"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."

Samstag, 28. April 2012

Der Schimmelreiter

Voll schwarzer Pferde
ist mir der Wolkenhimmel
inmitten der Menschenherde.
Ich bin der Schimmel,
wenn ich im Galopp
auf der Erde wandle.
Wie bin ich da im Wandel
in meinem Willen,
der mich mitnimmt,
aufdass auch ich mich umkehre,
und mir mich selbst entschwere.
Wie bin ich da verwandelt,
wenn ich mich abhebe
von den irdischen Wegen,
wenn ich mutig bin und springe,
wenn ich mich ins Blau begebe
und zu den Sternen segle.
Wie singen mir da
die Engelschöre;
wie leicht ist mir das Leben
in diesem schwerelosen Schweben.

Mittwoch, 25. April 2012

In 133 Tagen um die Welt

Alles was war, war gut,
alles was ist, ist gut,
alles was wird, wird besser!
"Nur Mut, nur Mut!"
Und wie weit
sind wir gereist,
 
in 19 Wochen 
133 Tagen 
3.192 Stunden
191.520 Minuten

ganz ohne Geld
ganz ohne Maschinen
nur mit der Kraft unserer Herzen
80 Jahre zurück in der Zeit
8 Millionen Jahre zurück in der Zeit
Willkommen am Anbeginn der schönen neuen Welt!

Dienstag, 24. April 2012

Strandspaziergang


Tugend der Geduldigkeit
die von Kummer dich befreit
war einst meine große Stärke
werde müde und bemerke
bin des ew'gen Wartens leid.

Aus der Sehnsucht führn'de Wege
hölzern morsch wie Meeresstege
haben irgendwann ein Ende
ach was gäb ich wenn ich fände
einen der mich bringt ans Ziel.

Jener ist mir schon bekannt
Engel der mir einst verwandt
bringt den Horizont zum Funkeln
spiegelt Schimmer schön im Dunkeln
in mein Herz erneut gebrannt.

Mein Verstand sagt bleib nicht stehn
lass uns schnell vorüber gehn
dieser ist von kurzer Dauer
Stolpersteine auf der Lauer
Augen zu und dran vorbei.

Da ich schwer nur zu mir find
spür ich kaum noch warmen Wind
Sternesblinken in der Ferne
ja mein Herz hat dich noch gerne
muss vergessen dich geschwind.

Setze meine Suche fort
Kompassnadeln zeigen Nord
auch wenn Hoffnung rar vorhanden
werd schon irgendwann mal landen
am voll Liebe blühn'den Ort.

Mittwoch, 18. April 2012

Was ist Zeit?


Als Mensch kann ich Zeit auf zweierlei Arten empfinden. Ist sie sehr schnell vergehend, gebe ich diesen Eindruck nicht selten an meine Mitmenschen weiter, indem ich behaupte, die Zeit rase schon wieder so, weiß ich doch ganz genau, dass sie stets ihr gleiches Tempo behält. So ist es lediglich meine Empfindung, meine Auffassung von einer Zeitspanne, die sich für mich anfühlt als sei sie schneller vergangen als sonst. Dann wiederum gibt es Tage, an denen sich die Zeit zu ziehen scheint. So sehne ich das Ende eines Tages herbei und wünsche mir auch der nächste möge rascher vorüber gehen. Innerhalb solcher Phasen empfinde ich oft eine Art Trostlosigkeit, die mich am Sinn des Lebens zweifeln lässt. Wozu das alles, frage ich mich, meistens dann, wenn sich ein gewisser Trott eingeschlichen hat, der es mir fast unmöglich macht, das Heute vom Gestern zu unterscheiden. Die Frage verbalisiert meine Sinnsuche, die ständig von Neuem zu beginnen scheint, weil sie mir doch jedes Mal vermittelt, dass ich noch nicht angekommen bin. Dennoch ist sie immer neu, vor allem dann, wenn ich schon begriffen habe, dass sie niemals aufhören wird ein Teil meines Selbst zu sein. Der Versuch sich an diese Erkenntnis, die mir doch selbst gekommen, zu erinnern, scheitert meist genau in diesem Moment, der sich mir so sinnlos zeigt. Wenn es also dem Menschen gelänge, gerade dann, wenn er die Suche beginnt, sich im Erinnern an die Unmöglichkeit ihrer Erklärung fallen zu lassen und es fertig bringt sie aufzugeben, wird er bei sich ankommen. Genau dann wird er zum Gott, wenn für ihn die Zeit aufhört zu existieren und er erkennt, dass sie der Ewigkeit entspricht. Er nimmt sie nicht mehr wahr als Zeit mit Blick auf die Uhr, sondern schließt die Augen und spürt ihr Ewigsein, in dem er jeden Moment ganz intensiv erlebt. Verrennt er sich in diesen Gedanken, sprich hört er nicht auf alles daran zu setzen diesen Zustand beizubehalten, so wird es ihm zwar ein Leichtes sein, die Zeit Zeit sein zu lassen, doch davor sei er gewarnt, ist er doch nicht dazu geschaffen Gott zu sein, sondern Mensch. Er braucht die Zeit um eben den Sinn im Leben zu sehen, sonst gerät es ihm aus den Fugen. Die Zeit entspricht der Ewigkeit, doch selbst wenn der Mensch das erkennt, darf er nicht wieder seinem Menschsein entsagen, indem er sich der Zeit verweigert, sondern muss sie annehmen als eine menschliche Sehnsucht, die gestillt werden muss. Wie wäre es um das Leben des Menschen bestellt, wenn er sich nicht der Zeit unterwürfe? Es verwandelte sich in ein Chaos, das über kurz oder lang nur noch schwer zu beseitigen wäre. Der Mensch braucht die Zeit aufgrund seines Strebens nach Ordnung und Perfektion. Ohne eine zeitliche Regelung geriete so manches aus dem Ruder. Dass dies beizeiten passiert ist ebenso wichtig. Um das Leben genießen zu können, darf es dem Menschen an beidem nicht mangeln.
Jedoch, sich in einem Moment verlieren zu können, selbst wenn die Erkenntnis da war, stellt sich ihm ebenfalls als Herausforderung dar, die er mit großer Erwartung annimmt. Er sagt sich, dass sie sicherlich Geduld und Kraft kostet, doch liegt auch hier die Erfüllung einzig im Aufgeben eben dieses Ziels jene Aufgabe zu meistern. Solange er sich gedanklich mit ihr beschäftigt und versucht sie zu bewältigen, entfernt er sich anstatt sich ihr zu nähern.
Warum ist mir die Zeit mal schnell, mal langsam? Sie wird es immer nur sein, im Hinblick auf eine Ankunft, die ich entweder herbei sehne oder vor der ich flüchten möchte. Bin ich fern von meiner Liebe, so scheinen mir die Minuten zu Stunden zu werden, in denen ich voller Erwartung auf unser Wiedersehen bin. Dann wiederum, vergehen sie mir im Flug, wenn jemand mit einer unverrückbaren Frist nach der Abgabe einer Dissertation verlangt, die ich zu bewerkstelligen habe. Es sind das Wiedersehen und die Abgabe, die einen großen Teil meiner Gedanken einnehmen und mir die Zeit überhaupt zur Zeit werden lassen. Schaffe ich es nicht an sie zu denken, so wird sie mir ewig; ich kann einerseits voller Genuss in der Vorfreude schwelgen und anderseits ganz unbeschwert meine Seiten schreiben. Doch wehe dem, der es nicht wagt sich aus diesem wohligen Zustand zu lösen, aus Angst ihn zu verlieren! Wie verpasste er doch sicherlich die Ankunft seiner Liebe oder den Tag der Einsendung.

