Lieber
Freund,
ich
danke dir für den Mut, den du mir zusprachest. Ich fühle mich jetzt
gut bei dem Gedanken Francis nahe zu legen, welch göttlichen Segen
sie für mich bedeutet. Ich muss dir so Recht geben: man sollte
öfters mal was wagen, einfach mal sagen was man denkt und nicht
immer Angst davor haben einen schlechten Eindruck zu hinterlassen.
Dazu muss ich auch anfangen mehr an mich selbst zu glauben, muss mir
immer wieder vor Augen führen, dass ich um Klassen besser sein kann
als manch anderer Mann in meinen jungen Jahren. Ich will nicht mehr
so viel mit Eigenlob sparen. Einst wurde mir vergewissert, vom Fuße
bis zu den Haaren sei ich von ansehnlicher Gestalt. Seither schallt
dieses Kompliment in meinen Ohren, und dringt durch all meine Poren
direkt in mein Herz, das sich vor Entzücken kaum beruhigen kann.
Doch in diesem Punkte scheint mein Verstand erhebliche Lücken
aufzuweisen; es fällt mir schwer mich hochzupreisen, mich zu
verstehen, mich als interessanten Menschen zu sehen, einfach zu mir
selbst zu stehen und ein Gefühl von Zufriedenheit zu empfinden.
Immer wieder kommen Zweifel auf und ich fang' an mich zu kritisieren.
Dadurch schaff ich es nicht mich zu profilieren, geschweige denn zu
profitieren von Bekanntschaften, die sich durchaus als nützlich
erweisen könnten; da bleib ich haften an Unsicherheit und mangelndem
Vertrauen, die sich in meiner Seele stauen und mir so oft den Mund
verbieten. Ich will sie überwinden! Sie sollen verschwinden, diese
Angst und Beklemmung in meiner Brust. Ich habe keine Lust mehr mich
zu verstecken, mich ständig necken zu lassen, von meinen
Kommilitonen, die hier nebenan wohnen. Es ist schlichtweg anmaßend
und so langsam beginnt's mich rasend zu machen. Ich bin's jetzt leid
und fest entschlossen dem ein Ende zu bereiten. Ein frischer Frohsinn
überkommt mich auf diese Weise voran zu schreiten. Wie ein
Pflänzchen, das langsam Sprossen entwickelt und anfängt zu
gedeihen. Ich will vor die Türe treten und aus vollstem Halse in die
weite Welt hinaus schreien, wie sehr sich die Dunkelheit in mir
erhellt und dass sie mich erwarten möge. Dieser Brief soll mein
erster Schritt sein. Wie gefallen dir meine Worte? Ich hoffe sie sind
von der Sorte, der sich auch dein Verstand bisweilen bedient. Ich
nahm mir vor mich in klarem und schlichtem Stile auszudrücken.
Denkst du es wird ihre Seele in gleichem Maße entzücken wie liebste
Schmeicheleien mir zuweilen das Herz erweichen? Sicherlich ist es dir
zuwider mich in dieser Sache weiter zu beraten, aber ich wollt dir
dennoch all dieses offenbaren. Du schriebst es sei dir schwer daran
gelegen, dass ich wieder mehr lache und meine Regentage weniger
werden. Hierbei könnte ich deine Hilfe sehr gebrauchen; um mehr will
ich dich für den Moment nicht bitten. Ich wollte dich nur wissen
lassen wie lodernd mein Herz wieder brennt. Aus etlichen Gründen
habe ich dir zu danken, denn wiedermal vermochtest du es von Neuem zu
entzünden. Niemals werd ich bereuen dich zu meinem engsten Freund
gemacht zu haben. Dich kenn' ich am längsten von allen, und wie viel
hätt' ich ohne dich versäumt was meine Person mit den Jahren
geprägt.
Ich
danke dir! Fühle dich umarmt von mir,
Dein Freund Gustave
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