"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."

Dienstag, 23. Oktober 2012

Ach, ich will noch kleiner werden um dem geringsten gleich zu werden!

Lieber Antares,

Vorhin bin ich rüber zu den Kleingärten. Ich malte mir ein Leben in einer gemieteten Gartenlaube aus. Im Sommer könnt man drin wohnen und im Winter verreisen. Die Miete beträgt jährlich sechshundert Taler. Eine ältere Dame mit der ich ins Gespräch kam, erzählte mir von Einbrüchen und Diebstählen, aber dagegen könnt man sich ja schützen. Nimm mich nicht für voll! Alles Rumspinnerei, aber wenn ich derart rumspinne, dann seh ich alles klarer. Dann fang ich die letzten Sonnenstrahlen bewusster ein. Beizeiten war mir in der Stille, da nichts zu hören war als ein Zirpen und Säuseln, ein Rascheln und Knacken im Gebüsch, ein Summen und Brummen kleiner Flugobjekte, und mein Blick in den Baumkronen hing, das hier könnt auch Afrika sein. Die Sonne brannte auf meinen Wangen und ich spürte die Schweißperlen auf meiner Brust herunter rinnen und sich in den kleinen Trichter sammeln. Ich erinnere mich wie ich als Kind in der Badewanne lag und dort ein Wasserbecken entstehen ließ. Mein Körper war dann die Wüste und zwischen den kleinen Sandhügelchen befand sich diese kleine Oase. Ich nahm die kleinen Spielfigürchen und sie erwachten zum Leben. „Dort, eine Oase!“ rief dann der Pirat oder Cowboy, und ich erfand mir eine Geschichte nach der anderen, die ich mir selbst erzählte. Oft hab ich mich gefragt wie es wohl wäre so klein zu sein, und irgendwie wünschte ich mir manchmal zu verstehen wie sich das wohl anfühlt. Heute merk ich...der Traum ist wahr geworden. Ich bin klein, winzig, unbedeutend...nicht nur, weil ich in einer Gartenlaube wohne. Ach, ich will noch kleiner werden um dem geringsten gleich zu werden! Könnte ich mir nicht selbst hier ein Paradies errichten? Die Bäume und Sträucher bekomm ich dazu. Dann noch ein Baumhaus und eine Schaukel an den Ast gebaut. Welch ein Schlumpfen-Leben das wär! Wie ein immerwährender Urlaubstag! Ganz nah beieinander, im Grünen wohnen, nicht viel arbeiten, einen Brunnen bauen, einen chinesischen Garten anpflanzen. Du solltest auch hinaus und dich von der Natur heilen lassen. Lass dir doch deine Stille anfüllen, Antares! 

G

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