"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."

Freitag, 31. August 2012

Alles ist jetzt weißer Raum

Nun sah ich ihn an,
den leeren weißen Raum
tränenfrei waren mir meine Augen
als sei dies ein trauriger Traum
sehnsuchtsvoll suchend nach der roten Wand
nach Tisch und Bett und deinem Lachen
da füllte sich das Nichts mit bewegten Bildern an
und alles was dort ward,
all deine Späße und all deine Sachen
waren wieder da, als sei dies der Anfang
der Kronleuchter schwang
der Schrank lehnte an der Wand
und mittendrin saßen wir beisammen und aßen
und schliefen und tanzten
und liebten uns

Nun nahm ich deine Hand
und spürte deine Traurigkeit
tränenfrei waren dir deine Augen
als sei es nun an der Zeit
sehnsüchtig strebend nach dem schönen Morgen
nach neuem Tisch und Bett und meinem Lachen
da füllten sich deine Augen mit Wärme an
und alles was dort wird,
all deine Träume und die schönen Sachen
sind jetzt im Werden, als sei dies der Anfang
jetzt dauert es nicht mehr lang
alles ist jetzt weiße Wand und weißer Raum
und mitten hinein malen wir unser Beisammensein
unseren Schlaf und unseren Tanz
und uns Hand in Hand

Sonntag, 19. August 2012

Fundsache

im verein sein,
ein kämpfer sein,
mutig sein wie du,
mit dir zusammen sein
zweisam sein
so mutig sein wie du und dich lieben
dich lieben
und geliebt werden von dir
anfangen sich selbst zu lieben
ohne es zu merken
in diesem erwachen dich verlieren

nie mehr mit dir sprechen
nie mehr mit dir zusammen das Brot brechen
zusammenbrechen 
ohne dich sein
aufhören zu sein
aber noch da sein
gesehen werden
aber nicht gesehen werden
einen namen, ein spiegelbild haben
aber sich selbst nicht erkennen
durch sich durch sehen
unsichtbar sein
auf der suche sein
nach sich
sich nicht finden
verzweifeln
nichts mehr wollen
nur noch rollen, rollen, rollen
sich fragen wohin?
und es nicht wissen
es nicht wissen wollen
nur eines wollen,
rollen, rollen, rollen
nicht glücklich sein
etwas anderes wollen 
sich fragen was?
keine antwort kriegen
müde sein
viel schlafen
sich müde schlafen
nicht mehr rollen wollen
nicht mehr suchen wollen
nichts mehr wollen
nicht mehr sein
sich fragen warum?
und es nicht wissen
es wissen wollen!
nicht mehr rollen wollen,
wollen, wollen, wollen
alles wissen wollen
sich erinnern
ankommen wollen
sich fragen woher?
und es nicht wissen
lebensmüde sein
wütend werden
sich fragen warum?
und es nicht wissen
es wissen wollen
nicht mehr rollen wollen,
wollen, wollen, wollen
schlafen
erwachen
weinen
verzweifeln und sich einsamer fühlen als je zuvor
fluchen
um vergebung bitten
sich beruhigen
etwas fühlen
sich ansehen
dich erkennen in sich
glauben, dass du noch da bist
sich finden
dich finden
dich wiederfinden
dich unendlich vermissen
dir das sagen
dir danken und dich wissen lassen:
du warst mir vollkommen
erwachen
weinen
strahlen und dich bei sich spüren wie niemals zuvor
sich ansehen
dich ansehen
dich lieben
sich lieben wie niemals zuvor
sich danken und sich wissen lassen:
du bist mir vollkommen