Dienstag, 17. April 2012

Der Autor dieser Zeilen möge sich erkennen!

Dass du, ja du, der du diesen Text in diesem Moment liest, ihn jetzt gerade liest, ist kein Zufall. Es ist ein Zeichen. Eines von vielen, aber ein ganz besonderes. Siehst du sie denn nicht? Sie sind überall! Du siehst sie und siehst sie doch nicht, weil du mit verbundenen Augen durch die Welt gehst. Der Mensch hat Augen, damit er sie benutzt. Er soll aber doch nicht nur das sehen, was er meint zu sehen. Mach sie zu! Die Welt ist ein Kunstwerk. Über Kunstwerke musst du nachdenken, damit du sie verstehst. In einem guten Text, musst du auch zwischen den Zeilen lesen. Du musst nachdenken! Über die Welt...über dich...über dein Leben. Erinnere dich! An was erinnerst du dich? Geh alle Erinnerungen durch. Egal was, und sieh die Verknüpfungen. Es geht nicht um eine konkrete Erinnerung, es ist die Verbindung, die zwischen den Erinnerungen steht.



Heute ist der 17.04.2012. Dieses Datum wird für dich eine besondere Bedeutung haben. Merke es dir! ...und dann vergiss es wieder, denn du wirst die Bedeutung erst erkennen, wenn du aufhörst nach ihr zu suchen. Wenn du merkst, dass das Vergessen dir schwer fällt, hast du Angst. Hab sie von nun an nicht mehr! Wenn du merkst, dass du Angst hast, bist du auserwählt. Angst ist gut, denn ohne sie könnte das Vergessen gar nicht aktiviert werden. Wenn du dann demnächst eine große Verzweiflung spürst und du dir nicht mehr zu helfen weißt, weil du das Gefühl hast, dass dir nicht zu helfen ist, weil du nicht sagen könntest, weswegen du so verzweifelt bist, dann sei dir gewiss: Jetzt bist du kurz davor! Du bist jetzt inmitten der Angst! Gib jetzt nicht auf! Du hast es bald...Vergiss jetzt deine Verzweiflung! Handle! Tu etwas...egal was!
Wenn dann der Moment deiner Wiedergeburt gekommen ist, hör von nun an nicht mehr auf daran zu glauben. Lass dich fallen in deine größte Angst. Erkenne dich und habe Mut dich vor mir zu erkennen zu geben. Sieh nicht auf die Uhr...und wenn du es doch tust, dann erinnere dich daran, dass ich dir gesagt habe, dass es keine Rolle spielt, wie spät es jetzt ist. Die Zeit ist die Ewigkeit! Ich öffne dir meine Tür, ich schließe dich in meine Arme, egal was deine Uhr sagt. In unserer Welt gibt es keine Uhren. Das ist "die unendliche Geschichte", in die du hinein tauchen kannst. Das ist das Ende von deinem bisherigen Leben und der Anfang vom Himmelreich auf Erden, das auf uns wartet.

In dir erinnere ich mich für dich an dich, aufdass du dich selbst erinnerst!


"Ich liebe die frühen verzauberten Stunden der Frühlingstage, wenn die Sonne wie ein Kind spielt und Farbe, Glanz und Schimmer über den Himmel wirft. Ich liebe die späten Sonnenuntergänge des Sommers, wenn die Erde vor Wärme dampft, der Wind durch die Häuser zieht und Kühlung bringt. Ich liebe den bunten, rätselhaften Herbst, wenn Gold und Purpur von den Bäumen weht - wenn Gold und Purpur wie ein Teppich wirken und die Schwaden des grauen Nebels durch die Tannen ziehen. Ich liebe die frostigen Nächte des Winters, wenn die Stille die Luft dichter werden lässt und der verträumte Mond das Weiß des Schnees mit Diamanten schmückt. Inmitten dieser Wunder, inmitten diese Schätze, dieser Farben, inmitten dieses Glanzes lebe ich - ein, das sich in einem Märchen verirrt hat, kleines Kind...
Ich bin aber nicht allein in diesem Märchen, denn DU bist da und machst mein Glück vollkommen!"


