"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."

Dienstag, 19. Februar 2013

"Fliehe in deine Einsamkeit!"

Soll das jetzt schon alles sein?
Hör doch mal in die Stille hinein!
Lass mal das Streben und Planen
und fliehe in deine Einsamkeit!
Im schwarzen Wald wirst du den Himmel finden.
Lausche! Lausche!
Und erinnere dich an den die ersten Tage deines Lebens.
Lass es uns von neuem anfangen.
Und lass uns machen, dass es keine Zeit gibt und kein Raum und keine Schatten.
Alles ist dort erleuchtet!
Du musst nur wollen!
Strebe nur nach dir, nach Vervollkommnung!
Und sei unbesorgt: Fürchte dich nicht, wenn du meinst du verschwinden.
Dann bist du ja ganz nahe.
Fliehe jetzt, fliehe in deine Einsamkeit!
Und atme! Atme tief und lang und so ruhig wie du kannst!
Brauchen wir den Technologien um zu den Sternen zu reisen?
Solang dein Körper dir nicht Rakete ist,
solang er sich nicht mit der Geschwindigkeit des Lichts bewegt,
bist du noch hier.
Verschwinde! Löse dich auf!
Du willst die Welt bereisen?
Bereise dich, denn Welt ist in dir!

Montag, 18. Februar 2013

Die Welle

Du bist der Schall, der auf den Berg trifft,
an ihm abprallt und zurückgeworfen wird.
Mit dem Schwingen deiner Finger
kannst du ihn in die Lüfte schwingen,
mit der Leere deiner Gedanken
seine Bahn in meine Richtung lenken.
Welch Dröhnen in meinen Ohren!
Welch Knacken und Schreien!
Du hast mir viel zu sagen,
du hast mir viel Leid zu klagen.


Samstag, 16. Februar 2013

Der Gezeichnete

Ich habe dich eingezeichnet in meine Haut
ich trage dich auf meinen Schultern
du bist mir keine Last
deine Buchstaben sind meine Flügel
mit denen ich zu dir fliegen kann
du fehlst mir, Schwesterchen!


Wenn ich aber durch den Geist Gottes die Dämonen austreibe, so ist also das Reich Gottes zu euch gekommen. 
(Mattäus, 12, 28)

Freitag, 15. Februar 2013

Der Wachtmann

Heute ist der Fünfzehnte.
Gäbe es diesen Tag nicht in jedem Monat, so wär ich nicht da.
Wenn alles ausradiert würde, was je an einem fünfzehnten passiert ist, wäre ich nie geboren worden.
Und auch wenn meine Mutter ein Kind geboren hätte, und es wäre nicht am fünfzehnten geboren, so wäre es nicht ich geworden.
Gäbe es den fünfzehnten nicht in jedem Monat, so wärst du nicht gestorben,
denn dein Geist wollte an einem fünfzehnten deinen Körper verlassen.

In der Nicht-Existenz meiner Geburt und der Nicht-Existenz deines Todes, wären wir verbunden.
Denn ich wäre nur Geist und du wärst nur Körper gewesen.
Ich wäre nicht geboren und du würdest leben und niemals sterben.
Doch der fünfzehnte existiert.
Das weiß ich, weil heute der fünfzehnte ist
und weil ich bin geboren wurde und du gestorben bist.
Wenn also alles genau andersherum ist, so war ich durch meine Geburt nur Körper
und du durch deinen Tod nur Geist.
Der Körper kann nicht sterben, wenn er nicht Geist ist
und der Geist kann nur im Tode geboren werden, indem er einen Körper wählt, in den er einfährt.

"Leite mich, Vater und lass mich einkehren in einen Körper, dem es an Geist mangelt, aufdass ich ihn belebe", sagte G zum Herrn.

Und der Herr sandte dich an meine Seite, aufdass du mein Gesicht solltest schauen. Schmerzverzerrt ward es ob seiner Geistlosigkeit, und das Geistlose hatte einen bösen Keim in meinen Unterleib gepflanzt.

Da dachte G in seinem Herzen: In diesen Körper will ich einkehren, Vater!