Donnerstag, 9. August 2012

Fluchtversuch

Einladungen zum Rollen kann ich heute nicht nachkommen. Von Wollen kann keine Rede sein...es ist ja ein Sichzwingen! Wie fällt es mir schwer den Glauben daran aufzubringen, dies hier sei von äußerster Dinglichkeit. Immer dieser Goethe, immer diese verschwommene Wissenschaft! Doch es hilft nichts. Ich muss mich mit ihr beschäftigen, wenn mich auch wenig in der Notwenigkeit dessen darin bekräftigt, und mir das stundenlange Stillsitzen große Qualen bereitet. Alle paar Minuten möcht ich aus der Haut fahren, solch Zeilen schreiben oder mir noch mehr Kaffee, noch mehr Kuchen einverleiben. Kann das denn gesund sein, wenn ich Stund für Stund nur immerzu traurige Blicke aus dem Fenster werfe ob des Sonnenscheins, der mir nur auf die Weise zuteil wird, indem er die flackernden Schatten der draußen wachsenden Sträucher auf den hölzernden Pakettboden wirft? Hilft's denn, dass ich ein Stoßgebet nach dem anderen zum Himmel schicke, er möge mir jene Hilfe senden, die es mir möglich machte, nicht noch mehr schöne Tage meines Lebens zu verschwenden? Heute Abend gehts auf den Rummel, damit ich noch wieder ein bisschen mehr Zeit verbummel und im Anschluss über mich verzweifeln kann. Ach, könnt man sich doch nur selbst entfliehen und in einen neuen Menschen einziehen! Sich selbst vergessen und von Neuem beginnen, sich ganz von vorn zusammen spinnen und nach dem Bemessen der heutigen Zeit ausrichten. Welch Sehnsucht in meinem Herzen brennt, mir aufrichtig in die Augen zu sehen und mir selbst zu sagen: "Ich kann dich verstehen!"

Montag, 6. August 2012

Da bin ich wieder

Es ist ja der Rhythmus, der das Pendel in Bewegung setzt. 
Steigt mein Puls, so steigt auch der Rausch. 
Setz ich demnach einen Fuß vor den anderen 
und erhöhere die Geschwindigkeit meiner Schritte, 
so ist mir mit jeden Tritte, als hielte ich einen Besen in der Hand, 
mit dem ich die Staubflocken in meiner Wohnung zusammenkehre. 
Bin ich zuhaus und traue mich nicht hinaus vor die Tür zu treten, 
weil dort die Winde wüten, so kann ich mich antreiben durch ein stetges Wiederholen. 
Manchmal sitz ich da und weiß nicht was tun. 
Bemüht für etwas Begeisterung aufzubringen, 
nehme ich mir ein Buch aus dem Regal, doch schon auf den ersten Seiten 
verschwimmen die Wörter zu solch Buchstabensalat, 
dass ich mir auf nichts einen Reim machen kann. 
Schlag ich die Deckel dann zusammen, ist's mir wie ein Trommelschlag. 
Ich machs nochmal und immer wieder und plötzlich hör ich mich ausrufen: da bin ich wieder! 
Ich bin eben selten gern Leser, sondern viel lieber Schreiberling. 
Halt ich einmal den Stift gepackt, da bin ich ja wie im Fieber. 
Kein Gedanke wohnt mir inne. 
Mein Kopf ist mir nie so leer, als wenn meine Hand die Zeilen füllt. 
Ich will die Dinge beschreiben lernen! 
Meine Beobachtungen sind so farbenfroh. 
In all ihren Variationen will sie benennen lernen.
So ist ja nicht alles rot, blau, gelb, 
sondern viel mehr kamin, marin und ockerfarben.

