, dass alle Welt denselben Plan habe, ohne es zu wissen. Dass ein jeder von jedem wegzutreiben sucht, aufdass schließlich jeder allein sei. Dies mag wieder Projektion sein, aber indem ich projizieren bringe ich ja die Gedanken in die Menschen hinein. Ich fasse Äußerungen anders auf und antworte im Geiste gegensätzlich zu dem, was meine Lippen formen. Manchmal tue ich unaufmerksam um nicht zu erkennen zu geben, wie wie viel Aufmerksamkeit ich dieser Seele schenke, die dort zu mir spricht, ohne, dass ich mich angesprochen gebe. Weiß sie denn nicht was sie tut, wenn sie dieses Lied anstimmt? Ist ihr denn nicht bewusst, was das bewirken kann oder will sie mich nur einem Test unterziehen? Wenn du am Fenster stehst und den Regentropfen zusiehst, wie sie die Scheiben hinunter laufen, denkst du dann stets an mich? Es ist nicht so wie du denkst, im Gegenteil! Ich bin ja betrübt wie das Wetter und wünsche mir dann nichts sehnlicher als in Emmas Armen zu liegen. Wenn die Sonne scheint, ist sie mir ja ebenso da. Dann kann ich fröhlich sein und gerade, wenn ich fröhlich bin, sehne ich am meisten. Gerade unter Menschen, bin ich am einsamsten, weil so viele da sind, nur nicht die eine.
Aha, da sieh mal einer an, wie der Schreiber ins Schreiben kommt, wenn er nur schreibt!
Frage mich einer, was ich sei, so sei es nicht Schriftsteller, sondern viel mehr SchriftERsteller. Ich erstelle Schrift! Ich bin inmitten eines Tuns, indem ich meine Hand betätige. Mein Kopf tut rein gar nichts mehr. Welch Leere dort wieder herrscht seit Tagen. Gestern wollte mir partout kein einziger Gedanke kommen. Immerhin bleiben mir dann noch die Erinnerungen.

Antares

Freitag, 2. November 2012

Abschiedsbrief

Geliebte Susi,

einen letztes Gedicht will ich dir schreiben, damit mir ein Licht leuchte im Dunkeln dieser Tage. Vertreiben soll es meine Tränen und dir zeigen, dass du immer als heller Stern an meinem Himmelszelt funkeln wirst. Ich hoffe es gefällt dir und ist dir eine schöne Erinnerung an die Zeit, die wir hatten, da sich nun schwarze Schatten über unser Verbündnis ziehen, denen du zu entfliehen suchst. Von ganzem Herzen möchte ich dir danken für den Versuch mich zu lieben. Viele Schranken haben sich mit deiner Hilfe aufgetan, und auch, wenn du jetzt von mir weichen musst, weil deine Gefühle nicht mehr ausreichen, so wird sich mein Herz, die, die du es wissen ließest, aufbewahren und ganz sparsam mit ihnen umgehen. Auf dass sie mich lange nähren mögen, dass ich nicht vor Sehnsucht nach dir verhungere, die sich von nun an von Tag zu Tag vermehren wird. Ich muss begreifen, wie es sein kann, dass ich neulich noch in deinen Armen lag und sich so plötzlich dieses schwarze Loch unter mir auftat, in dem ich immer noch am Fallen bin. Ich wollte mich festkrallen an dir und dich nie wieder loslassen.
Jetzt kann ich's kaum fassen dir im Morgengrauen nie wieder in die Augen schauen zu können. Niemandem will ich dieses Geschenk gönnen. Mit aller Macht werd ich den Hass aus meinem Herzen treiben, damit mir schon bald wieder die Sonne lacht und meine Schmerzen ein Ende haben. Dann wird die große Wende kommen, weil die Erinnerung an dich mein Anschwung sein wird, damit sich mein Kopf nicht verirrt im Chaos dieser Welt.
Du hast mir zu verstehen gegeben, dass ich in Zukunft ohne deine Liebe leben muss; einen letzten Kuss hab ich zum Abschied auf deine Stirn gedrückt, jetzt macht's mich verrückt zu wissen, dass meine Lippen deine Haut nie wieder berühren werden, und alles was ich spüren kann, ist der Wunsch sofort zu sterben. Mein Herz möcht ich mir aus der Brust reißen, weil es dir gehört, seitdem ich es dir zum Geschenk machte. Richte dem nächsten von mir aus, ganz vorsichtig und sachte mit dir umzugehen, denn auch, wenn wir uns von nun an nicht mehr sehen,
werde ich Wacht über deinen Schlaf in der Nacht halten, weiter Acht auf dich geben und jeden vertreiben, der dir Böses will. Still, still, mein Herz! Lass deinen Tränen freien Lauf, doch verbirg den Schmerz, den du empfindest, auf dass du verschwindest an einen einsamen Ort, wo niemandem deines Kummers Wort zu Ohren kommt, und auch dein Gesicht nicht erkennen lässt, welch kräftigen Stoß dir der gestrige Tage verpasste. Haste jetzt nicht wie verloren durch den Tag, sondern leg die Hände in deinen Schoß und sag: "Jetzt werd ich neu geboren!" Alles was war soll ich vergessen, alles was wird von nun an besser ausmessen und einschätzen, und mich mit den restlichen Fetzen der verlorenen Liebe zudecken. Ich will aufhören mich zu verstecken und denken, sie triebe mich in den Wahnsinn und wolle nichts als mich in die verkehrte Richtung zu lenken, denn das wäre ein Trugschluss. Ich will nicht in den falschen Bus einsteigen, der in die Hölle fährt, sondern kehrt machen und alle bösen Gefühle abstreifen, die der Teufel regiert, mich seiner mächtigen Klauen entreißen und lieber in die reifen Früchte Gottes immerwährender Liebe beißen. Wie naiv ich war vom Sommer zu reden, denn wie man sieht, im null komma nix ist's aus und vorbei. O wie mir geschieht! Sitz auf des Berges Gipfel und schrei mir die Seele aus dem Leibe, seh die Wipfel der Bäume sich im Winde bewegen und reibe meine trockene Kehle. Ich muss mich hinlegen, weil mich die Müdigkeit überwältigt, und hoffe der Herr befreit mich von meiner Schlaflosigkeit, die mich die ganze Nacht gequält. Schon jetzt fehlt mir dein Lachen, all die lustigen Sachen, die ich nur mit dir machen konnte. Ich werd dich so unendlich sehr vermissen, werd nie wieder das Kissen waschen, auf dem dein Köpfchen lag, weils sicher noch ein Tröpfchen von deinem Dufte an sich trägt. Mit einem Mal wie weg gefegt ist alles was uns verband, doch ich möchte dich wissen lassen: Ich könnte dich niemals hassen und reich dir die Hand wann immer du ins Wanken gerätst. Ich bin für dich da, ob nah oder fern, doch jetzt muss ich erstmal lern ohne dich auszukommen, weil du mich ganz benommen machtest, muss mich entfern, auch, wenns nichts daran ändern wird wie wahnsinnig gern ich dich hab, wie sehr ich es mag meine Zeit mit dir zu verbringen, so ist es jetzt soweit unsere Lieder allein zu singen und mich anderen Dingen zuzuwenden. Mein Glaube wird mir die nötige Kraft dazu spenden und wer weiß, vielleicht wird mir der Himmel schon bald einen neuen Engel senden. Drum mach dir  keine Sorgen, es wird immer ein Morgen geben. Meinen Segen hast du längst und ich weiß, dass du mir auch deinen schenkst. Ich möchte nun aufhören, dir mein Leid zu klagen und dir "Lebe Wohl" sagen, aber auch, wenn sich unsere Wege hier trennen und unser beider Leben seinen Lauf nimmt, dein Name wird ewiglich in meinem Herzen brennen, denn ich weiß ganz bestimmt ich werde dich lieben für alle Zeit. 

