"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."

Sonntag, 26. März 2023

Je continue à rêver




Je pensais que nous étions sérieux.
Je pensais que nous allions construire un vélo
et danser autour en chantant.
Je nous entends encore crier :
"Youpi, on va faire le tour du monde". 


Freitag, 18. Dezember 2020

Le grand pin


 
Je t’attend près du grand pin.
 
Je resterai là
jusqu'à ce que tu viennes
et quand je suis déjà là
et que tu as encore besoin de temps,
je vais tout préparer:
j’accroche la balançoire
sur la branche la plus épaisse
et je commence à construire notre cabane
et si quand elle est finie
et que tu n'y es pas encore,
je la décore tous les jours
au cas où tu viendrais
et chaque matin
je mets des fleurs dans les vases
pour que ça soit joli quand tu viens
et chaque midi,
je cuisine quelque chose à manger
pour qu'il y en ait assez quand tu viens.
Je te connais,
tu auras certainement faim à t’arrivée.
Devant la cabane, je plante des légumes,
surtout des carottes
pour qu'il y en ait toujours quand tu viens
et chaque soir
j'allume des bougies
pour que la cabane soit allumée
au cas où tu arriverais dans le noir
et chaque nuit
je regarde les étoiles
et je leur dis que je t'attends,
mon étoile la plus brillante.
 
À la fin,
je t'attends près du grand pin
et ici, je reste
jusqu'à ce que tu viennes.
 

Samstag, 25. Mai 2019

Immerwährende Idee

bei dir verweilen
mit dir verschwinden
ohne Ende
solange ich dich nicht gebrauche
nutzt sich deine Haltbarkeit nicht ab
ich belasse dich in deiner Unabhängigkeit
denn dich gebrauchen, dich auch nur brauchen
verbrauchte dich, nutzte dich ab

mein Begehren nutzt sich nicht ab
es verweilt
es verschwindet nicht in dir
es besitzt gesicherte Existenz
in der Welt
sodass es sich vervielfältigt
zur Idee wird, die immerwährt,
die nie an ein Ende kommt

du bist geschaffen
aufdass du ewig währtest
in meinem Herzen bewahre ich dich
ewiglich
verzehr' ich mich nach dir
und verzehre dich doch nicht

Mittwoch, 13. April 2016

Lob sei Dir, mein Fels!

Die Liebe ist entfacht
alles in mir erwacht.
Sieh nur, wie mir das Herz vor Freude lacht!
Wie machst du das bloß?
Kaum bin ich losgelöst
von allen Zwängen
und döse in der Sonne,
wird mir das Leben wieder zur Wonne.
Kein Ziehen, kein Drängen
und meine Seele baumelt
als sei sie im Taumel.
Was ich hier auch berühr
alles führt mich zu Dir.
Auf meiner Tour
komme ich dir auf die Spur;
eine neue Route gewählt,
die mir promt zugute kommt.
Mir scheint der regelmäßige Wechsel
ist alles was zählt.
Nur nicht verharren, nur nicht zu Eis erstarren.
Ach, wer kann so gnadenreich über mich wachen,
wer mich so leicht fühlen lassen
und zum Lachen bringen.
Und siehe, ich fasse mein Glück
denn es führt mich
ein gutes Stück näher zu Dir.
Es nicht annehmen, es verwehren,
welch Undankbarkeit!
Mit Freuden drücke ich's mir ans Herz
und erhebe die Brust mit Stolz.
Du bist das Holz auf das ich klopfe
und verlier ich mal den Kopf,
da packst Du mich wieder am Schopfe.
Was brauch ich den Gersten oder Hopfentrunk,
wenn Du mich so in Schwung hälst
und mit mir schunkelst
als sei ich im Traume?
Sieh nur wie ich staune über Dich:
Du bist mir wahrhaft,
wahrhaft und wunderlich!


