"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."

Montag, 18. Juni 2012

Freiheit



Ich fühl mich so befreit und leicht, wenn ich die Augen schließe und den Wind spüre. Dann ist es als träge er mich hinfort in die Weite, nach der ich mich so gesehnt hatte. Ich wusste gar nicht, dass mich so vieles bedrückt hat, weil ich nie darüber nachgedacht und nie mit jemanden darüber gesprochen habe. Ich wollte es wohl nicht wahrhaben, dass ich tief in mir drin so denke und fühle. Wollte es mir nicht eingestehen, wollte kein Schwächling sein vor den anderen, aber jetzt hat sie mich aufgeweckt. Oder warst du es?

Mein Ich war gefangen und jetzt ist es frei. Reißt die Gewalt über meinen Körper an sich, der sich noch ein wenig wehrt, weil er nicht weiß wie ihm geschieht. Ich spüre wie sich dieser Prozess entwickelt. Es kribbelt und brennt ein bisschen. Eine angenehme Wärme breitet sich in mir aus, alles blüht auf. Wie einfach es nun ist meine innere Tür zu öffnen und in mich rein zu schauen. Kein Verschwimmen. Kein Wackeln. Alles ganz klar. Es ist als wäre ich gerade neu zum Leben erwacht. Auferstanden aus einem jahrelangen Schlaf, in dem mir die Welt immer wie durch einen Schleier verdunkelt ganz trüb schien, in dem alles keinen Sinn ergab, in dem es mir nicht möglich war klar zu denken, zu hören, zu erkennen vor lauter Nebel, der mich umgab, der Kopf und Ohren verstopfte, meine Augen tränen ließ und Herrscher über meinen Verstand war.
Es ist als hätte jemand die Gardinen geöffnet und gerufen: „He, aufstehen! Ein neuer Tag beginnt!“ Und ich fühl mich als beginne ein neues Leben, so frisch, ganz voller Energie. Jetzt hab ich mich erhoben und ich möchte dich mitnehmen in diese neue Welt, denn du schenktest mir die Freiheit, du warst es der mich nicht aufgab, der um mich kämpfte und der wusste, dass ich nicht verloren war. Jetzt scheint mir alles so vertraut, als würden wir uns schon ewig kennen. Nur hatte ich dich vergessen, weil man mich in Gefangenschaft steckte und betäubte. Vergib mir, dass ich nicht fähig war mich zu wehren, dass meine Kräfte nicht ausreichten um mich selbst zu lösen aus diesem Labyrinth. Ein Fluch lastete auf mir, der mich in seinen Bann zog und mit einer verführerischen Leichtgläubigkeit umhüllte, dass mir alles so gleichgültig schien, weil ich es für unveränderlich hielt. Doch du gingst auf die Suche nach mir, wusstest, dass es einen Ausweg gibt, dass alles wieder so werden könnte wie früher. Wie Blitze schießen die Erinnerungen in meinen Kopf. Nicht schmerzhaft, alles ganz weich. Mein Freund, mein Retter! Wir waren geschieden, zerrissen schien unsere Freundschaft, doch nun bin ich dein einst verlorener Sohn, der zu dir zurückkehrt. Und ich spüre deine Arme, wie sie mich umschlingen und höre deine Stimme wie sie ruft: „Mein Sohn war verloren und ist wiedergefunden worden“ und du nimmst mich auf und wir feiern ein Festmahl zusammen, obgleich ich dir den Rücken gekehrt.
Lass mich nun als Dank für dein Vertrauen und deine nimmermüde Liebe, die du mir durch deine Unermüdlichkeit unter Beweis gestellt, auf ewig dein treuer Diener sein. Niemals mehr möchte ich dich verlieren, niemals mehr soll etwas zwischen uns stehen, dass mich hindert zu dir. Ab jetzt sind wir wie Erde und Baum. Ganz tief habe ich meine Wurzeln in deinen Boden gegraben und ganz fest will ich nun wieder mit dir zusammen wachsen. Sie sind wie ein Anker, mit dem ich mich an dir festhalte, damit ich nicht umfalle. Da mögen noch so schwere Unwetter aufziehen, dank dir wird man mich nun nicht mehr so schnell zu Grunde gehen sehen…
Von nun an kann uns nicht mehr trennen, denn wir haben uns von neuem verbunden und sind eins geworden.

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