In Liebe,

Dein Gustave 


Der Doppelgänger

Wir ziehen an einem Strang,
aber anstatt uns hintereinander aufzureihen,
stehen wir uns gegenüber und zerren an dem Seil,
als wollten wir messen, wer wohl der Stärkere sei.
Wär alles ein Leichtes, wenn einer nachgäbe,
wenn nur einer klüger wäre.
Mir scheint, von allen Sünden ist der Stolz,
die wohl am schwersten zu überwindende.

Donnerstag, 1. November 2012

Nicht Qual, Vorfreude solls mir sein

Lieber G,

Emma entschuldigt sich nun ständig für ihr Mich-Verhätscheln. Nachdem ich meine Depression überwunden habe, kristallisiert sich nun heraus, dass sie es nur schwerlich unterlassen kann, an mir herum zu fummeln. Ihr fällt das ja selbst auf, aber mich stört es derzeit rein gar nicht. Ich bin ja erleichtert, dass sich meine Sorgen nicht bewahrheitet haben. Ihre Berührungen genieße ich sehr. Beizeiten meine ich jedoch, dass dies so nicht richtig sei, und sie wirkt fast auch ein wenig so, als rege sie sich darüber auf plötzlich wieder so vernarrt in mich zu sein. Es scheint, wahrlich böse könne sie mir kaum sein. Wenn ich mich deswegen nun wieder klein fühle, dann gräme ich mich dessen nicht mehr. Der Beweis ist ja erbracht und mir ist's nun wie eine Erleichterung. Ich lebe - ich bin nicht nur schön, kleine Klettenbergerin und auch kein Moritz. 
Ach, wenn ich nur jetzt schon Zeit hätte für ein intensives Studium all dieser Schriftstücke. Anzunehmen, dass dieses Verlangen noch zurück zu stecken sei, quält mich, aber dann sag ich mir, dass die Qual ja nur Qual ist, wenn ich sie so bezeichne. Stattdessen soll es mir Vorfreude sein! Die müßigen Stunden, die ich zubringen muss, bis sie mir erfüllt wird, sollt ich mir doch nicht durch betrübtes Gemüt noch müßiger machen. Was hilft's denn? Es ist ja nicht zu ändern und wenn ich dahin komme anzunehmen, dass die Muße und der Fleiß jetzt nicht sein muss, sondern sein soll, dann mögen die Stunden mir gar angenehm verstreichen. Denn gibt es nicht da eine Hoffnung in mir, die geradezu wünscht alles, alles möge schnell vergehen? Manchmal ist's aber ja gerad diese Hoffnung, die mich bange macht, denn wär dieser Wunsch nicht, was gäbs zu fürchten?

Antares