Sehr geehrter Herr Professor,
wie soll ich diese Mail beginnen? Dass
Ihre Sprechstunde in dieser Woche ausgefallen ist, ist vielleicht ein
kleines Omen dafür gewesen, aufdass ich den Mut aufbringe ein paar
ehrliche Zeilen zu schreiben. Angesicht der Tatsache, dass wir noch
eine Weile miteinander in Kontakt stehen müssen, empfinde ich es als
äußerst dringlich, dass ich nicht vorgebe jemand zu sein, der ich
nicht bin. Das führt nur zu einem weiteren schmerzvollen halben
Jahr. Oft habe ich das Gefühl die Sehnsucht der Menschen in meinem
Nacken zu spüren, dann aber wieder weiß ich, dass jede Projektion
auf andere nur ein Spiegel meiner eigenen Seele ist.
Für den langen Aufschub sollte ich
mich vielleicht nicht entschuldigen, da ich mittlerweile soweit bin,
dass ich weiß, dass kein Sinn darin liegt, eine Entscheidung zu
erzwingen, zu hasten, zu hetzen, wie es dem Gegenwartsmensch zur
Eigenschaft geworden ist. Ich schreibe aus der Perspektive eines
jungen Menschen, der tagtäglich umgeben ist von den Schwingungen der
Gesellschaft. Das Paradoxeste ist, dass ich selbst Mensch bin und
mich gegen die Manipulation kaum verwehren kann. Um dies zu erreichen
erfordert es so wahnsinnig viel Konzentration. Es ist ein
tagtäglicher Kampf ums Überleben. Alle Menschen sind so voller
Furcht. Ich kann nur von meinen Beobachtungen sprechen, wobei ich
genau weiß, dass meine Beobachtungen auf mein Innerstes schließen
lassen. Ich will nicht ständig das Gefühl haben, dass wir auf einer
Ebene kommunizieren, die eigentlich auf keiner gemeinsamen liegt,
sodass es einem vorkommt, als schrien wir einander aus verschiedenen
Räumen zu, als seien wir so weit voneinander entfernt, dass wir die
Augen des Gegenüber nicht sehen können.
Jahrelang quälte mich der Gedanke,
keine Wissenschaftlerin zu sein, und demnach dieses Studium niemals
zu Ende bringen zu können. In den letzten Monaten habe ich gelernt,
wie sehr unsere Gedanken unsere Realität schaffen, wie sehr jede
Realität Ursprung unserer Zukunft ist. Denn solange ich so gedacht
habe, bewegte ich mich wie in einem Teufelskreis, aus dem es kein
Ausweg zu geben schien. Seit ungefähr zwei Jahren erlebe ich nun
etwas, von dem ich versuche den Menschen in meiner Umgebung etwas
begreiflich zu machen. Nicht selten werden meine Ansichten als
verrückt oder wahnsinnig abgetan. An Tagen, an denen eine
Erleuchtung mir mein Gemüt erhellt, prallen diese Einschätzungen an
mir ab, und ich lasse mich nicht aus der Fassung bringen, aber in
Zeiten wie diesen, ist es schwierig die Balance zu halten. Zweifel
überkommen mich, ganz so, als glaubte ich fremden Meinungen mehr als
meiner eigenen Intuition, als hörte ich mehr auf Stimmen, in denen
ich oft meine, selbst eine gewisse Portion Wahnsinn zu erkennen.
