Lieber
Freund,
mit
mir und meiner Geliebten ist
es aus und vorbei. Am
siebten des letzten
Monats bat sie mich zu gehen. Ich solle verstehen, dass
sie mich unendlich gern habe, jedoch
noch jemand anders ihr
Herz erobert hätte. Ich
weiß es nicht sicher, aber
ich wette es
ist dieser Blonde, mit
dem ich sie zuweilen sehen und
voller Eifersucht ihrem Gekicher lauschen
musste. Irgendwo
wusste ich,
dass es nicht lange halten würde. Dennoch
fällt es mir seither unglaublich
schwer meine Konzentration auf etwas anderes zu lenken und
meinem Leben wieder einen Sinn zu
geben. Ich
fühl mich gefangen wie
die Fliege im Netz der Spinne! Wie will
ich mich lösen von ihr, doch
mein Verlangen hält
weiter an und
die Gewissheit, dass
es nie wieder gestillt, bereitet
mir große Qualen. Ich
habe angefangen zu malen um
mich zu zerstreuen, aber
länger als einige Minuten kann
ich den Pinsel nicht ruhig führen, dann
beginne ich zu spüren wie
sich meine Augen mit Tränen füllen und
sich alle Farben zu einem grauen Gemisch vermengen. Den
Tisch schmeiß
ich um, will
alles in die Luft sprengen, klein
und krumm schlagen,
vor lauter Wut, die
mich überkommt. Langsam
verlässt mich der Mut, weil
es mir so unvorstellbar bleibt ohne
sie zu sein, meine
Beine schlafen mir ständig ein und
vielleicht schon bald mein ganzes Herz. Weißt
du ein Mittel gegen den Schmerz? Wie
ich es schaffen könnt sie schier zu
vergessen? Besitzt
du denn keinerlei Elixier, dass
es vermag mich aufzuraffen und
mir neue Kraft zu schenken? Das
alles gibt mir so sehr zu denken, selbst
meinen Arm würd’ ich mir dafür ausrenken, um
von dieser Sehnsucht befreit zu werden. Ach,
geliebter Freund, vergib
mir meine Beschwerden, dass
ich dir wieder nichts Erfreuliches zu berichten habe,
nur verdichten sich
die Wolken über meinem Haupte immer
mehr, sodass
ich zuweilen schon glaubte, dass
die Bürden des
Lebens einfach zu schwer auf
meinem Herzen lasten würden. Letzte
Nacht wollte ich versuchen mich
zu fangen, so
fing ich an einen langen Abschiedsbrief
an sie zu schreiben. Er
sollte die bösen Geister vertreiben, die
mich in meinen Träumen heimsuchen, mich
aufrichten und
den Nebel lichten, der
mich seit unserer Trennung umgibt. Sie
liebt mich
nicht mehr, hat
es wahrscheinlich nie getan, also
kann ich es mir eigentlich sparen ihr
diese Worte zukommen zu lassen. Vielleicht
lässt du deine Augen mal drüber wandern und
lässt mich wissen ob es sich lohne. Vergib
mir, dass ich dich nicht damit verschone, dich
wieder behelle mit
meinen Sorgen, doch
mir ist als überflute mich eine
riesige Welle, die
mich unter sich verborgen hält. Hilf
mir, lass mich nicht ertrinken, lass
mich nicht in des Meeres Tiefen sinken! Du
warst mir immer ein solch treuer Kamerad. Ich
lad dich
ein zu mir, du
musst mir nichts zahlen. Wir
könnten uns wie früher zusammen auf
den Hügel setzen und
malen und…Hach,
ich würde deine Anwesenheit so
sehr schätzen. Du
bist mir jederzeit willkommen. Fühlst
auch du dich mitnichten beklommen? Ich
will endlich wieder Land sichten, drum
bitt ich dich inständig: schicke
mir ein Rettungsboot, das
mich aus dieser Not befreit und
meinem Leid ein
Ende bereitet! Du
hast mich stets begleitet in
schweren Zeiten, daher
wage ich es voll Vertrauen meine
ganze Hoffnung in dich zu stecken.
Ich
grüße dich recht herzlich, wenn
mir derzeit auch alles schmerzlich erscheint!
Dein Freund Gustave
P.S.:
Den Brief an meine Verflossene lege ich anbei. Bitte
sei so frei und
schreib mir deine Meinung.
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