Donnerstag, 11. September 2014

Der Waldspaziergang

Gerade wandern wir durch ein Eukalypuswäldchen. Ich betrachte die vertrockneten Tannennadeln und welken Blätter, die der Wind aufwirbelt und auf den Waldboden segeln lässt. Plötzlich passieren wir einen zugewucherten kleinen Pfad, der seitlich abführt und mir einen bösen Traum aus frühen Kindestagen in Erinnerung ruft. Jahrelang hatte ich mich noch gefürchtet vor dem Mann, der mich darin mit einem Messer in der Hand verfolgte. Hier ist alles friedlich. Keine Gefahr droht mir. Wir klettern einen steilen Hang hinauf. Die aus dem Boden ragenden Baumwurzeln und kantigen Kiesel, erleichtern unsere Schritte. Mit strammen, erhabenen Schritten wollen wir des Berges Spitze erklimmen. Eine Bremse vergräbt sich, mich stechend, in meiner rechten Armbeuge. Ich störe mich nicht daran. Wir hoch wir schon sind! Wie steil die Hänge am Wegesrand in die Tiefe ragen, wie weit mein Blick an kleinen Lichtung in die Ferne gehen kann. Wolkenbehangen sind die Hügel am weitenfernten Horizont. Vereinzelt blitzen in den Tälern kleine weiße Häuschen, mit roten Dächern und geziegelten Schornsteinen auf. Wie wohltuend ist mir das stille Gehen. Mein Lauf, ohne zu reden. Welch Segen diese Natur zu schauen an diesem lauen Sommertage. Selbst die Grashüpfer hört man hier durchs Laub springen. Mein Auge verfolgt den Flug sich jagender Libellen und Schmetterlinge. Die Freunde suchen unterdessen Wanderruten und blicken durch ihre Fernrohre in die Weite. An den Seiten wuchern wilde Farnengewächse und große, grüne Gräser und Büschel. Mein Ohr vernimmt das Rascheln der Eukalyptuszweige in ihren Wipfeln. Jetzt schlagen wir uns durch einen Trampelpfad. Es geht buchstäblich über Stock und über Stein. Ach, wäre ich allein, ich weinte Freudenstränen vor Seligkeit. Wie sehr die Natur vermag mir die Seele zu befreien. Die Jungen rollen verdörrte Pilzköpfe und Tannenzapfen über den trockenen Boden. In dieser Stille kann man sich ganz verloren fühlen und empfindet zugleich, als habe man alles gefunden. Im Beobachten der durch die Lüfte kreisenden Adler und Wanderfalken, erkenne ich unseren Freundschaftsbund an Stärke und Wahrhaftigkeit gewinnen. Wie von Sinnen bin, und doch ist mir alles so sinnig, alles ist stimmig und in einem Moment, da die Sonnenstrahlen durchs Gewölk brechen, erkenne ich: das hier bin ich! Ich verharre in diesem Begreifen, als müsste ich andächtig vor mich hin starren. Weiter vorne höre ich die Mädchen aufkreischen. Sie fürchten sich vor den Wespen und Zecken, die sich in den wildwachsenen Büschen verstecken. Als ich mich nähere, sehe ich sie ihre Arme und Beine nach Bissen und Stichen absuchen. Der Weg ist ganz verwachsen mit Pflanzen, die spitze Dornen haben, sodass wir umkehren müssen und wenig später zwei schwarze Pferde passieren, die bei einem steinernen Häuschen auf einer Weide grasen. Am Bretterzaun stehend, wiehern die Kinder zu den Gäulen herüber und pflücken gelbe und violette Blumen, die sie mit Grashalmen an ihre Wanderstäbe binden. Der Kleinste frohlockt. Er hat eine verlorene Vogelfeder gefunden und sie alsgleich an seine Gehhilfe gebunden. Vorhin bin ich vorweg gegangen, jetzt trabe ich hinten drein, und denke – nicht mit dem Kopf, sondern mehr wie einen Herzensgedanken – wie wundervoll und heilsam, kann doch ein Waldspaziergang sein! Beim Schreiben im Gehen gerate ich mir selbst in Vergessenheit. Ich denke nichts und mir ist, als schriebe nicht ich, sondern als sei's die Natur selbst, die durch meine Hand führt und durch mich diesen Text verfasst. Wer dies nicht verspürt, der verpasst etwas. Eine Ich-Losigkeit, ein Verschwinden im Dickicht, ein Verwachsen mit den uralten Baumwurzeln, ein Zurücksinken in Urzeiten, ein Eingehen und Verschmelzen mit der Ewigkeit. Ich weiß nicht, ist dies