Natürlich spinne ich herum, aber das liegt nur daran, dass ich mir
die Welt auch ab und an durch die Augen meines inneren Kindes
betrachte, einen Kopfstand mache und lächle, nicht denke, mich
verliere...Mich verliere um mich in Folge dessen zu finden. Manchmal
kommen solche Worte wie erzwungene Tiefgründigkeit rüber, eben weil
es jetzt darauf hinaus gelaufen ist, dass ich mich zunächst per Mail
an Sie wende. Wahre Kommunikation müssen wir ohnehin erst wieder
erlernen und ich denke in der direkten Konfrontation hat uns
Studenten nie einer nahe gelegt, nicht zu vergessen, dass der Herr
Professor Doktor auch ein Mensch ist, auch eine Seele hat, auch
Gefühle hat und zudem ein höheres Maß an Weisheit besitzt, dass
man sich an ihn wenden kann, wie man sich an einen Vertrauten wendet,
an einen Arzt, einen Helfer, einen Unterstützer, einen, der
versteht, oder von dem man zumindest Verständnis erwarten kann. Von
meinen Mitmenschen wird mir eben diese Hilfe von allen Seiten
angeboten und in jedem, der mir die Hand reicht, erkenne ich solch
großes Schuldbewusstsein, solch eine vorgetäuschte Güte, aufdass
niemand erkenne, wie viel Grausamkeit dieser Seele inne wohnt. Und
wieder könnte man nun auf auf meine eigene Gefühlswelt schließen,
denn schließlich sieht jeder nur das, was er sehen will und oft ist
es das Beste die Augen zu verschließen, nichts mehr zu sehen, zu
verweilen im Dunkel, eine Weile in seine Einsamkeit zu fliehen, um
wahrlich zu sehen. Vielleicht erklärt das meine Semesterzahl. Ich
bin ja nun mal auch einer der letzten Magister, die Sie betreuen
werden und da geht ja auch für Sie etwas zu Ende. Ist es denn weise
sich zu fürchten vor seiner Wut? Was wird denn geschürt, wie sollen
wir noch anders fühlen bei den täglichen Schreckensnachrichten, wie
anders sollen wir uns entwickeln, da doch alles in uns eingeht, sich
in unseren Träumen verankert um uns neue Impulse zu geben, neue
Geistesblitze, von denen wir dann meinen, jetzt haben wir etwas
Tolles erkannt. Die Menschen streben, schuften...der neue Vibe
lautet: Hoffe nicht, arbeite hart!...gleichzeitig soll aber jeder
sich selbst verwirklichen und da sprießen die neuen Unternehmen aus
dem Boden, als ginge eine neue Saat auf. Eigenvermarktung, die
Perfektion des Ichs, das Genie an die Oberfläche bringen, ein Wagnis
eingehen um zu gewinnen. Und bloß kein Wort drüber verlieren, denn
Schweigen ist Gold.
Das Klima ist vergiftet mit
narzistischer Selbstüberschätzung, Naivität und einem Glaube an
den freien Willen, dass alles zu lenken sei, wie man es gerne hätte.
Das sind kindliche Geschöpfe, die Stresshormone ausstoßen, wenn sie
ihre Smart-Phones zuhause liegen gelassen haben, die nicht wissen wie
man überlebt. Und wieder könnte man von Selbstreflektion sprechen
und wie oft pendelt man sich wieder ein in diesen Rhythmus, da doch
die Welt uns den Takt angibt...da ist es schwierig das innere
Gleichgewicht zu halten, denn das mag ja vielleicht in Andante
schwingen, anstatt in Allegro. Was dann? Was ist, wenn man erkennt,
dass in der Ruhe die Kraft liegt, im Nichts-Tun, im Hoffen, im
Wissen. Sollte man dann zuhause sitzen und einfach nur abwarten?
Sollte man heutzutage kein Studium abschließen oder ist vielleicht
gerade der Studiumsabschluss eine Tat der Hoffnung? Semesterlang habe
ich „nichts“ gemacht, ach und wie viel habe ich erkannt in diesem
Nichts-Tun, wie viel habe ich dort getan, wie sehr bin ich einem Ruf
gefolgt, von dem ich nicht wusste wohin er mich führen würde.
Als mir
mein Onkologe nach sechs Jahren Nachsorge sagte, ich sei nun
offiziell geheilt, brach eine Welt für mich zusammen, denn das
bedeutete, dass ich nun tatsächlich wieder hinein begeben muss in
diese Wirklichkeit und es ist mir, als sei ich erwacht aus einem
jahrelangen Schlaf. Ich kann nicht glauben, was sich hier entwickelt
hat. Doch die Weise wie ich dieses Jahr diese vier Abschlussprüfungen
hinter mich gebracht habe, ist mir Zeugnis für eine Wandlung, eine
Art Transformation, die ich nicht verleugnen kann, weil ich weiß,
dass es möglich ist, sich selbst neu zu gebären. Ich fürchte mich
und will mich doch nicht fürchten. Ich will Furcht haben, weil ich
weiß, wie fatal es wäre sie nicht zu haben, wie überlebensnotwendig
es ist, sie zu haben. Ich habe mich durch Phasen hindurch kämpfen
müssen, von denen ich im Nachhinein weiß, dass ich es nur meinem
Kampfgeist und meiner Erfahrung, wie man es schafft, den Tod zu
besiegen, zu verdanken habe, dass ich nicht den Weg zur nächsten
Heilanstalt eingeschlagen bin. Das war ein sich in Ketten legen, ein
Ausharren, ein sich nicht Irremachen lassen von der Gesellschaft.