Und es kam der Tag da der böse Keim dem Körper entwich und der Geist in ihn einkehrte.
In der Existenz meiner Geburt und der Existenz deines Todes waren wir verbunden.
Durch diese Verbundenheit hast du mich erwählt und mich zum Leben erweckt.
Eine Mutter hab ich gelassen, ein Vater hat mich wiedergeboren,
aufdass mir mein Leben reich würde an Geist.

Ich will mir kein Bild von dir machen.
Du sollst mein Geist sein, der durch mich wirkt, wie ein Wachtmann. 


Samstag, 9. Februar 2013

Die Heimreise

Ich trete den Heimweg an, doch ich will mich nicht vertreten. 
Siehst du den morschen Steg? 
Vorm Überqueren will ich ein Gebet sprechen. 
Keine Furcht soll in mir sein, dass die Hölzer brechen. 
Wenn ich fallen soll, will ich fallen! 
Du hast mein Versprechen: dein Mich-Heim-Rufen wird auch in mir nicht verschallen. 
Wird dein Wort auch hinfort getragen in die Lüfte, so will ich mich erinnern und mich erneut fragen: 
Wohin wirst du gehoben? 
Denn was immer geschieht, ich kann alles wissen, 
hab ich mich doch um ein Leben verschoben und bin wieder Kind. 
Jetzt bin ich Wasser und du der Wind, 
doch trägst du mich auf deinen breiten Flügeln, 
braust du mich auf. 
Wir werden uns immer wieder finden, sind wir doch miteinander verbunden 
und können die Zeit überstehen. 
Bald werden sich die Stunden umkehren, 
und in meinem dich ans Land wehen, 
wirst du auf schmalem Grad in mich eingehen. 
Keine Furcht soll in dir sein!
Auf dem Pfad voll dunkler Schatten, 
soll in dir ein Lichtlein scheinen, das dir den Weg weist. 
Vergiss die Ratten und sie werden nicht weiter an deinen Gebeinen nagen.

Heut bist du der Wind und treibst mich an. 
Wirst du zum Sturm, werd ich mich dir wüten. 
Nicht ich werd an den Felsen zerstellen, 
denn meine Wellen reißen alles mit sich. 
Halt dir das Fernrohr an die Stirn und schau auf den Bohrturm,
der in der Ferne aus mir ragt. 
Wenn du die Sterne beobachtest, kannst du deinen Kurs errechnen. 
Bis zur Heimkehr musst du noch einige Duelle ausfechten, 
doch der Sieg wird dir nicht schwer fallen, 
solange du vermagst deinen Geist zu entleeren. 
Entbehre dich und du wirst geboren. 
Wie gebärst du da mich, wenn du dich selbst verlierst, 
denn wer da meint alles verloren zu haben und den Todesgraben vor sich sieht, der soll springen. 
Des Feuervogels Lied wird erklingen;
du wirst auf seinen Schwingen schweben und dich gen Himmel begeben, 
wenn er sein lichtes Federkleid nach innen kehrt und dir zum Blute wird.

TO-DO List

- die Löcher und Ritzen in meinen Kissen und Hosen stopfen
- alte Kartons, Konserven und Dosen entsorgen
- meine Schuhe putzen bis sie Blinken und Blitzen

- ganz still da sitzen und Figürchen schnitzen
- lesen
- schreiben
- Schabernack treiben

Mittwoch, 6. Februar 2013

Der Taler

Ich setz' mir auf die Mütze
und springe in die Pfütze
das Wasser macht plitsch platsch
und ich bin voller Matsch

Im Matsch find ich 'nen Taler
da denk ich an Herrn Maler
ich heb ihn auf geschwind
und freu mich wie ein Kind

Denn, denk' dran, sagt Herr Maler,
dass jeder einz' le Taler
zu einem Bund gehört
und fortan auf dich schwört

Und wirst du still beschworen
dann bist du auserkoren
die ganze Talerwelt
preist dich als ihren Held

Beugst du dich zu ihm runter
so wird er wieder munter
warm ist's im Portmonee
drum ruft er gleich: Juchee!