Die Leere im Kopf, oft ist sie mir wie Lustlosigkeit, manchmal
Langeweile oder Antriebslosigkeit, wenngleich ich mich auch nicht
unbedingt träge fühle, sondern mehr wie non-existent. Dann besitze
ich keine Worte, meine ihrer auch nicht zu bedürfen. Der Schreiber
sollte zu dieser Liebe aber stehen, zu seinem Körper, der so gerne
die Worte schreibt, sonst ist er ja nicht im Gleichgewicht mit sich.
Er sollte die Worte ziehen lassen können und gleichzeitig wissen,
dass sie daraufhin auch immer wieder zu ihm zurück schwingen.
Manchmal unterdrücke ich sie, als ob sie sich beim Ausschwingen
einer Schaukelleidenschaft hingäben, Schwung holten und aus mir
heraus in den Himmel hinauf flögen. Will ich sie nicht zurück, so
hab ich ja nie Gewalt über sie, sondern nur über mich. Verschwinde
ich, rücke mich fort von meinem Standpunkt, verschiebe mich, wenn
auch nur um eine Stelle, so schwingen die Worte beim Zurückpendeln
an mir vorbei. Ich sehe sie noch, betrachte sie aus der Entfernung,
die zwischen uns ist. Ich sehe sie an und denke mir nichts bei ihrem
Anblick. Sie pendeln an mir vorbei, hinter mich in den Kosmos hinein.
Ich stehe still, halte sie nicht auf. Sie ziehen von dannen und mir
ist nicht länger als würde mir dabei etwas verloren gehen. Einst
war ich ja wie besessen ihnen nachzublicken und soviel wie möglich
einzufangen. Jetzt stelle ich fest, dass die Worte ein Eigenleben
haben. Sie merken, dass etwas nicht stimmt. Sie erinnern sich an
mich, da ich ja ihr Ursprung bin. Einige Male schwingen sie vor und
zurück. Ich verhalte mich ruhig und sie schwingen vorbei. Mit jedem
Besuch im All sind es nun weniger geworden, stelle ich fest, als
würden einige verpuffen oder hinunter fallen. Es soll mich nicht
kümmern!
Ich trauere ihnen nicht nach und doch ist meine Sehnsucht
grenzenlos. Mein Atem geht ruhig, der Puls schlägt ganz normal, kein
Schlucken, kein Augenblinzeln. Ich lasse sie los, lasse mich los,
löse mich von mir, von meiner Stimme. Und da, nach ein paar
Schwingungen wirken selbst die Worte träge, so als fehlte ihnen eine
Quelle, durch die sie normalerweise hindurch pendeln, die sie aber
durch meine Verschiebung verfehlen. Sie sind energielos, spüren,
dass es mir ihnen zu Ende geht. Ihnen fehlt die Waschung durch mich,
die Erneuerung, Reinigung. Schwingen sie durch mich, bleibt das
Unschöne, der Sternenstaub des Alls in mir haften, verklebt mir die
Synapsen. Krank machen sie mich, weil ich sie ständig von ihrem
Dreck befreie. In meiner Verschiebung bin ich wie eine Vogelmutter,
das die Sprößlinge aus dem Nest schubst. Fliegt, fliegt ohne mich!
Reinigt euch selbst! Stille ist in mir, doch gerade meine Stille
zieht die Worte an. Ich bin unsichtbar, sie sehen mich nicht dort
stehen und sie an mir vorüber schwingen sehen. Doch mein Atem ist
da, er ist immer da, wie die Luft. Er zieht sie zu mir zurück, als
so als änderten sie den Kurs. Sie wollen nicht sterben, brauchen
mich, wollen sich nähren an mir. Sie selbst verschieben sich also um
eine Stelle um wieder auf mich zu treffen und da passiert's! Sie
schwingen wieder in mich hinein, aber ich halte sie nicht, drücke
sie nicht an mich wie ein Vater, der seine verlorenen Söhne
wiedergefunden hat, sondern stelle mich tot, als würde ihre Rückkehr
mir rein gar nichts bedeuten. Ich spüre ihre Freude, ihren
Lebenswillen, ihre Liebe für ihren Schöpfer. Es scheint als ließen
sie mich kalt, aber das stimmt nicht, es ist mehr als habe ich
angenommen, dass sie zwar aus mir entsprungen sind, aber nun nichts
mehr mit mir und meinem Leben zu tun haben. Ich will sie nicht an
mich binden, wie ein Kerkermeister. Kein Gefühl hab ich mehr für
sie: kein Verlangen ihnen nachzufolgen, keine Trauer, dass etliche
mal da waren, aber nie zurückgekehrt sind, keine Reue über mein
tatenloses Zusehen. Früher hätte ich mich gemahnt: Tu doch was! So
schöne Worte und du lässt sie einfach ziehen, schreibst sie nicht
auf! Jetzt weiß ich: das ist der wahre Friede, wenn der Schreiben
sich selbst überkommt, Worte gebiert, eine Geschichte erzählt, von
der keiner weiß wessen Geiste sie entsprungen ist. Wie hab ich mich
überstiegen in meinem Sprung und siehe, nun will alles zu mir, weil
alles immer zu dem will, der nichts will. Deswegen will der Mensch
auch immer das, was er nicht hat, ihm fehlt lediglich sein Tod um zu
erkennen, dass er alles haben kann, wenn er aufhört etwas haben zu
wollen, denn eigentlich hat er ja alles, da alles er ist. Ach, Tod!
Wie gut, dass ich dich hab!
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