Ich fühl mich so befreit und leicht,
wenn ich die Augen schließe und den Wind spüre. Dann ist es als
träge er mich hinfort in die Weite, nach der ich mich so gesehnt
hatte. Ich wusste gar nicht, dass mich so vieles bedrückt hat, weil
ich nie darüber nachgedacht und nie mit jemanden darüber gesprochen
habe. Ich wollte es wohl nicht wahrhaben, dass ich tief in mir drin
so denke und fühle. Wollte es mir nicht eingestehen, wollte kein
Schwächling sein vor den anderen, aber jetzt hat sie mich
aufgeweckt. Oder warst du es?
Mein Ich war gefangen und jetzt ist es
frei. Reißt die Gewalt über meinen Körper an sich, der sich noch
ein wenig wehrt, weil er nicht weiß wie ihm geschieht. Ich spüre
wie sich dieser Prozess entwickelt. Es kribbelt und brennt ein
bisschen. Eine angenehme Wärme breitet sich in mir aus, alles blüht
auf. Wie einfach es nun ist meine innere Tür zu öffnen und in mich
rein zu schauen. Kein Verschwimmen. Kein Wackeln. Alles ganz klar. Es
ist als wäre ich gerade neu zum Leben erwacht. Auferstanden aus
einem jahrelangen Schlaf, in dem mir die Welt immer wie durch einen
Schleier verdunkelt ganz trüb schien, in dem alles keinen Sinn
ergab, in dem es mir nicht möglich war klar zu denken, zu hören, zu
erkennen vor lauter Nebel, der mich umgab, der Kopf und Ohren
verstopfte, meine Augen tränen ließ und Herrscher über meinen
Verstand war.
Es ist als hätte jemand die Gardinen
geöffnet und gerufen: „He, aufstehen! Ein neuer Tag beginnt!“
Und ich fühl mich als beginne ein neues Leben, so frisch, ganz
voller Energie. Jetzt hab ich mich erhoben und ich möchte dich
mitnehmen in diese neue Welt, denn du schenktest mir die Freiheit, du
warst es der mich nicht aufgab, der um mich kämpfte und der wusste,
dass ich nicht verloren war. Jetzt scheint mir alles so vertraut, als
würden wir uns schon ewig kennen. Nur hatte ich dich vergessen, weil
man mich in Gefangenschaft steckte und betäubte. Vergib mir, dass
ich nicht fähig war mich zu wehren, dass meine Kräfte nicht
ausreichten um mich selbst zu lösen aus diesem Labyrinth. Ein Fluch
lastete auf mir, der mich in seinen Bann zog und mit einer
verführerischen Leichtgläubigkeit umhüllte, dass mir alles so
gleichgültig schien, weil ich es für unveränderlich hielt. Doch du
gingst auf die Suche nach mir, wusstest, dass es einen Ausweg gibt,
dass alles wieder so werden könnte wie früher. Wie Blitze schießen
die Erinnerungen in meinen Kopf. Nicht schmerzhaft, alles ganz weich.
Mein Freund, mein Retter! Wir waren geschieden, zerrissen schien
unsere Freundschaft, doch nun bin ich dein einst verlorener Sohn, der
zu dir zurückkehrt. Und ich spüre deine Arme, wie sie mich
umschlingen und höre deine Stimme wie sie ruft: „Mein Sohn war
verloren und ist wiedergefunden worden“ und du nimmst mich auf und
wir feiern ein Festmahl zusammen, obgleich ich dir den Rücken
gekehrt.
Lass mich nun als Dank für dein
Vertrauen und deine nimmermüde Liebe, die du mir durch deine
Unermüdlichkeit unter Beweis gestellt, auf ewig dein treuer Diener
sein. Niemals mehr möchte ich dich verlieren, niemals mehr soll
etwas zwischen uns stehen, dass mich hindert zu dir. Ab jetzt sind
wir wie Erde und Baum. Ganz tief habe ich meine Wurzeln in deinen
Boden gegraben und ganz fest will ich nun wieder mit dir zusammen
wachsen. Sie sind wie ein Anker, mit dem ich mich an dir festhalte,
damit ich nicht umfalle. Da mögen noch so schwere Unwetter
aufziehen, dank dir wird man mich nun nicht mehr so schnell zu Grunde
gehen sehen…
Von nun an kann uns nicht mehr trennen,
denn wir haben uns von neuem verbunden und sind eins geworden.
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