"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."

Samstag, 27. Oktober 2012

Ach, wenn sich doch meine Worte vom Blatt in die Welt erheben könnten!

Lieber G,

wie gütig! Gestern erhielt ich Emma's Segen für meine Herzenswünsche. Sie sähe Dinge aber eben aus anderen Persektiven und ich solle nicht versuchen diese zu ändern. Ich sagte, für mich seien alle gleich und sie echauffierte sich darüber, dass doch ein ehrenwerter Mann nicht mit einem Halunken gleichzusetzen wäre. Wenn ich Menschen als gleichwertig einstufe, dann nur weil ich bei jedem von seiner reinen Seele ausgehe. Wie sich einer gibt, steht doch immer in direkter Abhängigkeit zu dem ab, was er erfahren hat. Neigt jemand zum Gemeinen oder Negativem, so bedarf er doch am ehesten meiner Hilfestellung. Bertram ist doch sehr in der Waage, weil er nicht entschieden ist, wohin sein Weg führen soll, aber doch zugleich kurz vor der Entscheidung. Ich will ihm ja nur einen Stups geben, um seine Gedanke anzuregen, und nicht gar zwanghaft in eine Richtung lenken. Das tut er ja auch für mich und ich bin stets dankbar drum. Wenns ständig heißt, ich würde manipulieren, dann dürft ich ja gar nicht mehr da sein, denn wirke ich nicht immer ein? Wenn sich einer eine Sache wähle und sich mit seinem Herzen dazu verpflichtet, dann sollte er doch nicht zweifeln, ob er nicht lieber wieder von diesem Kurs abkommen sollte, sondern eben dieser Pflicht nachkommen, so gut er kann. Ach, und was ist meine Pflicht? Was kann ich denn schon? Die Schreiberei wirds wohl kaum sein. 
Wie oft denke ich, dass es meine Bestimmung ist, Worte aneinander zu rücken, aber dann weiß ich nicht sicher, ob es nicht gesprochene Worte sein sollen, anstatt geschriebene. Ich würd gern dran glauben, dass um die Welt zu bewegen, ich nur eben dies tun muss, dass ich keinen Leser, keinen Zuhörer brauche, außer mich allein, weil es die Welt schon in dem Moment bewegt, in dem es mich bewegt. Ich könnte doch fragen: Wirkt denn meine Bewegung nicht in die Welt hinein? Ich aggiere! Reicht das nicht? Nur weil es niemand sieht, heißt es ja nicht, dass es unsichtbar bleibt in der Welt. Ich bewege ja Atome und Moleküle umher nur durch die Bewegung, die mein Stift macht. Immer fließender reihe ich meine Buchstaben aneinander. Wenn alles miteinander vernetzt ist wie ein Atomkern dessen Moleküle miteinander in Verbindung stehen, dann hat jede Bewegung Einfluss. Drücke ich demnach diese Stiftmiene auf das Papier, so verändere ich seine Beschaffenheit. Vorher war die Seite weiß, jetzt ist sie beschrieben. Ich verändere die Struktur des Blattes. Ach, wenn sich doch meine Worte vom Blatt in die Welt erheben könnten! Kann ich mir ein Wort mit einer Seele denken? Ach, so wär mir ja jeder Buchstabe wie ein Kind, das ich gebäre. Je mehr ich schreibe, desto mehr Seelen schweben durch die Luft. Ich wünschte mir die Luft erfüllt von meinen Worten und einen, der dichtet: Der Wind, der Wind, das himmlische Kind! 

Antares

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen