"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."

Montag, 6. August 2012

Fünfter Brief

Lieber Freund,

mit mir und meiner Geliebten ist es aus und vorbei. Am siebten des letzten Monats bat sie mich zu gehen. Ich solle verstehen, dass sie mich unendlich gern habe, jedoch noch jemand anders ihr Herz erobert hätte. Ich weiß es nicht sicher, aber ich wette es ist dieser Blonde, mit dem ich sie zuweilen sehen und voller Eifersucht ihrem Gekicher lauschen musste. Irgendwo wusste ich, dass es nicht lange halten würde. Dennoch fällt es mir seither unglaublich schwer meine Konzentration auf etwas anderes zu lenken und meinem Leben wieder einen Sinn zu geben. Ich fühl mich gefangen wie die Fliege im Netz der Spinne! Wie will ich mich lösen von ihr, doch mein Verlangen hält weiter an und die Gewissheit, dass es nie wieder gestillt, bereitet mir große Qualen. Ich habe angefangen zu malen um mich zu zerstreuen, aber länger als einige Minuten kann ich den Pinsel nicht ruhig führen, dann beginne ich zu spüren wie sich meine Augen mit Tränen füllen und sich alle Farben zu einem grauen Gemisch vermengen. Den Tisch schmeiß ich um, will alles in die Luft sprengen, klein und krumm schlagen, vor lauter Wut, die mich überkommt. Langsam verlässt mich der Mut, weil es mir so unvorstellbar bleibt ohne sie zu sein, meine Beine schlafen mir ständig ein und vielleicht schon bald mein ganzes Herz. Weißt du ein Mittel gegen den Schmerz? Wie ich es schaffen könnt sie schier zu vergessen? Besitzt du denn keinerlei Elixier, dass es vermag mich aufzuraffen und mir neue Kraft zu schenken? Das alles gibt mir so sehr zu denken, selbst meinen Arm würd’ ich mir dafür ausrenken, um von dieser Sehnsucht befreit zu werden. Ach, geliebter Freund, vergib mir meine Beschwerden, dass ich dir wieder nichts Erfreuliches zu berichten habe, nur verdichten sich die Wolken über meinem Haupte immer mehr, sodass ich zuweilen schon glaubte, dass die Bürden des Lebens einfach zu schwer auf meinem Herzen lasten würden. Letzte Nacht wollte ich versuchen mich zu fangen, so fing ich an einen langen Abschiedsbrief an sie zu schreiben. Er sollte die bösen Geister vertreiben, die mich in meinen Träumen heimsuchen, mich aufrichten und den Nebel lichten, der mich seit unserer Trennung umgibt. Sie liebt mich nicht mehr, hat es wahrscheinlich nie getan, also kann ich es mir eigentlich sparen ihr diese Worte zukommen zu lassen. Vielleicht lässt du deine Augen mal drüber wandern und lässt mich wissen ob es sich lohne. Vergib mir, dass ich dich nicht damit verschone, dich wieder behelle mit meinen Sorgen, doch mir ist als überflute mich eine riesige Welle, die mich unter sich verborgen hält. Hilf mir, lass mich nicht ertrinken, lass mich nicht in des Meeres Tiefen sinken! Du warst mir immer ein solch treuer Kamerad. Ich lad dich ein zu mir, du musst mir nichts zahlen. Wir könnten uns wie früher zusammen auf den Hügel setzen und malen und…Hach, ich würde deine Anwesenheit so sehr schätzen. Du bist mir jederzeit willkommen. Fühlst auch du dich mitnichten beklommen? Ich will endlich wieder Land sichten, drum bitt ich dich inständig: schicke mir ein Rettungsboot, das mich aus dieser Not befreit und meinem Leid ein Ende bereitet! Du hast mich stets begleitet in schweren Zeiten, daher wage ich es voll Vertrauen meine ganze Hoffnung in dich zu stecken.
Ich grüße dich recht herzlich, wenn mir derzeit auch alles schmerzlich erscheint!

Dein Freund Gustave

P.S.: Den Brief an meine Verflossene lege ich anbei. Bitte sei so frei und schreib mir deine Meinung.





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