Lieber G,
Emma entschuldigt sich nun ständig für ihr Mich-Verhätscheln. Nachdem ich meine Depression überwunden habe, kristallisiert sich nun heraus, dass sie es nur schwerlich unterlassen kann, an mir herum zu fummeln. Ihr fällt das ja selbst auf, aber mich stört es derzeit rein gar nicht. Ich bin ja erleichtert, dass sich meine Sorgen nicht bewahrheitet haben. Ihre Berührungen genieße ich sehr. Beizeiten meine ich jedoch, dass dies so nicht richtig sei, und sie wirkt fast auch ein wenig so, als rege sie sich darüber auf plötzlich wieder so vernarrt in mich zu sein. Es scheint, wahrlich böse könne sie mir kaum sein. Wenn ich mich deswegen nun wieder klein fühle, dann gräme ich mich dessen nicht mehr. Der Beweis ist ja erbracht und mir ist's nun wie eine Erleichterung. Ich lebe - ich bin nicht nur schön, kleine Klettenbergerin und auch kein Moritz.
Ach, wenn ich nur jetzt schon Zeit hätte für ein intensives Studium all dieser Schriftstücke. Anzunehmen, dass dieses Verlangen noch zurück zu stecken sei, quält mich, aber dann sag ich mir, dass die Qual ja nur Qual ist, wenn ich sie so bezeichne. Stattdessen soll es mir Vorfreude sein! Die müßigen Stunden, die ich zubringen muss, bis sie mir erfüllt wird, sollt ich mir doch nicht durch betrübtes Gemüt noch müßiger machen. Was hilft's denn? Es ist ja nicht zu ändern und wenn ich dahin komme anzunehmen, dass die Muße und der Fleiß jetzt nicht sein muss, sondern sein soll, dann mögen die Stunden mir gar angenehm verstreichen. Denn gibt es nicht da eine Hoffnung in mir, die geradezu wünscht alles, alles möge schnell vergehen? Manchmal ist's aber ja gerad diese Hoffnung, die mich bange macht, denn wär dieser Wunsch nicht, was gäbs zu fürchten?
Antares
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