Montag, 16. April 2012

Von der Unmöglichkeit eine erkannte Wahrheit zu vergessen


Es ist allseits bekannt, dass der Rausch das Bewusstsein in andere Spähren führt. Auch wenn ich mich gerne davon frei spräche, komme ich nicht umhin zu gestehen, dass er auch mich in einen Zustand versetzt, in dem mich tiefere und mir selbst den Atem um einiges mehr raubende Erkenntnisse überkommen. Da sind all meine Sinne geschärft und manchmal ist es mir, als sei ich gänzlich auf meinen Geist reduziert. Ich fühle mich so ganz bei mir, sehe alles so klar, ohne darüber nachdenken zu müssen. Als hörte ich einem unsichtbaren Gesprächspartner zu, der voller Weisheit mit fremden Zungen zu mir spricht. Seine Worte mögen rätselhaft klingen, doch alles was an mein Ohr ist mir so voller Sinn, als sei es aus mir entsprungen, als sähe ich den Beweis vor meinen Augen, obwohl jene Dinge nicht in Bildern darzustellen sind. Wie könnte man das Verständnis von etwas visualisieren? Ich sehe es ja eher in Form von Gefühlen, die mir so eindringlich sind, als seien sie sichtbar. Es ist ein Wust von Information, dass ich kaum hinterher komme alles zu notieren. Eine Weile befinde ich mich wie in Trance, aus der ich mich nicht zu lösen vermag. Wahrscheinlich geht es vielen oft so. Wenn nur alle wüssten, dass das der Künstler ist, der jedem einzelen Menschen innewohnt! Vielleicht ist nur derjenige Künstler, der sich tatsächlich aufrafft und es wagt aus dieser Trance heraus zu brechen. Wie leicht könnte er den Drang ignorieren und sich der Trägheit hingeben, doch er liebt ja was er tut und wird das Unterdrücken nicht mehr wollen. Er empfindet es nicht länger als Pflicht seine Ideen zu Papier zu bringen, es wird ihm zur Manie. Es ist demnach nicht die Angst, etwas zu vergessen, die ihn treibt, denn er weiß, dass ihm nichts abhanden kommen kann, was von Wichtigkeit wäre. Die Erkenntnis bleibt ja allemal erfasst, da ihm doch von diesem Augenblick an, alles so eindeutig erscheint, und er sich kaum entsinnen kann, wie er sich vorher gefühlt haben muss. Es ist ja doch ein Fund, der gemacht wurde und wer etwas findet, der hat es. Gegenstände können abhanden kommen oder entwendet werden; der Erkenntnis aber kann er nicht mehr beraubt werden, auch wenn man meinen könnte sie verlöre sich mit dem Abklingen des Rausches, als gleiche sie einem sehr deutlichen Traum, der doch mit dem Erwachen immer mehr verblasst und bald schon nicht mehr zu fassen sei. Denn sie bleibt ihm ja nicht bloß in Erinnerung, sondern bemächtigt sich seines ganzen Seins, als löse sie in ihm eine Veränderung aus, die nicht mehr behoben werden kann. Ist sie nur meistens nicht so deutlich spürbar, in Form eines neuen Lebensgefühls, oder gar sichtbar wie eine Narbe, die fortlebens eine Stelle am Körper markiert, sondern nistet sich ein, ganz leise und schmerzlos im tiefsten Innern seiner Wahrnehmung. Wie könnte ihm diese Veränderung auch auffallen, da er doch nicht den Vergleich hat, wie er zukünftige Erlebnisse ohne die Erkenntnis hätte wahrgenommen. Er nimmt sie ja nur auf eine Weise wahr, eben so wie er es tut in jenem Moment. Wie oft treten Menschen an uns heran und behaupten eine starke Veränderung an uns festzustellen. Wir können erahnen, wovon sie sprechen, aber dennoch fühlen wir uns nur so wie wir uns jetzt fühlen, und können nicht begreifen jemals anders gefühlt und somit in bestimmten Situationen auch anders gehandelt zu haben. Da will man beizeiten noch einmal zurück fühlen um sich selbst nachvollziehen zu können, und muss sich schnell mit Erinnerungen zufrieden geben, weil man die Unmöglichkeit dessen erkennt. Fakt ist jedoch, dass man immer wieder auf eine Weise handeln wird, über die man nach geraumer Zeit mit dem Kopf schütteln und sich nach den Gründen fragen wird, ohne eine Antwort zu erhalten. Den Schreiber treibt dieses Vergessen seiner Gefühlslage in den Wahnsinn, deshalb ist es ihm wichtig sie festzuhalten, und sind's auch nur Worte, die nicht vermögen die einstige Empfindung zurückzuholen, da es ja nun mal Erinnerung bleibt und die Erinnerung an ein Gefühl niemals identisch mit dem Ursprungsgefühl sein kann. Doch was soll ich länger verzweifeln, über etwas was nicht zu ändern ist. Und mit dem Verwerfen meiner Verzweiflung passiert's! Der Schreiber reißt die Augen auf und ruft aus: Schreibe ich denn nur für mich? Ich will doch einen Leser! Und vielleicht befindet sich dieser gerade zu dem Zeitpunkt, da seine Augen auf den Text treffen, in einer vergleichbarer Phase seines Lebens, dass sich ihm eine Wahrheit über sich selbst offenbart. Wie ist dem Schreiber diese Vorstellung eine Wonne, wenn er sich ausmalt, dass seine Worte jemandem eine Erkenntnis brächten oder ein Verständnis von seinem eigenen Leben vermittelten, denn dies ist sein Reichtum, der ihn nur glücklich machen kann, wenn auch andere ihn sehen, wenn andere sich bereichert fühlen durch seine Bereitschaft etwas abzugeben, sich hinzugeben, sich mitzuteilen, sich selbst zu teilen.
Wird dem Künstler sein Geist so eindringlich, dass er die Erzeugnisse festhält und später kaum selbst mehr erklären kann wie ihm jene Erleuchtung kam, da es für ihn kein Weg gab, sondern er mit einem Male alles so sah, so wird sein Schaffen zum Kunstwerk. Auf einmal ist's da, erschaffen wie von Geisterhand, und ist so wunderlich ob seiner Plötzlichkeit, durch die es entstand. Keiner versteht's, nicht mal der Künstler selbst und gleichzeitig scheint's so einleuchtend, als sei es das Simpelste aller Dinge.