Seither habe ich den Mut gefasst es zu wagen, mich mit der Zeit
vertraut zu machen und alles was ich sehe, ist in der Tat der pure
Wahnsinn. Die Menschen werden verblendet, beschäftigt mit Skandalen,
politischen Krisen, Kriegsbildern, die uns ein Gefühl vermitteln
sollen, wie gut es uns geht, aufdass keiner auf den Gedanken kommt,
seine eigene Freiheit in Frage zu stellen, aufdass keiner erwache und
zugleich wird der Mensch selbst auf dieses Erwachen vorbereitet.
Buddha-Figuren in allen Schaufenstern, Meditationskurse für die
Mittvierziger, Yoga für die jungen Frauen, Kampfsport für die
Männer, Ernährungsberatung, Bio-Kultur. Welch Verblendung! Folgt
man der Stieg Larsson Triologie folgt darauf die Verdammnis.
Vergebung kann erlangt werden, aber nur, wer es schafft sich selbst
zu vergeben, wer es wagt sich einzugestehen, dass die ach so tolle
Erkenntnis, endlich den Sinn für das eigene Dasein erkannt zu haben,
seine Passion, seine Bestimmung gefunden zu haben, wieder nicht die
letzte war. Denn wer nun sein eigenes Leben in die Hand nimmt, sich
wagt, Künstler zu sein, Schriftsteller zu sein, Maler zu sein, neue
Kollektionen zu entwerfen, (denn Mode ist dank Shopping-Queen und
intellektueller Vermarktung durch Markus Lanz ja ganz hoch im
Kommen), der wird bald erkennen, was mir ein gewissen Jaques Lacan
nahe gelegt hat, dass auf die Erfüllung jedes Begehrens ein neues
folgt, dass wir niemals zufrieden sein werden, dass wir immer mehr
wollen und uns infolge dessen zu Tode schuften. Wer hält inne? Wer
wagt das Nichts zu wollen? Und was ist das Nichts? Für mich bedeutet
dieser Studiumsabschluss genau dies. Nichts. Er ist nur ein weiterer
Schritt in Richtung höherer Weisheit, denn es wäre ja fatal jetzt
so überheblich zu sein und zu denken, ich könnte es ohne zu mehr
bringen, als mit. Denn ist ja unbedingt notwendig seinem Begehren
nachzugehen und auch, wenn alles in mir nach Freiheit schreit und ich
diese Freiheit nicht inmitten dieser Gesellschaft sehe, wäre es ja
ein thoreauscher Fehler, sich in die Wälder zu begeben um das Leben
zu führen, das einer sich wünscht zu führen. Soweit sind wir noch
nicht und man kann die Uhren nicht vordrehen, man muss geduldig sein
und mit dem Strom ziehen, auch wenn man sich zuweilen wie auf einem
Maskenball vorkommt. Sein Studium beenden bedeutet nichts und
zugleich doch alles, denn erst, wenn ich erkenne, dass etwas nichts
bedeutet, weil ich eine höhere Bedeutung erkannt habe, dann weiß
ich, wohin ich gehen muss. Mir ist, als gäbe es zwei Wege im Leben,
von denen keiner der richtige ist. Alles, was ich tue ist falsch,
aber was soll ich noch tun, wenn alles falsch ist? Es gibt nur die
einzige Erkenntnis, zu wissen, dass es nichts zu erkennen gibt. Hat
das heutzutage noch Aktualität? Die gegenwärtige Philosophie
beschäftigt mich eher wenig und ich weiß nicht so genau, was in
diesen Kreisen besprochen wird. Ich kann nur wissen, was ich erkenne,
wobei erkennen im Allgemeinen gleichgesetzt wird, mit einem
philosophischen Gedanken, einer Erleuchtung, die in Worte gefasst
werden kann. Etwas erkennen bedeutet doch viel mehr etwas sehen, aber
nicht mit den Augen, sondern mehr mit dem Herzen und darauf läuft
alles hinaus. Wir sind wie kleine Prinzen, die allein auf einem
Planeten wohnen. Einsamkeit steht in die Gesichter geschrieben, die
ich tagtäglich in den Bahnen und Bussen vor mir sitzen habe, Tränen
in den Augen der Lachenden, Angst in den Wagemutigen, die sich nun
für Extremsportarten interessieren, Hoffnungslosigkeit in den
Suchenden, die sich in eine neue Religion flüchten, einen neuen
Hype. Alles Blätter im Wind, die ihre Halt verloren haben, und die