Wahn oder Wirklichkeit, doch wenn die Jungen mich herbei rufen um mir kleine Frösche zu zeigen, die durch das Moos hüpfen, dann füllen sich mir vor Freude meine Augenhöhlen mit Tränen an, weil ich erkenne, wie sehr ich gesegnet bin mit dieser Freundschaft. Später will ich ihnen Dank sagen und sie fragen, ob wir so etwas noch einmal machen können. Wir müssen eine Pause einlegen. Alle hungert's und die Füße brennen, doch bald schon sehe ich die Kinder die holprigen Wegen gen Tal herunter rennen. Beim Anblick eines toten Schmetterlings mit gelben Flügeln halten sie inne und bedauern lauthals sein Ableben. Welch bildhübsche Geschöpfe die Natur doch hervor bringt! Jetzt steigen wir große Steinstufen herab und bewundern kunstvoll bemalte Baumrinden. Aus bestimmten Winkeln kann man Formen in ihnen finden, die sich zu Bildern zusammen schieben. „Seht mal“, ruft einer der Jungen, „wie bunt sie die Stämme dort unten angestrichen haben.“ Ich sehe Figuren und Regenbögen und verschieden farbige Augen. Hier treffen wir andere Familien, deren Kinder sich raufen und zwischen den Kunstwerken umher laufen. Manche Bäume sind mit den Jahren so enorm gewachsen, dass die Figuren sich etwas verschoben haben und nicht mehr ganz ineinander passen. Die Mädchen wollen ein paar Fotos schießen, als Erinnerung wie wir hier unsere Routine durchbrachen. Einer der Jungen ist auf eine Hummel getreten. Wenn ich meinen Finger auf seinen Fußspann lege, kann ich ihr Vibrieren spüren. Er traut sich nicht seine Schuh zu heben. Da! Sie hatte sich im Waldboden eingegraben und fliegt nun davon. An einem Abhang wollen wir uns für ein Picknick zur Ruhe legen und im Liegen die sich im Winde wiegenden Baumkronen betrachten. Ich sitze auf einem gefällten Baumstamm und bewundere die kleinen krabbelnden Waldbewohner, die Nahrung suchend durch die Tannennadeln und abgeknickten Ästchen kriechen. Wie gut es hier riecht und wie still es ist! Während die Kinder Musik machen und lachen, blinzle ich in die sich senkende Nachmittagssonne, die durch die Zweige bricht und zwischen drin gezogene Spinnweben aufblitzen lässt. Ich lasse mich anstecken vom Gesang der Kinder und meinen Fuß im Takt wippen. Sie sind guter Dinge, tanzen, toben, singen und wollen herumschwirrende Fliegen fangen. Wie schön die Sonnenstrahlen ihr Haar zum Schimmern bringt! Eines der Mädchen fängt an zu frieren und wimmert. Sie haben ihre Sommerkleider angezogen und tragen offene Sandalen. Als wir den Rückweg antreten, müssen sie aufpassen, dass sie mit ihren Schläppchen an den herab führenden Trampelpfaden nicht abrutschen und sich wohlmöglich noch verletzen. Zurück an den steinernen Stufen, komme ich ins Prusten vor Anstrengung. Oben angekommen, reicht mir eines der Mädchen ein schattiges Plätzchen und ich muss lauthals lachen. Jetzt geht’s bergab. Vor der untergehenden Sonne, die den Himmel in wunderschöne Rottöne verfärbt, schieße ich eine leere Kastanienschale den nahe am Parkplatz verlegten Asphalt herunter. Dort angekommen legen sich die Kinder erschöpft auf aus schweren Steinblöcken errichtete Tische und Bänke. Welch Geschenk mir dieser Anblick ist. Würde ich augenblicklich sterben, so stürbe ich in dem Wissen, den Himmel geschaut zu haben. Lange nicht habe ich so voller Dankbarkeit dem Schöpfer mein Herz geöffnet, als Zeichen meiner Anerkennung für diese Vollkommenheit, diese Makellosigkeit. Wie benommen fühle ich mich. Wieder verschwimmt mir die Sicht und doch überkam es mich nie so klar wie in diesem dämmrigen Licht. Mir stockt der Atem und in meiner Brust geht ein Brausen, als sei ich eingetaucht in meinen eigenen Ozean, als die Erkenntnis mich überkommt, dass es nichts zu finden gilt, dass alles immer da ist. Von dieser Erleuchtung ergriffen, höre ich die Worte vor mich hinsagen: Wie außen, so innen!