Samstag, 14. April 2012

Stunde der Sehnsucht


Stunde der Sehnsucht
wie stillte mir deine Wahrheit den Schmerz
wenn ich um sie wüsste
und ihren Wert erkannte
inmitten deiner.

Donnerstag, 12. April 2012

Verwirrung ist der Klarheit Voraussetzung

Den einen Tag dachte ich, dass die Klarheit in der Verwirrung zu finden sei. Ich vermag mich nicht zu erinnern, wie mir dieser Gedanke kam, aber ich begann ihn zu hinterfragen ob er der Wahrheit entspräche. Wenn Verwirrung Klarheit bringt, so gesehen mit ihr identisch wäre, dann wäre es ja eigentlich keine Verwirrung. Die Betonung liegt demnach auf dem „bringen“, dem ein Weg von einem zum anderen Punkt vorausgeht. Es stellt sich dann die Frage wodurch die Verwirrung zur Klarheit wird. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, denn ist es mit der inneren Verwirrung nicht wie mit einem verworrenen Wollknäuel, das zur Benutzung auseinander geflochten werden muss? Muss ich nicht um Klarheit zu erlangen mich ebenso entwirren oder zumindest auf irgendeinem Wege aus der Verwirrung befreien? Wann immer ich in einer solchen steckte, sollte sie unnatürlich lange andauern. Ich beobachtete meine Kameraden wie sie ihrerseits damit umgingen und entdeckte einen deutlichen Unterschied zwischen unseren Verhaltensweisen. Da wo ich mich auf die Suche begab einen Weg aus der Verwirrung zu finden, würden die meisten ihr den Rücken kehren. Kaum einer suchte nach dem Anfang, dem Grund oder Ursprung, der die Verwirrung hatte ausgelöst, ganz so als würde es sie nicht kümmern, woher sie rührte. Da wo ich mich in mein Zimmer zurück zog und den Willen nicht aufbringen konnte mich anderweitig zu beschäftigen als mich der Überlegung hinzugeben, würden die meisten hinaus gehen, feiern, saufen und ihre Verwirrung schlicht weg vergessen. Und siehe da...wie schnell schafften sie es dadurch sich von ihr zu befreien! Aufgrund dieser Beobachtungen stellte sich für mich heraus, dass die Entwirrung nur zustande gebracht werden kann, indem man aufhört sie herbei zu sehnen und zu suchen. Wer verwirrt ist, nehme also seine Verwirrung und sperre sie weg und sei es nur symbolisch in eine Kammer seiner Seele. Diese eben öffnet sich und verschließt die Verwirrung, indem man einen inneren Abstand zu ihr gewinnt und ganz geschäftig tut, als wäre gerade jetzt so viel anderes wichtiger als sich mit ihr auseinander zu setzen. Die Verwirrung bleibt, sie steckt in einem fest und nur durch ihr Einsperren vermag sie uns zu eben der Klarheit führen, nach der wir uns sehnen, ganz so als wüsste sie, dass sie ihr Geheimnis offenbaren muss um von ihren Fesseln erlöst zu werden. Und welch Qualen wird es ihr bereiten, die so nach Aufmerksamkeit lechzt, ignoriert und eingefangen zu sein! Wird sie nicht um so lauter schreien, je fester wir die Tür zu ihrem Kerker ins Schloss drücken, je dicker wir die Mauern ihres Verlieses um sie emporziehen? Welch Kummer, welch Klagen wird aus ihren Gemächern dringen! Wenn wir dann aus all dem Trubel heraustreten, in den wir uns hinein haben fallen lassen, um ihr zu entkommen, so wird die Stille nun erfüllt sein von ihrem Seufzen. Wer dann jedoch nicht gebannt ihrem Leiden lauschen will, der verschließt nicht länger seine Verwirrung sondern seine Klarheit. (Über wen mag sie noch in solch Häufigkeit hereinbrechen wie über mich?) Klarheit ist also nicht direkt in der Verwirrung zu finden ist, aber letztere ist ersterer Voraussetzung. Verwirrung schafft demnach Klarheit, wobei das Schaffen ein Prozess ist, der Zeit und Geduld erfordert. Zu guter Letzt muss dem Verwirrten bewusst sein, dass er die Klarheit braucht, denn die nächste Verwirrung mag schon auf der Lauer liegen und wehe dem, der seine Seele zu einem Gefängnis heranwachsen lässt. Denn wenn ihn dann nachts das Klagen seiner Verwirrungen aus dem Schlafe riss, so verwirrten sich die Seufzer ineinander und er würde abermals verwirrt durch all die weinenden Stimmen. Wie will er die vielen verschiedenen Laute dann noch entwirren? Drum sollte jeder gewahr sein nur einen Bunker in sich zu bauen, der nur eine Verwirrung beherbergen kann. Mein Voranschreiten soll einerseits einen Abstand herbeiführen, aber mein Weg soll nicht etwa aus der Verwirrung hinaus führen, sondern geradewegs in ihr Zentrum hinein, ganz so als wäre sie ein Wirbelsturm, um dessen ruhiges Auge die Winde wüten.
Und da meinte ich zu erahnen, dass es sich mit der Liebe ebenso verhalten müsste. Dass unserer Liebe Vollendung nur in ihrem Verlust zu finden sei. Wenn es doch so sei, dass sie wahr ist, was würde es dann ändern, wenn ich sie losließe? Würde sie nicht von sich aus zu mir zurückkehren wie ein Bumerang, den man von sich wirft? Wenn ich sie in mir verschanzte, im hintersten Winkel meines Herzens, würde ich dann nachts nicht von ihrem Flehen sie aus der Dunkelheit zu befreien geweckt? Oder vergäße ich sie wie etwas, was einst verloren ging?
Diese Frage ruft mir ein Ereignis in Erinnerung.
Den einen Tag, mich hatte es in die Wälder gezogen, da kamen mir all diese Gedanken und so ließ ich mich nieder und begann sie aufzuschreiben. Mir ward alles so klar, dass es mir unvorstellbar schien jemals anders gedacht zu haben. Als ich nach Hause zurück gekehrt war, fand ich jenen Zettel, auf dem ich alles festgehalten hatte, nicht mehr wieder. Ich durchsuchte meine Hosentaschen und meine Jacke, doch er blieb verschollen. Ich merke wie die Panik darüber ihn verloren zu haben in mir hochschoss und anfing mich zu beherrschen. In jener Nacht wollte der Schlaf lange Zeit nicht über mich kommen, weil ich mich so sehr verzerrte nach meinen Worten und die Verzweiflung darüber nicht abklingen wollte. Anstatt sie abermals zu formulieren, versank ich in meiner Verzagtheit über ihren Verlust, dabei war ich doch noch kurz zuvor so erfüllt gewesen von jenen Ideen. Am nächsten Tag konnte kaum eine Seele mich aufmuntern. Zunächst sann ich stundenlang darüber nach was ich gedacht hatte, doch die Worte waren wie aus meinem Kopf gefegt. Schließlich zwangen mich meine Verpflichtungen aus dem Haus und schafften es mich für einige Stunden vom Grübeln abzulenken. Als ich gen Abend heimkehrte, war es kühl geworden und ich schichtete eine Reihe Holzpflöcke im Kamin auf und zündete sie an um den Raum zu erwärmen. Nachdem ich mir eine heiße Tasse Tee bereitet hatte und schließlich vor dem Kamin saß, blickte ich gedankenverloren in die lodernden Flammen. Plötzlich kam mir der Gedanke, was ich täte, wenn ich einschliefe und ein Fünkchen heiße Glut mir die Möbel entfachte. Ich fragte mich, welch Verlust mich wohl schlimmer träfe, der meines Hab und Guts oder der eines Gedankens. Da schien mir mein Gram schon etwas lächerlicher, doch ganz verwerfen konnte ich ihn immer noch nicht. Mein Blick ging im Raum umher und schweifte vom Kamin hinüber zu Sessel und Tisch, zu Regalen mit Büchern und Schallplatten, vorbei an Wandgemälden und Fotografien. Da überkam es mich wie ein Schauer, und mir wurde so warm, dass ich mich inmitten des Kaminfeuers sitzend glaubte. All das, dachte ich, besitze ich nicht, auch wenn jeder Gast es als mir zugehörig zuwiese. Natürlich kann ich Dinge für mich einnehmen und behaupten sie gehörten mir, aber solange ich in mir weiß, dass sich nichts in meinem Besitz befindet, kann ich auch nichts verlieren. Selbst wenn meine Fantasie vom verbrannten Hause wahr würde, was würde es mich dann kümmern, wenn ich mir sagte, dass nichts dort zu Staub zerfallen ist, was von Bedeutung gewesen wäre. Alles was für mich von Wichtigkeit ist, alles was ich besitzen muss, ist in mir verankert. Waren es nicht jene Gedanken am Tage zuvor, dass ich auch sie und auch sonst keinen anderen Menschen je besitzen werde, aber stattdessen die Liebe in mir bleibt, und es eben jene ist, die uns verbindet? O was kümmerte mich da noch der Verlust dieses Streifen Papiers, was frohlockte mir mein Herz über diese Wahrheit!
Demnach, um die anfängliche Frage wieder aufzugreifen, bliebe die Liebe in mir. Solange ich mir über sie im Klaren bin, will ich sie auch weiterhin in mir tragen, nicht jedoch hinter Schloss und Riegel, sondern ganz und gar frei schwebend. Wie wird sie mir mein Herz beglücken in ihrer Klarheit, selbst dann wenn sie in unserer körperlichen Trennung ihre Vollendung gefunden hat.