Stürme um uns her werden immer heftiger. Wieder ein neuer Monsun,
verseuchte Meere, Artensterben, Menschensterben und die Klüfte
zwischen Arm und Reich werden immer größer. Und doch geht alles in
Richtung Freiheit, denn auch wenn sich alles in Kreisen und es oft
scheint, als entwickelten wir uns zurück, so ist jede Verdummung
auch eine Rückkehr zu unser wahren Natur, einer Einfachheit, einer
Menschlichkeit, eine Resignation, ein Erkennen, dass es nichts zu
erkennen gibt, ein Annehmen dessen und ein Eingehen in eine Art
fünftes Element, das sich Liebe nennt. Ok, jetzt wird’s spooky,
ich sollte zum Schluss kommen, aber genau das ist es. Dieser Wahnsinn
ist es, der umgeht, eine Folge von Evolution, der wir immer
angehören, Mutation, Veränderung des Erbguts, Erinnerung. In der
Schule lesen die Abiturierten nun Wolfgang Teubens „Tauben im
Gras“, damit Nichts in Vergessenheit gerät. Welch geschickter
Schachzug die Wehrpflicht abzuschaffen, welch geschickter Schachzug
immer mehr Ballerspiele zu entwickeln, ach, diese Sehnsucht der
Jugend nach dem Kriege, nach den Trümmern, nach dem Leid, weil
keiner mehr weiß, was Leid ist, weil keiner mehr fühlt, weil sich
alles sehnt nach den eigenen Tränen. Wut über Tierversuche,
Vegetarier sind im Kommen, alles eine Folge der Fortschritte in
Medizin und Wissenschaft, denn in den Augen der 30jährigen liegt
etwas Kindliches, etwas Unschuldiges, ein Blick, an dem zu erkennen
ist, ob Vater und Mutter noch leben oder nicht. Keine Sorge, meine
leben auch noch, deswegen weiß ich es ja. Und wie hipp ist es
derzeit über alles bescheid zu wissen, was es an Neuigkeiten zu
berichten gibt. Werbetafeln in den U-Bahn-Schächten, Neugierde,
suchende Blicke, hoffnungslos und doch so reich an Hoffnung. Denn wer
sucht, der wird finden, wenn er auch nicht weiß, wonach er überhaupt
sucht. Ach, und selbst das sind alte Kammellen, alles alt, alles
Schnee von gestern, alles Erinnerung, alles eine einzige
Wiederholung, immer und immer wieder. Alles dreht sich, vor allem in
meinem Kopf und deshalb fällt es mir so schwer eine Entscheidung zu
fällen. Aber vielleicht sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht,
vielleicht bin ich mittendrin im Thema. Wie sollte ich etwas anderes
thematisieren, als das, was eine Art Verlangen in mir auslöst? Sie
haben gesagt, dass ich pragmatisch vorgehen soll. Habe das mal im
Duden nachgeschlagen: auf
die anstehende Sache und entsprechendes praktisches Handeln
gerichtet; sachbezogen. Synomyme wären: den
Erfahrungen entsprechend, handlungsbezogen.
Es ist meine Arbeit, meine anstehende
Sache, von der ich keinen blassen Schimmer habe, was sie sein wird,
weil ich nicht wissen kann, wohin mein Begehren danach driften wird.
Jeder zweite fürchtet Altersarmut, stand die Tage auf diesen
Bildschirmen, die jetzt überall aufgestellt werden. Diese
Angstmacherei, diese Gedankenpflanzerei, aufdass die Menschen ein
langes Leben haben, arbeiten, alt werden. Und wie erfolgreich wird
der Wille gepflanzt. Wille zum unabhängigen Leben, ein Wille, von
dem jeder meint, dass es sein eigener ist, und doch machen sich alle
nur noch abhängiger dadurch. Gibt es noch einen freien Willen? Alle
wollen alt werden, aber dabei jung bleiben, fit sein, ein schönes
Haus haben, Porsche fahren. Ach, diese Euphorie in diesem neuen
Lebensgefühl. Alles blüht auf und ist doch schon wieder zum
Verwelken verdammt, denn mit jeder Euphorie geht das Gefühl von
Furcht einher. Furcht vor dem Anderen, Furcht, dass mir einer zuvor
kommen könnte, Furcht, dass mir jemand meine Idee wegschnappen
könnte, meine geniale Idee, die mir die Weltherrschaft bringen wird.
