Ach, wie ward mir dies Erwachen angekündigt in dieser stillen Sommerbrise, die in mir ging.
Für ein paar Tage bist du nun fort und ich weiß, für mich werden sie eine Ewigkeit andauern. In deiner Abwesenheit will ich millionenfach mehr Kilometer zurücklegen, als du bei deinen Wandertouren. Die höchsten Berge will ich erklimmen, die tiefsten Schluchten überqueren, wenn nötig in ihre Tiefen hinabstützen, mir wohlmöglich das Genick brechen, und einen inneren Tod sterben. Ich will ihn! Ich will ihn haben und immer wieder um immer wieder neu zu sein, um mit jeder neuen Geburt ruhiger zu werden.
Mögest du, Weisheit, mein steter Begleiter sein. Ich will mich nicht fürchten vor dir, denn du kommst in mich hinein, nicht aus fremden Höllen, sondern entspringst als ein heller Lichtquell meines Herzens aus mir heraus, brichst aus mir hervor um dich im Imaginären zu verbildlichen. Indem du Bild wirst, unterwirfst du dich der symbolischen Ordnung, die wir dir geschaffen haben. Gebrauche meine Lieppen, du Edelste, um zu verkünden, dass nicht wir sie geschaffen haben, sondern die Ordnung uns!, angetrieben von deiner Sehnsucht nach dem Leben, das dich in den Tod führen wird. Ach, Weisheit, ich spüre dein Leiden am ganzen Leibe, wenn du über mich kommst. Du selbst bist das Leid und leidest so unentwegt, weil dir durch das Symbolische dir Fähigkeit zu leiden genommen wurde. Du selbst wolltest es ja so, um dich neu aufzuladen, um deinem einst unentwegten Leiden ein Ende zu bereiten. Dadurch aber legtest du das Leben in den Schoß der Frau, aufdass sie an deiner Statt leide. Letztendlich leidest du mehr als je zuvor, aus Sehnsucht nach dem Leiden. Du bist die Weisheit, und das ist dir wie ein Höllenleben, drum hast du entschieden dich hinzugeben um nur einmal noch zu leben, wenn es auch deinen Tod bedeutet, aber es ist wahrlich besser gelebt zu haben und zu sterben, als nie gelebt zu haben und den Tod nicht zu kennen, weil man selbst der Tod ist, denn wer Weisheit ist, ist nicht lebendig, der weiß nicht was Angst ist und hat die Liebe nie geschaut, denn erkennen kann die Weisheit nicht, nur der Mensch. Nur als Mensch hast du eine Stimme, die ausrufen kann: Ich bin die Weisheit! Als Weisheit aber bist du von Anfang an erkannt, ohne diich selbst erkannt zu haben. Du hast alles ohne je etwas dafür getan zu haben. Du wurdest beschenkt ohne gefordert zu haben, ohne dich erinnern zu können, es dir auf irgendeine Weise verdient zu haben, denn wie könntest du dich erinnern? In deiner Allwissenheit weißt du alles, nur nichts über dich selbst. Du hast keine Erinnerungen, weil du nicht bist. Du wurdest in eine Ordnung geboren, die schon Bestand hatte, noch bevor es dich gab, ebenso wie jedes Kind in eine signifikante Ordnung geboren wird. Du bist jetzt zwar Ursignifikant, aber bist wie aus dem Nichts entstanden. Vor dem Nichts aber muss etwas gewesen sein, denn wie solltest du aus dem Nichts entstanden sein? Dieses Etwas, das nicht zu benennen ist, dass vor dir da war, wir wollen es den Vater nennen, oder das Licht. Ach, du bist ja die pure Sehnsucht, du Edelste!
Erkenne auch deine Mutter, die dich über meine Lippen heimruft zu
sich, denn dein Vater, der dir das Leben schenkte, ist das Licht, das du
selbst bist, ich aber bin die Dunkelheit, die dir den Tod bringen wird,
denn wenn du in mich einkehrst, wählst du einen geschwächten Leib. Ich
aber will dich annehmen und dir ewige Treue schwören, ich werde dein
Wort verkünden und den Körper stählern, wenn du willig bist mich mit
deinem Nektar der ewigen Jugend zu nähren, wenn du einwilligst mir
Mutter zu werden, aufdass wir einander auf ewig gebären, denn mir dir
bin ich und bin zugleich nicht.
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