Mittwoch, 11. April 2012

Stilles Geräusch

Um mich rum ist nichts als Ruh
nur der Stille hör ich zu.
Und wie dringt mir an mein Ohr
so viel mehr als je zuvor.


Dienstag, 10. April 2012

Erster Brief

Vertrauter Freund,

wie lang wir uns nicht sprachen! Drum möchte ich dich wissen lassen, was in den letzten Wochen sich hat zugetragen; es gibt da so einige Fragen zu denen mir die Antworten bislang fehlen. Vor einigen Wochen ist nun endlich ein Mädchen in mein Leben getreten und ich erinnere mich dir versprochen zu haben dich über solch Vorkommnisse in Kenntnis zu setzen. Ihr Name ist Francis und ihr Anblick ist mir wie ein Bildnis an dem ich mich niemals satt sehen könnte. Obgleich ich sie kaum gekannt schien es mir von Anfang an, dass mich etwas mit ihr verband. Als sei meine Seele mit der ihren verwandt, die mir oft sagte ihr fehle der Grund für ein Morgen. Denn auch wenn nichts sie quäle, weder Kummer noch Sorgen, blieb ihr doch stets verborgen was es heißt des nachts nicht allein zu sein. Ein Jemand, den sie mitnehmen könnt’ in ihre Welt aus Träumen war ihr bislang nicht gegönnt gewesen, weil wohl die Angst, etwas zu versäumen, ihre Sinne betäubte, und obgleich sie sich dagegen sträubte schwanden ihre Kräfte und legten sie lahm. Trotz des Dranges in ihrer Brust vermochte das süße Singen eines jeden Klanges nicht an ihr Ohr zu dringen, sei es der einer lieblichen Stimme, ein Lachen, ein Weinen, sei es, wenn sich Vögel im Schwarm vereinen, ein Zwitschern, Tirilieren, wenn Bäumen sich im Winde wiegen, wie laut Frauen schreien, wenn sie Kinder kriegen, Menschen aus vollster Kehle triumphieren, sich amüsieren, feiern, speisen, Witze reißen... jeder zauberhafte Laut, der am Tage so vertraut, blieb doch stumm, als wär’ sie taub. Ihren Augen ward das Licht vergönnt; verklebt, verschlossen, zugenäht und platzten schließlich deren Nähte, platzte auch der schwarze Traum; wieder mal war es zu spät, es graute der Tag, der aufs neue vor mir lag, über meines Bettes Saum. Und würd ich erwachen unter Palmen am schönsten Strand, dessen weißer Sand sich kilometerweit erstreckt, wo übers ganze Land  eine frische Brise geht und das Meer an meinen Füßen leckt, so blieb die Dunkelheit in mir, denn des nachts ward alles stille, kalt und leer. Aber nun, da mich das Schicksal zu ihr geführt, kann sich meine Seele freuen; niemals mehr beginnt von Neuem die Furcht sich in mir aufzubauen, wenn die Sonne am Horizont versinkt, ihr helles Licht im Meer ertrinkt und es Abend werden lässt, dann kann ich ihr blind vertrauen und völlig unbesorgt meine müden Lider senken, weil ich weiß sie wird mir schenken, einen zuckersüßen Traum.
Einen, der die Finsternis besiegt, in dem ich hören, sehen, spüren, ja gar jene schweren Türen fähig bin zu öffnen, die mir für so lange Zeit die Flucht aus dem schwarzen Kerker zunichte machten, weil doch die Kraftlosigkeit und Angst mich dazu brachten mich nicht einmal zu rühren. Jetzt kann ich's immer kaum erwarten bis die Sonne sich verneiget, bis der Mond zum Firmament aufsteiget und um endlich meine Augen zu verschließen, denn alsbald möcht ich vor lauter Wonne ein paar Tränchen gern vergießen, sei's ihr Antlitz was mich blendet, als hätt der Himmel sie gesendet oder gar das pure Glück nicht länger mehr allein zu wandeln. Ich fasse ihre zarte Hand, will kein Stück meines Weges mehr ohne sie gehen, denn was auch immer sie zu mir gesandt, wer immer wollt, dass ich sie fand, es quält mich nicht, nicht zu verstehen warum dies zu geschehen vermag; solcherlei Fragen nähmen mir einen allzu großen Teil der Zeit mit ihr, die so begrenzt, stets wie im Fluge verrinnt, die mir wie einem Kind so gänzlich zuwider, weil es doch nur noch eins der fröhlichen Lieder so gern hätt’ vernommen, doch da ward auch schon die Mutter ins Zimmer gekommen
und bringt die himmlischen Stimmen zum Schweigen. Drum mag ich sie rufen: komm geschwind! Lass ein hübsches Plätzchen uns suchen, vielleicht doch drüben unter den Buchen, die uns gnädig ein wenig Schatten spenden. Immer noch halt ich sie bei den Händen, seh’ sie an und ganz plötzlich wird es mir im Herzen bang,
es schlägt ganz heftig, will rein gar nicht sich beruhigen; o wie stark und mächtig sie über mein Befinden regiert, dabei ist sie von Statur mehr klein und schmächtig, macht mich trunken und verletzlich mit ihrer Augen Blickes nur. Sie funkeln mich an wie zwei schwarze Perlen, ziehen mich in ihren Bann mit solcher Kraft als zöge ein ganzes Heer mich zu sich heran, jedoch keinerlei Krieger, die mich in Ketten hinter sich her schleifen: Nein, Engel sind’s! Sie wollen mich retten, auf ihren Flügen gen Himmel tragen, mich auf weichen Wolken betten und mich laben mit den köstlichsten Gaben, die sie mir zu Füßen legen. Und sie, sie ist einer von ihnen, dabei sollte ich ihr dienen in dem Maße wie es nur einer Königin gebührt. Drum will ich zum Dank all meine Liebe ihr schenken, möge mein Tun und Denken mich krank machen nach ihr, weil sich mein Herz vor Sehnsucht verzehrt. Sie legt ihren Kopf in meinen Busen, und ihr Haar in Spangen, ihre goldenen Locken, streifen sanft über meine Wangen wie zarte Schneeflocken, benebeln mich mit ihrem Duft