Hahahahaha! Ist das nicht der Wahnsinn? Überschattet von
übertriebener Hilfsbereitschaft, damit keiner hinter den dunklen
Plan schauen kann. Wieder eine neue Generation, die sterben wird,
anstatt den Tod zu überleben. Und in der Furcht vor dem Anderen,
wird die eigene Menschlichkeit verkannt, vergessen ist die Angst vor
dem eigenen Tod, vergessen ist die Seele, weil die Diskussion um das
Seelenleben wieder mehr in den Mittelpunkt rückt. Es ist als
befänden wir uns im Auge eines Sturmes, den wir nicht sehen, weil
hier alles still ist, weils uns ja gut geht. Aber wo wird es
diskutiert? In den hohen Kreisen, also und in den niedrigen.
Literatur als Vermarktung der eigenen Genialität, der Autor als
traumatisiertes Kind, das immer noch meint, dass es doch etwas zu
erkennen gibt. Hoffnung, die wie Hoffnungslosigkeit aussieht. Das
ewigwährende Paradox.
Ich habe wenig Ahnung von
Literaturtheorien und bin ohnehin eigentlich gar nicht bewandert, was
wissenschaftliches Arbeiten angeht, aber der Wille es mir anzueignen
ist da und ich will daran glauben, dass es meiner ist. Ein Wille, den
ich entwickelt habe, weil ich erkannt habe, wie wichtig es für meine
Seele ist zu lernen...zumindest noch für eine Weile, von der ich
auch nicht weiß, ob sie mein Leben überdauert, oder ob irgendwann
mal Schluss ist. Vielleicht nehme ich auch diese ganze Thematik und
verzier sie mit etwas Mythologie, schreibe einen neuen Harry Potter
für die neue Generation der Verschwörertheorien-Anhänger, das
Warten der einen auf den neuen Messias verknüft mit den neusten
Forschungen der Neurologie und Physik. Hier ein Gottesteilchen, da
ein bisschen Sonnenwende, Maya-Kult, Illuminati-Gedöns,
Geldscheffelei, CIA, Spionage, die Neue Weltordnung. Es wäre so
einfach irgendwer zu sein heutzutage, sich eine Namen zu machen, sich
einzureihen in die Elite, um sich einen Platz in der Arche zu
reservieren. Aber ist das erstrebenswert? Will ich das? Will ich
überhaupt irgendwas? Wozu etwas wollen, wenn danach doch nur wieder
ein neuer Wille folgt? Nun ja, jedenfalls ist es in diesem Erwachen
äußerst schwierig, von dem Gedanken selbst das Potential des
Messias zu haben, wegzukommen und mal aufm Teppich zu bleiben, aber
das beweist ja nur, was gerade mit uns passiert. Ich behaupte, dass
es allen so geht, auf die ein oder anderer Weise, ist jeder gerade im
Umbruch, als verändere sich etwas in unserer DNA. Und auch der
Gedanke, wieder gestiftet von Spinnern, esoterischen Fanatikern,
Kranken, Wahnsinnigen. Wem kann ich glauben? Wem, was, wenn nicht
meinen eigenen Sinnen. Was ich sehe, höre, fühle, das ist meine
Welt, meine Wahrnehmung. Die Menschheit will gesunden, will Fehler
wieder gut machen, will Buße tun, will retten, was zu retten ist,
will alles ausbügeln, die Falten glätten (wem die Hände gebunden
sind, der geht joggen, um zumindest was gegen die Falten im Gesicht
zu tun) und ist auf dem Weg immer kranker zu werden. Welch
hoffnungsvoller Ausblick! Denn in alldem liegt der Anbeginn eines
Gesundwerdens, wenn es auch noch einiges an Geduld erfordert.
