"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."
Donnerstag, 3. Mai 2012
Kampfansage
Ich bin bereit. Bereit in den Krieg zu ziehen. Bereit Granten zu zünden. Bereit alles zu tun was nötig sein wird. Ich werde mein Leben verteidigen mit allem was ich habe, mit all meiner Kraft bis zum bitteren Ende, komme was wolle, komme wer wolle, ohne Rücksicht auf Verluste. Meine Zeigefinger liegen über den Abzügen der Waffen in meinen Händen. Die Schwerter und Dolche sind scharf geschliffen. Munitionsketten kreuzen meine Brust. Ich bin ein Kämpfer. Ich bin stark. Ich bin unbesiegbar. Kommt nur her! Ich werd's euch zeigen! Ich bin geladen. Hochexplosiv. Ich bin gefährlich, angriffsbereit. Ich steh unter Strom. Ich bin auf 180. Voller Energie, voller Motivation. Ich bin heiß. In mir brennt ein Feuer, das niemand zu löschen vermag. Halte dich fern von mir, sonst verbrennst du dich, oder mein Finger rutscht vom Abzug, weil mich deine ruckartigen Bewegungen zusammen zucken lassen. Nimm dich in Acht, aufdass ich dich nicht für einen von denen halte. Winkst du mir vom Weiten so werde ich mein Schwert heben und dich vom Schlachtfeld aus grüßen. Ruf mir zu, feuer mich an, sei mein Fan, sei mein Ansporn, zeig mir, dass es sich lohnt auch für dich zu kämpfen, wünsch' mir Glück, erinner' mich an mein Ziel, wenn ich dabei bin es aus den Augen zu verlieren. Steh mir nicht im Weg, mach' mir keinen Stress, sprich mich nicht an, denn ich muss mich konzentrieren. Stell keine Fragen, führe keine Diskussionen mit mir, die mich ablenken, verwirr mich nicht, bring mich nicht aus dem Konzept, denn der Feind lauert überall um mich herum. Ich muss wachsam sein, ich muss Augen und Ohren Tag und Nacht offen halten. Ich darf meine Aufmerksamkeit nicht auf andere Dinge lenken als den Feind. Ich muss mich mit äußerster Vorsicht bewegen, denn der Kampfplatz ist bespickt mit Minen. Ich darf mich nicht vertreten, ich darf nicht ausrutschen. Jeder Schritt muss sicher sein, präzise und genau.
Mein Kopf ist leer, denn nichts soll mich ablenken. Ich habe eine Mission und nichts anderes will ich verfolgen als diese.
Das hier ist kein Kampf, der mit einem Mal gewonnen oder verloren wird. Es ist ein ganzer Krieg, der tagtäglich eine neue Schlacht mit sich bringt. Die ein oder andere werde ich verlieren, vielleicht aufgrund einer winzigen Unachtsamkeit, einer Sekunde der Nachlässigkeit, des Leichtsinns. Vielleicht, weil jemand auf mich zukommt und mir die Sicht versperrt oder in der Ferne wild gestikuliert und mit dem Finger gen Himmel zeigt, sodass ich aus Neugier meinen Blick vom Feind abwende und nach oben schaue. Und im nächsten Moment spür ich einen stechenden Schmerz in meiner Brust und starre auf eine Schwertspitze, die mich von hinten durchbohrt. Drum musst du leise sein, damit ich den Feind auch höre, wenn er sich von hinten anschleichen will oder mir in der Dunkelheit auflauert. Umsichtig muss ich sein, damit man mich nicht aus einem Hinterhalt heraus überrascht. Vorbereitet muss ich sein, dass der Feind nicht plötzlich und unerwarteterweise aus dem Dickicht springt und mich hinterrücks überfallt.
Hab kein Mitleid mit mir, sei nicht besorgt, hab' Vertrauen, unterstütz meinen Kampf indem du an mich glaubst, sei mein Trainer, mach' mich stark, ermutige mich, trag mein Wasser und reich' es mir, wenn mir danach beliebt. Sei meine rechte Hand, kümmer' dich um Dinge, für die ich jetzt keine Zeit habe, um Menschen, die jetzt auf mich verzichten müssen, sei mein Sekretär, mein Manager, nimm meine Telefonate an, stell sie nicht durch, entschuldige mich, ich leih dir meine Stimme.
Versetz dich in meine Lage und überleg wie du mit der Situation umgingest. Lass dich nicht täuschen von meiner mutigen Fassade. Sieh in mich hinein. Was siehst du?
