"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."

Freitag, 15. Juni 2012

Die Liebe, das bin doch ich!


Regelrecht zusammen gebrochen bin ich über deine letzten Worte, mit denen du mir zu verstehen gabst wie es um deine Gefühlslage bestimmt ist. Wie sehr zerreißt es mich zu wissen von deiner Sehnsucht, deiner Traurigkeit, wie schmerzt mir mein eigen Herz bei der Vorstellung deiner mit Tränen überschwemmten Augen, so sehr, dass ich mir beizeiten beide Hände an die Brust drücke, auf dass es mir nicht würd' entzwei gerissen. Wäre dein Leid nicht um meinetwillen, wie viel erträglicher würde es mir, sei es doch bloß verschuldet durch eine fremde Seele, wie vermochte es mir meine Schuld zu lindern.
Doch dann, ich will doch gerade jetzt nicht leiden um deinetwillen, bin ich doch so ganz erfüllt von Hoffnung durch deine Wahrheit. Denn überkommt mich selbst nicht ein Gefühl von großem Glück und Glauben, wenn du mir zu wissen gibst, dass du dich nicht weiter flüchtest in diese Dunkelheit, und stattdessen die Liebe in dir erkennst und dir diese Erkenntnis so eindringlich ist, weil sie wie ein Erwachen daher kommt, dass du sie hinaus schreien möchtest in die Welt, damit sie auch an mein Ohr dringe.
Doch bringt dem Menschen auch diese Wahrheit die Liebe nicht zurück, wie ist er da erfüllt von der wohl höchsten Trauer, die ein jeder fähig ist zu empfinden, wie möcht' er sie verfluchen und sich ihr entreißen, weil er meint sie überzöge ihm sein Leben mit solch dunklem Schleier. Wie möcht' er verzweifeln über diese Liebe, wenn sie es plötzlich vermag ihn einzunehmen in seinem ganzen Sein, dass er meint er bestünde nur noch aus ihr und zugleich wie wünschte er eben diese Verzweiflung nicht zu empfinden, weil sie ihn mit solch atemraubender Furcht erfüllt. Möge er sich nicht Mut zusprechen, indem er sich lossagte von jener Angst, die sie mit sich bringt. Er soll sie haben! Er soll seinen Blick nicht abwenden von ihr, sondern sich ihr vertrauensvoll hingeben und das Zittern seines Körpers nicht unterdrücken. Denn nur so kann er sie erkennen und nur wer sie erkennt, wird von ihr befreit. Wie wird die Verzweiflung über jene Erkenntnis, dass ihn eben doch dieses Licht erhellt, ohne das er nicht sein kann, weil seine ganze Existenz auf ihm gründet, ihn eben frei von Angst machen und ihn die entscheidende Wahrheit erkennen lassen, die ihn sich empor gehoben fühlen lassen wird, alsbald er sich fragt, ob diese Liebe ihm denn Schmach sein solle oder sein höchstes Glück. Wie wird er da eine nie zuvor gekannte Erfüllung erleben, wenn er es erkennt und laut vor sich hin sagt:
Zugleich wie fühlt er sich empor gehoben durch diese Erkenntnis, weil durch die Verzweiflung über jene ihm die Wahrheit bewusst wird, dass ja diese Liebe auf ewig in ihm bleibt, weil er es ist, in dem sie zuhause ist und sie niemanden braucht um weiter in ihm zu existieren als ihn selbst. Da fängt er an sein Menschsein anzunehmen, weil er erkennt, dass nicht nur er nicht sein kann ohne die Liebe, sondern auch die Liebe nicht ohne ihn, denn wo sollte sie wohnen, wenn nicht im Menschen?

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