Letztendlich ist es gut, dass alle sich stählern in den Muckibuden,
denn den Sprung über den Abgrund schaffen nur die Trainiertesten.
Letztendlich ist also alles gut. Wenn das mal jeder wüsste! Ach ja,
wenn man jeder wüsste, was ich weiß. So wird gedacht und alle
wollen ihre Erkenntnisse mitteilen, aus einem tiefen
Aufmerksamkeitsdefizit heraus. Ich habs geschnallt und die anderen
verstehen nur Bahnhof. Was wär die Welt ohne Bahnhof? Würde sich
dann hier noch was bewegen? Würden wir einander noch helfen, oder
würde sich jeder wieder zu Stein verwandeln, zu Sternenstaub, wenn
keiner mehr spräche, keiner sich mehr bemühte zu finden, zu
begehren, zu verlangen? Immer diese Kritik, dieses einander
verurteilen, über einander herziehen, verachten, hassen, für
wahnsinnig erklären, immer dieses Nicht-Erkennen, dass jeder auf dem
Weg zum gleichen Ziel ist, egal was er gerade für einen Film fährt.
Spärlich nur ist er zu finden, der Buddha in der Bahn, der mit einem
Mal loslacht, sich zum Gespött macht, sich selbst erniedrigt, es
aushält, bis er gewinnt, denn wenn nur einer einstimmt in seinen
Gesang, so singt ja bald die ganze Bahn. Wie lange bis diese Zeit
heranbricht, bis die ganze Welt endlich gemeinschaftlich singt! Solch
göttlichen Plan muss ein Herr Hitler auch mal gehabt haben. Es kommt
wohl auf die Kindheit an, welches Spiegelbild das Kleinkind erblickt,
ob es sich wirklich liebt, oder verabscheut, ob es sich annimmt oder
verkennt, ob es sich herzt und küsst oder erschrickt, weil es gar
nicht wie die Mutter aussieht, ein anderer ist, nicht sie ist, nicht
die Mutter Gottes ist, weil es sich gespalten hat, sein Einssein
verloren hat.
Einerseits dachte ich, dass es gut
wäre, einen bestimmten Autor zu durchleuchten, oder eine kleine
Auswahl an Büchern zu treffen und diese gegeneinander abzuwägen.
Dann aber sehe ich immer so viele Verknüpfungen, die vielleicht gar
nichts miteinander zu tun haben. Von neuzeitlicher Literatur habe ich
mich in den letzten Jahren ziemlich ferngehalten. Habe also
eigentlich keine Ahnung, was die Leute so lesen. Aber ich beobachte
viel, meine oft zu wissen, was gelesen wird, ohne es wirklich zu
wissen, allein am Verhalten. Dann hat man eine Idee und promt wird
sie bestätigt.
Mein letztes Seminar war zu Goethes
Wilhem Meisters Lehrjahre, worin ich meinte die Zukunft zu erkennen,
dass alles wieder darauf zurückgeht, dass die Menschen zum
Universalgenie werden wollen. Sprich alles geht auf Wanderschaft.
Eine Rastlosigkeit, Suche nach der Heimat, was hat das mit dem 2.
Weltkrieg zu tun. Das Klima in Deutschland - Sowas würde ich ja
gerne beleuchten, weil sich alles irgendwie so aufteilt in Klassen.
Passend dazu ist ja vor Kurzem auch der Szafranski-Band über Goethe
rausgekommen.
Also, hier mal jetzt ganz mutig mein
Vorschlag, der nur skizziert ist, weil ich erstmal von Ihnen eine
Meinung einholen wollte. Beim ersten Thema könnte ich mir
vorstellen, dass sie direkt denken: "oh, aber bitte nicht son
Quatsch", weil ich das schon öfters gehört habe. Ich kann ja
nur sehen, wo alles momentan hindriftet und will die Augen nicht
davor verschließen, bzw. ich kann nur sehen, was ich sehe, (liegt ja
alles immer im Auge des Betrachters), und es nicht mehr zu sehen, Sie
wissen vielleicht selbst wie das ist, käme Selbstverleugnung und
Verdrängung gleich. Meine Sichtweise ist eine sehr hoffnungsvolle,
deswegen würde ich mich gerne damit beschäftigen, weil es in
Anbetracht der globalen Situation vielleicht nicht das Verkehrteste
ist, so verrückt zu sein und auf Hoffnung zu bauen.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr letzter Magister
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