"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Leere Worte

Die Leere im Kopf, oft ist sie mir wie Lustlosigkeit, manchmal Langeweile oder Antriebslosigkeit, wenngleich ich mich auch nicht unbedingt träge fühle, sondern mehr wie non-existent. Dann besitze ich keine Worte, meine ihrer auch nicht zu bedürfen. Der Schreiber sollte zu dieser Liebe aber stehen, zu seinem Körper, der so gerne die Worte schreibt, sonst ist er ja nicht im Gleichgewicht mit sich. Er sollte die Worte ziehen lassen können und gleichzeitig wissen, dass sie daraufhin auch immer wieder zu ihm zurück schwingen. Manchmal unterdrücke ich sie, als ob sie sich beim Ausschwingen einer Schaukelleidenschaft hingäben, Schwung holten und aus mir heraus in den Himmel hinauf flögen. Will ich sie nicht zurück, so hab ich ja nie Gewalt über sie, sondern nur über mich. Verschwinde ich, rücke mich fort von meinem Standpunkt, verschiebe mich, wenn auch nur um eine Stelle, so schwingen die Worte beim Zurückpendeln an mir vorbei. Ich sehe sie noch, betrachte sie aus der Entfernung, die zwischen uns ist. Ich sehe sie an und denke mir nichts bei ihrem Anblick. Sie pendeln an mir vorbei, hinter mich in den Kosmos hinein. Ich stehe still, halte sie nicht auf. Sie ziehen von dannen und mir ist nicht länger als würde mir dabei etwas verloren gehen. Einst war ich ja wie besessen ihnen nachzublicken und soviel wie möglich einzufangen. Jetzt stelle ich fest, dass die Worte ein Eigenleben haben. Sie merken, dass etwas nicht stimmt. Sie erinnern sich an mich, da ich ja ihr Ursprung bin. Einige Male schwingen sie vor und zurück. Ich verhalte mich ruhig und sie schwingen vorbei. Mit jedem Besuch im All sind es nun weniger geworden, stelle ich fest, als würden einige verpuffen oder hinunter fallen. Es soll mich nicht kümmern!
Ich trauere ihnen nicht nach und doch ist meine Sehnsucht grenzenlos. Mein Atem geht ruhig, der Puls schlägt ganz normal, kein Schlucken, kein Augenblinzeln. Ich lasse sie los, lasse mich los, löse mich von mir, von meiner Stimme. Und da, nach ein paar Schwingungen wirken selbst die Worte träge, so als fehlte ihnen eine Quelle, durch die sie normalerweise hindurch pendeln, die sie aber durch meine Verschiebung verfehlen. Sie sind energielos, spüren, dass es mir ihnen zu Ende geht. Ihnen fehlt die Waschung durch mich, die Erneuerung, Reinigung. Schwingen sie durch mich, bleibt das Unschöne, der Sternenstaub des Alls in mir haften, verklebt mir die Synapsen. Krank machen sie mich, weil ich sie ständig von ihrem Dreck befreie. In meiner Verschiebung bin ich wie eine Vogelmutter, das die Sprößlinge aus dem Nest schubst. Fliegt, fliegt ohne mich! Reinigt euch selbst! Stille ist in mir, doch gerade meine Stille zieht die Worte an. Ich bin unsichtbar, sie sehen mich nicht dort stehen und sie an mir vorüber schwingen sehen. Doch mein Atem ist da, er ist immer da, wie die Luft. Er zieht sie zu mir zurück, als so als änderten sie den Kurs. Sie wollen nicht sterben, brauchen mich, wollen sich nähren an mir. Sie selbst verschieben sich also um eine Stelle um wieder auf mich zu treffen und da passiert's! Sie schwingen wieder in mich hinein, aber ich halte sie nicht, drücke sie nicht an mich wie ein Vater, der seine verlorenen Söhne wiedergefunden hat, sondern stelle mich tot, als würde ihre Rückkehr mir rein gar nichts bedeuten. Ich spüre ihre Freude, ihren Lebenswillen, ihre Liebe für ihren Schöpfer. Es scheint als ließen sie mich kalt, aber das stimmt nicht, es ist mehr als habe ich angenommen, dass sie zwar aus mir entsprungen sind, aber nun nichts mehr mit mir und meinem Leben zu tun haben. Ich will sie nicht an mich binden, wie ein Kerkermeister. Kein Gefühl hab ich mehr für sie: kein Verlangen ihnen nachzufolgen, keine Trauer, dass etliche mal da waren, aber nie zurückgekehrt sind, keine Reue über mein tatenloses Zusehen. Früher hätte ich mich gemahnt: Tu doch was! So schöne Worte und du lässt sie einfach ziehen, schreibst sie nicht auf! Jetzt weiß ich: das ist der wahre Friede, wenn der Schreiben sich selbst überkommt, Worte gebiert, eine Geschichte erzählt, von der keiner weiß wessen Geiste sie entsprungen ist. Wie hab ich mich überstiegen in meinem Sprung und siehe, nun will alles zu mir, weil alles immer zu dem will, der nichts will. Deswegen will der Mensch auch immer das, was er nicht hat, ihm fehlt lediglich sein Tod um zu erkennen, dass er alles haben kann, wenn er aufhört etwas haben zu wollen, denn eigentlich hat er ja alles, da alles er ist. Ach, Tod! Wie gut, dass ich dich hab!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen