Lieber Antares,
Vorhin bin ich rüber zu den
Kleingärten. Ich malte mir ein Leben in einer gemieteten Gartenlaube
aus. Im Sommer könnt man drin wohnen und im Winter verreisen. Die
Miete beträgt jährlich sechshundert Taler. Eine ältere Dame mit
der ich ins Gespräch kam, erzählte mir von Einbrüchen und
Diebstählen, aber dagegen könnt man sich ja schützen. Nimm mich
nicht für voll! Alles Rumspinnerei, aber wenn ich derart rumspinne,
dann seh ich alles klarer. Dann fang ich die letzten Sonnenstrahlen
bewusster ein. Beizeiten war mir in der Stille, da nichts zu hören
war als ein Zirpen und Säuseln, ein Rascheln und Knacken im Gebüsch,
ein Summen und Brummen kleiner Flugobjekte, und mein Blick in den
Baumkronen hing, das hier könnt auch Afrika sein. Die Sonne brannte
auf meinen Wangen und ich spürte die Schweißperlen auf meiner Brust
herunter rinnen und sich in den kleinen Trichter sammeln. Ich
erinnere mich wie ich als Kind in der Badewanne lag und dort ein
Wasserbecken entstehen ließ. Mein Körper war dann die Wüste und
zwischen den kleinen Sandhügelchen befand sich diese kleine Oase.
Ich nahm die kleinen Spielfigürchen und sie erwachten zum Leben.
„Dort, eine Oase!“ rief dann der Pirat oder Cowboy, und ich
erfand mir eine Geschichte nach der anderen, die ich mir selbst
erzählte. Oft hab ich mich gefragt wie es wohl wäre so klein zu
sein, und irgendwie wünschte ich mir manchmal zu verstehen wie sich
das wohl anfühlt. Heute merk ich...der Traum ist wahr geworden. Ich
bin klein, winzig, unbedeutend...nicht nur, weil ich in einer
Gartenlaube wohne. Ach, ich will noch kleiner werden um dem
geringsten gleich zu werden! Könnte ich mir nicht selbst hier ein
Paradies errichten? Die Bäume und Sträucher bekomm ich dazu. Dann
noch ein Baumhaus und eine Schaukel an den Ast gebaut. Welch ein
Schlumpfen-Leben das wär! Wie ein immerwährender Urlaubstag! Ganz
nah beieinander, im Grünen wohnen, nicht viel arbeiten, einen
Brunnen bauen, einen chinesischen Garten anpflanzen. Du solltest auch hinaus und dich von der Natur heilen lassen. Lass dir doch deine Stille anfüllen, Antares!
G
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