Freitag, 14. Februar 2014

Der Blinde


Heut sprach ich erneut einen Blinden an, sein verlorener Blick war auf mich gefallen. Ich bot ihm meine Hilfe an, er dankte und ich nahm ihn bei dem Arm. An meinem Ellenbogen, wollt er mich halten, so ginge es am besten. Zum Rathaus, wollte er, hieß er mich an, das läge auch auf meinem Richtungsplan und so hatten wir ein paar Minuten zusammen. Er war noch sehr jung und och nicht so furchtsam. Ich erzähle ihm von der blinden Frau aus der Bahn: "Fass meinen Hund lieber nicht an!", hatte sie mich angefahren. Schön sei er, sagte ich dann. Den Blinden erteilte ich den Rat, sich trotz seiner Blindheit nicht zu verschließen und, dass ich daran glaube, dass man in diesem Meer der Dunkelheit in das himmlische Bewusstsein aufgestiegen, doch etwas erkennen kann. Er meinte, er könne hell und dunkel noch unterscheiden, und ich dachte, dass es besser wäre, wenn er bald erkennt, dass eben dieser Unterschied es ist, der ihn vom Himmelreich trennt.

Donnerstag, 13. Februar 2014

Die Mumifizierung

Will mich nicht mit weißem Papiertuche schneuzen, Aloe-Vera für mein zartes Näschen benutzen, sondern mit den schwärzesten Fingern noch nach dem Dreck in meinem Gehirn graben. Durch die Löcher dringe ich in den Schacht hinein, bin wie ein Maulwurf in seiner Höhle, ein Grubenmann, eine Bergwacht und meißle die Brocken aus den dunklen Wänden. Dort ein Vorsprung, ein Eckstein im Gestrüpp, mag dies wohl der Torknauf sein? Brich's auf, brich's ab und decke auf, das dunkle Grab. Wie tief mag es wohl sein, wie hoch kann ich mich hinein bohren? Den feinsten und kleinsten Bohrer gewählt und Geduld und Muße walten lassen. Bis zum höchsten Punkt hervorgedrungen, stecken geblieben, das Hirn berührt, es angezapft und an einem seidenen dünnen Faden, mit viel Sinn und viel Willen zur Macht, das Unmögliche hevorgebracht. Und sieh den Schleim, den die Beute hinter sich her zieht, welch dickes Seil, der Anker ist's, ich hol ihn ein. Ein Fischer will ich sein, und mich selber fangen, und hab ich mich, wie kann ich mich freuen. Ich kappe die Tauen und schaue mich an, bin riesig für solch einen Winzling, ein Krümel, ja mehr kleiner Klumpen. Ich spiele mit mir, drücke mich, rolle mich, und schnipse mich in den Wind. Flieg, mein Kind, flieg! ruf ich der Aussaat hinter her, du ekliger Keim, du Unrat in mir, du Professor, Doktor, du Mann, du Männin, du Sünderin, du Weib!
Du Begierliche, du Zornige, du Traurige!
Du Schuldtragende, Verschulderin, In-Versuchung-Geratene, Verräterin, Undankbare, Zuchtlose, Verdorbene, Verdörrte, Verfaulte, Verweste, Stinkende, von Schakalen Zerrissene, von Reihern Zerhackte, Fleischliche, Lüsternde, Hungrige, Durstige, Sehnende, Menschliche, Weibliche, Knabenhafte, Burschikose, Ängstliche, Rasende, Rennende, Flüchtige, Entselbsterin, Abtöterin, die Mutter-Gebärende, Mörderin, Selbstmörderin. Ich sollte sterben, doch wollte nicht, ich wollte leben, ich wollte etwas für mich, doch wie will man? Ich konnte es nicht, und allein diese Stille, dies Sich-Hingebens in die Nacht, in der keine Träne lief, nichts sich rührte, keine Reue, keine Scham mich befiel, da sollte der Wille in mir erwachen und als güldener Ring über meinem Haupte schweben. Dort schon hatte ich die Venus verlassen, fünf Nächte wachte ich, fünf Nächte ertrug ich den Schmerz der Zeit, und in diesem Leiden, wurd ich zum Saturn. Ein glühender Feuerball, ein Gott unter den Planeten, ein Gekrönter, ein Umringter, Bejubelter, Verehrter, Reich-Beschenkter, ein König in nacktem Gewande, ein Hilfloser, Zarter, Unbeharrter, Lächelnder, Schweigender, Ruhender, Ermüdeter, Sich-Zur-Ruhe-Begebender