Einen Rekruten an forderster Front. Ich habe Angst, meine Knie zittern, mein Herz schlägt wie wild, meine Augen tränen. Dennoch: Hier stehe ich, erhobenen Hauptes, erhobenen Schwertes und verschwende keinen Gedanken daran mich zu rühren, umzukehren, aufzugeben. Ich kann das schaffen! Ich will das schaffen! Ich schaffe das!
Das willst du doch auch, also bring mich nicht davon ab. Hab Verständnis für meine Unruhe und Verzagtheit, denn das hier ist nicht einfach. Es ist ein harter Kampf und ich bin es nicht gewohnt mich in solchen Maße für etwas einzusetzen, was mich selbst betrifft. Ich habe keine Übung darin. Ich bin im Grunde völlig ahnungslos. Alles was ich tun kann ist meinem Instinkt zu folgen, der Stimme in mir drin, die mir sagt was ich als nächstes tun soll. Und auf niemand anderen will ich hören als diese Stimme, denn sie allein weiß was dieser Kampf mir abverlangt. Ich will mich nicht beeinflussen lassen, ich will nicht vom Weg abkommen, denn der, den ich eingeschlagen habe, ist der einzig wahre. Steck deine Bedürfnisse zurück, habe keine Erwartungen an mich, denn ich weiß nicht, ob es mir derzeit möglich ist sie zu erfüllen. Zähl nicht auf mich, hab Nachsicht, hab Geduld mit mir, sei einfühlsam, versuch mich zu verstehen, akzeptier mich wie ich bin, lass mich einfach sein. Stell keine Anforderungen an mich, mach mir keine Vorwürfe, setz mich nicht unter Druck, denn all das macht mich schwach.
Stattdessen, sei da, wenn ich falle und fang mich auf, reinige meine Wunden, verbinde und pflege sie. Mach mich warm, wenn ich friere, gib mir zu Essen, wenn ich hungrig bin, nimm mich in den Arm, wenn ich nicht mehr weiter weiß, wenn die Verzweiflung mich packt und überwältigt. Beschütz mich, wenn ich am Boden liege und mich nicht mehr wehren kann, tröste mich, bau mich auf, gib mir Kraft, ermuntere mich, treib mich an, richte mich auf. Durch deine Fürsorge werde ich mich immer wieder schnell erholen und bald wieder auf den Beinen stehen. Und dann: zieh dich zurück! Sieh ein, dass du mir auf dem Schlachtfeld nicht helfen kannst, sondern immer nur, wenn ich abends heimkehre um neue Energie zu schöpfen. Gib dir Mühe zu erkennen was in mir vorgeht, was mir jetzt gut täte, was ich brauche und ersehne. Lass mich allein, wenn du merkst, dass ich noch immer im Hochgefühl des Sieges schwelge, damit ich es noch ein Weilchen genießen kann. Reiß mich nicht brutal aus meinen Träumen, sei gefühlvoll und gelassen. Interpretiere mein Schweigen als positiv, als heilsam, als erfolgbringend. Lass dich mitreißen von meiner Zuversicht, meiner Begeisterung und meinem Elan. Gib mir das Gefühl unterhaltsam zu sein. Sieh mich an und lass mich den Glanz meiner Augen in deinen wiedererkennen. Lach mit mir, freu dich mit mir, interessier dich für mich. Hör mir zu, wenn ich was zu sagen habe. Akzeptier meine Schweigsamkeit, wenn sie mich überkommt. Sei verständnisvoll, wenn Erfolglosigkeit meine Laune verschlechtert, wenn ich kraftlos bin vom Tag und nicht mehr fähig dir zu helfen. Sei einsichtig, wenn ich mich wie von Sinnen verhalte, denn oftmals fällt es mir schwer zu sehen, dass ich nicht mehr auf dem Schlachtfeld bin und nicht mehr den Feind vor mir habe. Halte an dich, lass dich nicht anstecken von meiner Angriffslustigkeit, sondern leg ganz vorsichtig und sachte deine Hand auf meine Schulter und warte ab bis mich die Realität eingeholt hat. Sei mir wohlgesonnen, greif mich nicht an, gib mir nicht das Gefühl du seist einer von den Bösen. Sei unempfindlich und hart im Nehmen, denn ich bin es auch. Hab ein Auge für meine Bedürfnisse, versuch zu vermeiden was mich aus der Bahn wirft, belaste mich nicht mit deinen Sorgen und Problemen, grenze mich ab von deinem Leben, aber nicht dich von meinem. Erhebe niemals deine Stimme, denn durch die ständige Anspannung bin ich sehr schreckhaft, schone all meine Sinne, denn durch die lauten Kriegsgeräusche sind meine Ohren sehr sensibel, und meine Augen könnten nicht noch mehr Grauen ertragen.
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