nach frischem Grase und die Frühlingsluft ist erfüllt von blumigen Gerüchen. Mit ihren lustigen Sprüchen bringt sie mich zum Lachen und das ihre hallt wie ein Echo in meinem Kopfe wider, wie das Singen von Vögeln in buntem Gefieder; eine Melodie, die so wunderschön klingt, dass ich meinen könnt mein Herz zerspringt in tausend Stücke. Doch zugleich beruhigt mich der Töne Harmonie und ihre Leichtigkeit überträgt sich auf mich, dass meine Füße jeden Halt verlieren. Zum ersten Mal in meinem Leben, ist es mir, als würde ich schweben, mich gesellen zu jenen Tieren, die zum Fliegen geboren. Schwerelos, den Bezug zur Realität längst verloren, gleite ich dahin und lausche der göttlichen Sinfonie der Geigen, zu der sie sich unter mir im Reigen bewegt wie ein Schmetterling. Ein silberner Ring ziert ihre rechte Hand, die sie über mein Gesicht streichen lässt; sie zu berühren raubt mir den Verstand, wenn ich ihre Körperwärme spüre und sich unsere Herzensschläge zu einem Rhythmus verbinden, gäb’ ich alles dafür niemals mehr verschwinden zu müssen von diesem Platze, der jeden Morgen in unerreichbare Ferne rückt. Keines Königs Schatze wäre Geld genug sie zu ersetzen, denn sie ist mir so viel mehr, als alles andere auf dieser Welt, dass ich wünscht’ ich könnt’ ewig verharren an diesem königlichen Ort, will nie wieder wachen, nie wieder fort. Doch wie sehr ich mich auch zwinge das Schlafen fortzusetzen, nicht davon abzulassen dem fröhlichen Spiel der Flöten und Harfen zu lauschen, weil das Rauschen der Wirklichkeit meinen Namen schreit und eine Schuldigkeit auf meinen Schultern lastet, bleibe ich machtlos gegen den Tag. Ein jeder Mensch hastet, rastet wenig und obgleich ich mich stets lösen möchte von jenen Schichten, von allen Geboten und Pflichten, stundenlang dösen, nicht selten hinübertreten zu den Toten, so ward jeder Versuch, dass sie nicht mehr gelten mögen, bisher misslungen. Frei, frei, nicht länger ein Sklave der Gesellschaft will ich sein, die nicht aufhört mich meiner Kraft zu entziehen, ach, wie sehr möchte ich ihr entfliehen in jene nächtliche Welt. Denn in ihr hat auch sie Gefallen an mir gefunden, wir verbringen die Stunden beisammen, unsere Körper ineinander verschlungen und am Abend schauen die Sterne auf uns hernieder. Ach, was hab ich es gerne, es durchfährt mich gar in alle Glieder, wenn ihre vollen Lippen die meinen liebkosen, deren Geschmack und Röte mich an Rosen erinnern, wenn meine Hände sacht über ihre Rundungen fahren und ihr Atem meine Haut erwärmt, dann verschwimmt das Bild eines jeden klaren Blickes, dann schwärmt mein Herz pausenlos von ihrer Pracht. Es wird solang nicht gestillt bis der Traum ein Ende nimmt, bis der Hahn sein Lied anstimmt und die Sonne ihre ersten Strahlen am Horizont aufblinken lässt, dann krall ich mich an den Stäben meines Bettes fest und beginne den Tag unter Tränen. Selbst wenn ich sie zu Gesicht bekommen sollte, was zumindest als Lichtblick zu verbuchen wäre, könnt ich niemals wie ich wollte sie in meine Arme schließen geschweige denn ihr ins Ohr flüstern wie lüstern mich ihr Anblick macht, wie sehr ich sie begehre, wenn sie mich anlacht, wie sehr ich mir wünscht’ einen Kuss auf ihren Mund zu drücken, wie schwer es mir fällt, ihren Rücken nicht anzufassen, meinen Händen zu befehlen von ihr zu lassen, wenn sie im Gedränge vor mir schreitet. Es gibt fast nichts was ich nicht für sie täte, würde stehlen, lügen, betrügen, all ihre Schulden tragen, ohne zu hinterfragen, nur als Zeichen meiner Hingabe, niemals mehr weichen von ihrer Seite. Jedes Treffen mit ihr erweckt von neuem meine Sehnsucht, jedes Mal falle ich wie ein erblindetes Tier in eine unergründliche Schlucht, die sich wie ein schwarzes Loch im Erdboden unter mir auftut, dessen Tiefe jedoch nicht aufhört wachsen. Manchmal denk ich, so könnt’s in der Hölle sein: Mutterseelenallein, mein Schreien bleibt mir im Halse stecken, ich würd’ am liebsten direkt verrecken, bemerke doch schnell ich bin schon tot. Für immer und in Ewigkeit im Dunkeln verweilen, kein Funkeln stört das pure Leid, das unendliche Schweigen, die trostlose Leere, vor der ich mich für immer muss verneigen, da sie niemals ein Ende nimmt. Nein, nein, ganz bestimmt wird es nicht mein Schicksal sein, sie nicht einmal mehr schauen zu können; Gott bewahre mich vor jenem Grauen, das sich meine Fantasie gelegentlich ausmalt, so will ich auch zufrieden sein, wenn die Sonne am Himmel strahlt und mich an ihr erfreuen wie die Kindelein. Auch wenn diese Liebe meine Gefühle nicht erwidern kann, so soll der Kummer nicht zum Diebe über meinen nächtlichen Schlummer werden, denn dieser wird nicht länger mir verbergen wie es sein könnt mit ihr.