und alle kamen und wollte es sehen, das Wunder in den Laken liegend, bleich, aufgedunsen, aufgeschwommen das Gesicht, aufgequollen, quallenartig, glibbernd, die Haare im Fette badend, an dem die Götzer sich labten wie an heiligen Quellen, welch lüsterne Blicke in diesem Flüstern, das leis an mein Ohr dringt. Sie sehen mich an und sehen mich doch nicht, ich höre ihre Stimmen, doch ein Schleier liegt über meinen Augen, alles verschwommen, verschoben, ineinander verwoben, alles ein Gemisch aus Farben und Gesichtern, aus flackenden Lichtern und schleichenden Schatten. In welch Reich ward ich dort gedrungen! Jetzt erinnere ich mich, hier war alles wie eine Schaltzentrale, alles Maschine, alles verkabelt, vernetzt und sterilisiert. Dies bin ich nicht, sagte ich und erkannte die Täuschung. Alles Maya, alles verdreht, denn dies Auf und Ab auf dem Monitor, misst nicht meinen Herzschlag, das grüne Blinken ist ein Wetterleuchten in einer Vollmond-Nacht, der Himmel ist wolkenbehangen und färbt sich rasenfarbend. Und dort die schwarzen schwebenden Nachtgestalten sind nur krächzende Raben, die keinem schaden. Ich will sie betrachten. Über ihre Schwärze kann man nur staunen. Schwarzes Gefieder, Schnabel und Augen. Und die Meinen, die wollt ich mir entstauben, aufdass mir nichts mehr getrübt sein sollte. Ich wollte etwas, wollte etwas für mich, wollte Leben, wollte daran glauben, dass das Leben die Wahrheit ist, wollte nicht sterben, wollte die Kastration annehmen, sie nicht beweinen, wollte freudestahlend sein, und siehe! wie konnte ich, wie war ich des Strahlens befähigt worden, wie war ich emporgehoben auf des Berges Spitze um alles zu überblicken, in meinem Rasten, meinem Pausieren, sah ich meinen inneren Kampf, und zugleich wofür ich kämpfen sollte. Welch Anblick, welch Sonnenuntergang und himmlische Farbenpracht in diesem Leuchten. Und der Krieger stand, er stand andächtig, blinzelte nicht, zuckte nicht zusammen, wenn eine ihn in die Hand stach, wenn er niedergestochen wurde, und in die Knie um sich zu ergießen. Welch heilige Waschung im Kerzenschein. Ich wickelt mich in ein schwarzes Mönchsgewand, zog die Kaputze tief in die Stirn, hockte mich, umklammerte meine Knie, horchte, lauschte, quoll auf und sank zusammen, atmete aus und ein, war Atem, war Herzschlag, schwitzte, brütete, brannte, schmorrte, dünstete salzige Gerüche aus, wurd Wasser, wurd Meer, ging ein ins Meer, hielt den Atem an, schwamm, war Perlentaucher, meine Sicht verschwomm, Schweiß schmerzte in meinen Augen, ließ mich erblinden, verätzte mich, fraß mich auf, verschlang mich, meine Arme hatte ich um mich geschlungen, mich festgehalten, war mir nahe gekommen, mir nahe gewesen und hielt nun den Brandt nicht mehr aus. Ich entwand mich meiner Umarmung, löste meinen Griff, reckte mich, streckte mich, bäumte mich auf, ich wusch und wuchs und wurd' immer größer, das Dach zerschlug, alles brach zusammen, alles fiel, alles zerbarst unter mir, um mich her, ein Raunen und Zerbrechen, ein Stechekn in meiner Brust, wie tausendfache Nadelstiche die sprühenden Funken, und doch kein Zucken, keine Wimper sollte sich regen, kein Wimpernschlag, nackte Lider, nackte Glieder, ohne Kraft die Gliedmaßen.Schlaff noch hingen sie mir am Körper herunter, schlaff das Gewebe, doch wie stark der Geist! Welch Kampfansage in diesem Sterben, welch Wüten, welch Rasen, welch wütende Raserei und rasende Wut und doch: kein Ton! Kein Schnaufen, kein Toben, ncihts als Starrerei. Ich hatte mich zum Schweigen gebracht, hatte mich fast umgebracht, und ward in die Schlacht geworfen, wurd in Kasernen untergebracht, wurd