Regelrecht zusammen gebrochen bin ich
über deine letzten Worte, mit denen du mir zu verstehen gabst wie es
um deine Gefühlslage bestimmt ist. Wie sehr zerreißt es mich zu
wissen von deiner Sehnsucht, deiner Traurigkeit, wie schmerzt mir
mein eigen Herz bei der Vorstellung deiner mit Tränen überschwemmten
Augen, so sehr, dass ich mir beizeiten beide Hände an die Brust
drücke, auf dass es mir nicht würd' entzwei gerissen. Wäre dein
Leid nicht um meinetwillen, wie viel erträglicher würde es mir, sei
es doch bloß verschuldet durch eine fremde Seele, wie vermochte es
mir meine Schuld zu lindern.
Doch dann, ich will doch gerade jetzt
nicht leiden um deinetwillen, bin ich doch so ganz erfüllt von
Hoffnung durch deine Wahrheit. Denn überkommt mich selbst nicht ein
Gefühl von großem Glück und Glauben, wenn du mir zu wissen gibst,
dass du dich nicht weiter flüchtest in diese Dunkelheit, und
stattdessen die Liebe in dir erkennst und dir diese Erkenntnis so
eindringlich ist, weil sie wie ein Erwachen daher kommt, dass du sie
hinaus schreien möchtest in die Welt, damit sie auch an mein Ohr
dringe.
Doch bringt dem Menschen auch diese
Wahrheit die Liebe nicht zurück, wie ist er da erfüllt von der wohl
höchsten Trauer, die ein jeder fähig ist zu empfinden, wie möcht'
er sie verfluchen und sich ihr entreißen, weil er meint sie überzöge
ihm sein Leben mit solch dunklem Schleier. Wie möcht' er verzweifeln
über diese Liebe, wenn sie es plötzlich vermag ihn einzunehmen in
seinem ganzen Sein, dass er meint er bestünde nur noch aus ihr und
zugleich wie wünschte er eben diese Verzweiflung nicht zu empfinden,
weil sie ihn mit solch atemraubender Furcht erfüllt. Möge er sich nicht Mut zusprechen,
indem er sich lossagte von jener Angst, die sie mit sich bringt. Er
soll sie haben! Er soll seinen Blick nicht abwenden von ihr, sondern
sich ihr vertrauensvoll hingeben und das Zittern seines Körpers
nicht unterdrücken. Denn nur so kann er sie erkennen und nur wer sie
erkennt, wird von ihr befreit. Wie wird die Verzweiflung über jene
Erkenntnis, dass ihn eben doch dieses Licht erhellt, ohne das er
nicht sein kann, weil seine ganze Existenz auf ihm gründet, ihn eben
frei von Angst machen und ihn die entscheidende Wahrheit erkennen
lassen, die ihn sich empor gehoben fühlen lassen wird, alsbald er
sich fragt, ob diese Liebe ihm denn Schmach sein solle oder sein
höchstes Glück. Wie wird er da eine nie zuvor gekannte Erfüllung
erleben, wenn er es erkennt und laut vor sich hin sagt:
Zugleich wie fühlt er sich empor
gehoben durch diese Erkenntnis, weil durch die Verzweiflung über
jene ihm die Wahrheit bewusst wird, dass ja diese Liebe auf ewig in
ihm bleibt, weil er es ist, in dem sie zuhause ist und sie niemanden
braucht um weiter in ihm zu existieren als ihn selbst. Da fängt er
an sein Menschsein anzunehmen, weil er erkennt, dass nicht nur er
nicht sein kann ohne die Liebe, sondern auch die Liebe nicht ohne
ihn, denn wo sollte sie wohnen, wenn nicht im Menschen?
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