Fünfter Brief

Lieber Freund,

mit mir und meiner Geliebten ist es aus und vorbei. Am siebten des letzten Monats bat sie mich zu gehen. Ich solle verstehen, dass sie mich unendlich gern habe, jedoch noch jemand anders ihr Herz erobert hätte. Ich weiß es nicht sicher, aber ich wette es ist dieser Blonde, mit dem ich sie zuweilen sehen und voller Eifersucht ihrem Gekicher lauschen musste. Irgendwo wusste ich, dass es nicht lange halten würde. Dennoch fällt es mir seither unglaublich schwer meine Konzentration auf etwas anderes zu lenken und meinem Leben wieder einen Sinn zu geben. Ich fühl mich gefangen wie die Fliege im Netz der Spinne! Wie will ich mich lösen von ihr, doch mein Verlangen hält weiter an und die Gewissheit, dass es nie wieder gestillt, bereitet mir große Qualen. Ich habe angefangen zu malen um mich zu zerstreuen, aber länger als einige Minuten kann ich den Pinsel nicht ruhig führen, dann beginne ich zu spüren wie sich meine Augen mit Tränen füllen und sich alle Farben zu einem grauen Gemisch vermengen. Den Tisch schmeiß ich um, will alles in die Luft sprengen, klein und krumm schlagen, vor lauter Wut, die mich überkommt. Langsam verlässt mich der Mut, weil es mir so unvorstellbar bleibt ohne sie zu sein, meine Beine schlafen mir ständig ein und vielleicht schon bald mein ganzes Herz. Weißt du ein Mittel gegen den Schmerz? Wie ich es schaffen könnt sie schier zu vergessen? Besitzt du denn keinerlei Elixier, dass es vermag mich aufzuraffen und mir neue Kraft zu schenken? Das alles gibt mir so sehr zu denken, selbst meinen Arm würd’ ich mir dafür ausrenken, um von dieser Sehnsucht befreit zu werden. Ach, geliebter Freund, vergib mir meine Beschwerden, dass ich dir wieder nichts Erfreuliches zu berichten habe, nur verdichten sich die Wolken über meinem Haupte immer mehr, sodass ich zuweilen schon glaubte, dass die Bürden des Lebens einfach zu schwer auf meinem Herzen lasten würden. Letzte Nacht wollte ich versuchen mich zu fangen, so fing ich an einen langen Abschiedsbrief an sie zu schreiben. Er sollte die bösen Geister vertreiben, die mich in meinen Träumen heimsuchen, mich aufrichten und den Nebel lichten, der mich seit unserer Trennung umgibt. Sie liebt mich nicht mehr, hat es wahrscheinlich nie getan, also kann ich es mir eigentlich sparen ihr diese Worte zukommen zu lassen. Vielleicht lässt du deine Augen mal drüber wandern und lässt mich wissen ob es sich lohne. Vergib mir, dass ich dich nicht damit verschone, dich wieder behelle mit meinen Sorgen, doch mir ist als überflute mich eine riesige Welle, die mich unter sich verborgen hält. Hilf mir, lass mich nicht ertrinken, lass mich nicht in des Meeres Tiefen sinken! Du warst mir immer ein solch treuer Kamerad. Ich lad dich ein zu mir, du musst mir nichts zahlen. Wir könnten uns wie früher zusammen auf den Hügel setzen und malen und…Hach, ich würde deine Anwesenheit so sehr schätzen. Du bist mir jederzeit willkommen. Fühlst auch du dich mitnichten beklommen? Ich will endlich wieder Land sichten, drum bitt ich dich inständig: schicke mir ein Rettungsboot, das mich aus dieser Not befreit und meinem Leid ein Ende bereitet! Du hast mich stets begleitet in schweren Zeiten, daher wage ich es voll Vertrauen meine ganze Hoffnung in dich zu stecken.
Ich grüße dich recht herzlich, wenn mir derzeit auch alles schmerzlich erscheint!

Dein Freund Gustave

P.S.: Den Brief an meine Verflossene lege ich anbei. Bitte sei so frei und schreib mir deine Meinung.





Freitag, 3. August 2012

Nichts sein außer zu sein

Über den glitzenden Schnellen
funkeln die blauen Libellen.
Die Strömung kennt kein Halt, kein Hort,
immer weiter fließt sie fort.
Ohne Unterlass schießt das kühle Nass über Steine, Füße und Beine.
Alles reißt das Wasser mit,
das grüne Moos schimmert im Sonnenlicht
und zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht.
Ich versteh kein Wort ob des lauten Rauschens
und doch ist alles unendlich leis'.
Es saust und braust um mich her,
doch das Plätschern spült mich ruhig und leer.
Alles Schwere schwimmt davon wie hölzerne Schiffchen
und meine Klagen über Druck auf dem Magen werden ertränkt.
Komm lieber Bach, schluck auch den Druck!
Ich will mit dir lachen und mit dir fröhlich über die Dämme fließen.
In dir hat kein Leid Bestand.
Reich ich dir meine Hand, fasst du sie liebevoll an
und ziehst zugleich von dannen.
An deinen Ufern will ich mein Zelt aufspannen.
Dein rasendes Ruhen,
drängt mir den Wunsch auf
mich von meinen Schuhen zu befreien,
Ach, hier bei dir muss ich nichts sein
außer zu sein!
Ich will in dich eintauchen
und zu dir werden.
In deinen weichen Gebärden liegt keine Hast
und doch kennst du das Rasten nicht.
Sanft gleitest du über alles geschmeidig hinweg,
regierst mächtig mit müßigem Gang.
Ach, welch Verlangen!
Ob gehen oder stehen,
ob Tag oder Nacht...
du machst keinen Unterschied!
Alles ist dir gleich,
in dir ist immer Fried und Freud.