geschlachtet, wie Vieh behandelt, aufgeschnitten, zugenäht, doch und platzte der schwarze Traum. Ein Tag lag vor mir, ein Tag, den ich leben durfte, ein Tag an dem ich diese Augen ansehen durfte, in sie versinken durfte. In mich wollt ich mich versenken, in mich eindringen und die bösen Keime aussaugen, sie ausrotten, sie ausräuchern, vergasen, abtöten, aus mir herausschneiden. Welch hübsches organisches Gebilde, war es nur nicht so erkrankt, könnten doch all seine Teile im Wechselspiel funktionieren! Man möge die Operation vorbereiten! Spielt die Walküre, hißt die Fahnen, lasset die Trompetn erklingen. Ein Kreuzzug soll es werden! Rollt die Dampfer heran, spannt die Pferdewagen, wir ziehen in die Lager. Ein Feuer brannte in meinen Augen, das Flackern der Kerzen spielte schleichende Schatten auf meine Linsen. Ich sah sie an, sah in sie hinein, drängte mich auf, drang in sie ein, wurde Schwärze, wurde Schattengestalt. Willst du wachsen, willst du gedeihen, so verneine nicht! Bejahe dich, liebe dich mit all deinen Tiefen, als deinen Geschwüren und Tumoren, nichts kannst du sein, als ein Lebendiger, nichts kannst du schaffen, nichts wissen, nichts erkennen: dies ist nicht die Zeit für Fragen, lebe und beweise deinen Willen in Wort und Tat. Zittere nicht, fürchte dich nicht, wähle nicht entweder oder, wähle den Kampf und kämpfe! Sei Athlet, sei Soldat, sei Wachsamer, Lauscher, Gehorchender, Folgsamer, Diener, und opfere dich! Verschreibe dich in den Dienst des Lebens und verkenne den Tod. Lass ihn sich schauen, lass ihn sich erkennen! Sieh ihn an! Blinzle nicht! Starre, verharre in deiner Starre, schreie nicht, sei ohne Regung und Affekte, lass das Begehren sein und doch sei ganz Begehren in deinem Versenken, versinke in dich, schwimme in dir, ertrinke in dir und an dir, und schmecke deine Süße. Erkenne deine Fülle, erfülle dich, erfülle dir dich, erfühle dich, wühle in dir, suhle dich, suche in dir, in deinen Eingeweiden, deinen Ausscheidungen, deinen Kotzbrocken, speie sie aus und verforme sie, mach aus Erbrochenem Philosophie, schreibe eine Sinfonie aus den schuppigen Hautfetzen, ertrage die Schmerzen, die seelischen Verletzungen, streichle die Narben und erfreue dich an ihnen wie an reichen Gaben. Mir wurd das Leben geschenkt, ein Reichtum wohnt mir inne. Nie wieder mich sorgen, nie wieder heimliche Dinge im Verborgenen betreiben, nie wieder Schmach und Spott befürchten, nie wieder fürchten, furchtlos sein, nicht Mut haben, Mut sein! Vollkommen angefüllt sein, Fülle sein, alles haben, nichts sein in alledem, denn wer nicht ist braucht der denn fürchten? Unsichtbar, ein Geist ohne Gestalt, ein Schatten ohne Umriss, abgeschnitten von der Welt, im All schwebend, wo nichts ist, wo keiner späht, keiner verdächtig herüber schaut, wo's ihm vor niemandem zu grauen braucht, denn hier ist bloß schwarzen Feld, dunkle Weite, Stille und Ewigkeit. Ach, wer hier ewiglich verweilt, wie lang wird ihn dort die Zeit, wie langweilt er sich zu Tode, in diese Tatenlosigkeit. Ständig nur kann er schauen, nur Zuschauer sein, nicht einwirken, nicht Agieren, aufdass jemand eine Reaktion zeigte, ihm einen Blick zuwarf, ihm zeigte, dass er ihn sehe, dass er verstehen, dass er in seinen Augen ein grißes Leid erblickt hätte und nun Mitleid empfände. Warum weinst du denn, meine Kleine? Ach, eine Frage, ein erstes Wort, eine erste Bedeutung, eine erste Begegnung, eine erster Zuwendung. Ich liebe!, sagt da die Kleine, ich weine vor Freude. Ach, das ist ja wunderbar, schwärmt der Fremde und will mich an seine Brust drücken. Da schreit die Kleine und strampelt und schlägt.