Wie der Qualm in ihre Lungen strömt, wenn sie an ihrer Zigarette zieht, so ist sie in mich eingedrungen und fließt nun in meinen Adern. Seither flüstern Engelszungen unaufhörlich ihren Namen, der trotz seiner Einfachheit so wohlklingend in meinen Ohren tönt. Gewiss, es mag hübschere Damen geben, doch wie lässt sich Schönheit definieren? Was nützte mir das Abbild einer Perfektion, wenn ich mich ständig für mein Schlichtsein genieren, sie mich nicht wie ein Magier zu faszinieren und mir mit ihrer Art nicht auf so unbeschreibliche Weise, die keineswegs laut, eher leise, wenn auch wortgewandt zu beschreiben wäre, den Atem zu rauben vermag wie sie in solch seltsamer Manier getan? Sie allein weckt mein Interesse, das in ihrer Natur so inniglich, dass ich alles andere vergesse, wenig trinke, wenig esse, mich viel mehr nähre mit den Gedanken an sie. Mein Herz hab ich an ihr verloren, sie hat es sich auserkoren zu lieben, wie es niemals zuvor geliebt, denn in meinen Augen ist sie das schönste Geschöpf auf Erden, für sie könnt ich sterben, den herben Trunk des Todes zu mir nehmen, wenn es um ihr Leben ginge. Durch Feuer gehen, mich in tosende Fluten stürzen, einem jeden den Hals umdrehen, der es wagte ihr Leid anzutun und erst selber ruhen, wenn der Schlaf sie gänzlich bezwungen. Oft mein ich, sie sei noch so klein, obschon sie in mancherlei Dingen erfahrener scheint zu sein, verspüre ich den starken Drang sie zu beschützen, sie aufzufangen, wenn sie droht in die etlichen Pfützen zu fallen, die vor ihr aus dem Boden ragen. Ich würd sie auf Händen hinüber tragen, ohne zu klagen, bis ans Ende dieser Welt. Asiatische Zeichen schmücken den Knochen zwischen ihren Lenden. Sie entzücken und blenden mich mit ihrem Kontrast gegen ihre blasse Haut, die an manchen Stellen mit hellen Sommersprossen übersät ist. Wer verrät mir das Geheimnis, das mir ein Schlüssel zu ihrem Herzen wäre, den Riss, der das meine in zwei Hälften zerteilt zusammen wachsen ließe, damit es nicht noch mehr Blut und Tränen vergieße, an denen es bald droht zu ertrinken? Mit wie viel Schmerzen es auch verbunden, wie viel Leid und Elend, es müsst ertragen, nichts brächte mich zum Verzagen, nicht mal die stechende Hitze eines Schwertes brennender Spitze, die meine Brust durchbohrte, denn die Gewissheit, dass es mir alle Leere nähme, die mich von Kopf bis Fuße ausfüllt, mich durchflutet wie das Wasser die Meere und mir das Arkanum enthüllt wie es ist ein Gefühl von Liebe zu empfinden. Denn am Tage schwinden meine Sinne wieder, weil die Gedanken an meine Kleine sie vollkommen einnehmen. Schämen sollte ich mich für meinen Wankelmut, meine Schwäche, meine Ohnmacht. Es geht mir nicht gut; das bleibt sicherlich nicht unbemerkt vor ihr und ich bezweifle, dass sie nie in sich hinein lacht und sich lustig macht über meine Verkehrtheit und Lethargie. Welch Elendshaufen ich doch bin! Schaff es nicht mich zu verkaufen als jemand, den es zu lieben sich lohnt, nur weil er nicht gerade edel wohnt und nicht mit einer Schönheit beschenkt ist wie sie ihr mit den Jahren zuteil wurde. Es fällt mir schwer an mich zu glauben, mir zu erlauben das Wort zu erheben, wenn sie in der Nähe ist. Ihre Anwesendheit macht mich völlig sprachlos, denn aus purer Sorge was Falsches zu sagen, unterlass ich lieber sätmliche Fragen und versteck mich im Schweigen. Vielleicht sollte ich meinen Mut zusammen nehmen und anstatt zu reden zumindest ein paar liebe Zeilen schreiben und ihr geben, nur als nette Geste zum kommenden Anlass, denn schon bald wird das fette Fass aufgemacht und auf ihren Geburtstag angestoßen. Ich will sie in Ansätzen wissen lassen, was sie mir bedeutet, und dass ich sie nie mehr missen möchte. Hältst du das für einen guten Gedanken, lieber Freund? Oder vergeud ich nur meine Zeit? Alles nur, weil mein Herz nach Liebe schreit? Sollte ich sie nicht doch sinnvoller nutzen, vielleicht damit meine Stiefel zu putzen? Bitte schreib mir zurück, denn ich weiß nicht mehr ein noch aus. Kann mich an keinem Glück mehr mich erfreuen, schließ mich stets ein in meinem Kämmerlein und fange an mich vor Menschen zu scheuen. Für nichts kann ich mich begeistern, auf nichts kann ich meine Konzentration lenken, kann nicht rechnen, kann nicht denken, weil sie nicht aufhört in meinem Kopf herumzugeistern. In meiner Küche türmt sich Topf auf Topf, auf den Schränken der Staub, im Garten das Laub meiner Apfelbäume. Es wird wirklich Zeit, dass ich aufräume und zumindest versuche mich zusammenzureißen! Ich kann mir dieses Nichtstun nicht länger leisten. Seit Wochen hab ich nichts zu Papier gebracht. Hinter vorgehaltener Hand wird schon gelacht über mich. Dieser Brief an dich, sind die ersten Zeilen, die meine Finger füllen. Ich hoffe ich kann mich beherrschen, dass ich ihn nicht zusammen knülle und vor Verzweiflung in die Ecke pfeffer’, sondern tatsächlich an dich sende in der Hoffnung du hilfst mir einen Treffer zu landen, damit diese Schmach ein Ende hat. Ich hoffe du findest Zeit mir zu schreiben. So will ich verbleiben mit den herzlichsten Grüßen.

Dein treuer Freund, Gustave

Montag, 9. April 2012

Der Pendler

Wer stets nur hin und her pendelt
zwischen dem Schönen vom Gestern
und dem Traum vom Morgen,
verpasst das traumhaft Schöne von Heute.
Doch bin ich ohne Erinnerung
und ohne Traum,
steht mein Pendel still.
Ist es das was ich will?
Aufhören zu schwingen?
Oder ist nicht gar
meine Erinnerung an gestern
und mein Träumen von morgen,
das was mir das Heute
so traumhaft schön macht?
Dann bist du mir nah,
selbst wenn du nicht da bist!
Aber wenn du vor mir stehst,
oder vor mir hergehst,
dann seh' ich dich an
und bin ganz bei dir.
Und gehst du dann weg
oder läufst hinter mir her,
erinner' ich mich schon zurück
an diesen Augenblick
und träum' direkt wieder ein Stück,
dass dein Blick meine Augen bald wieder trifft.
Und dann bleib ich stehen,
und du holst mich ein
und ich merk' wie ich schwinge
trotz Innehalten.
Wenn ich dann neben dir laufe
und ausschweife
in meinen Erzählungen von gestern,
dann ist mir der Moment so traumhaft,
dass ich mich gern daran zurück erinnere,
wenn ich später nicht neben dir sitze
und vor mich hin träume. 
Dann bin ich im Gestern, Heute, Morgen
im Vorhin, im Jetzt, im Gleich
und spinne mir mein traumhaftes Leben
indem ich schwinge,
ganz im Stillen...
Wie bin ich mir da gewiss,
dass sich alle Dinge
nach meinem Willen
zusammenweben.



Freitag, 6. April 2012