Lieber G,
diese Stille, immer diese Stille! Wieso kann ich nicht in ihr schwelgen, warum muss sie mich mit Nervosität plagen? Ich würd sie so gern als angenehm empfinden. Stattdessen ist mir immerzu flau. Auf meine Arbeiten kann ich mich nicht konzentrieren und um mich noch tiefer in diesen Zustand des Selbstmitleids zu versinken, greife ich wieder zur Flasche. Ach, wieso will man im Leid nur stets noch tiefgründiger leiden? Na, so ist's ja einfach, nicht? Doch ich bin gewillt, mich zu bemühen, mich meiner Lethargie zu entziehen. Wenn nicht um meinetwillen, dann zumindest um Emma nicht weiter zu belasten. Dass ein Mensch solch Geduld aufbringen kann, entfacht meine Bewunderung. Sie muss mich ja wahrlich lieben, mich in solch Verfassung zu ertragen. Ihre Fürsorge ist mir so angenehm, dass mir die Ahnung kommt, mein Leiden sei mir nur Mittel zu diesem Zwecke, denn wenn ich so stöhne und depremiert bin, dann kann sie ja kaum von mir lassen. Lächelnd bringt sie mir den Tee ans Bett und täschelt mir die Wangen. Brennt das Fieber mir auf der Stirn, so wickelt sie meine Waden in kühle Tücher und misst meine Temperatur. Vielleicht fürchte ich, ihre Liebe könnt nur auf ihre Fürsorge begründet sein und sie würd sich entlieben, wenn sie merkte, dass ich stark genug sei mich allein zu versorgen. Ist es das? Leide ich wieder nur aus Angst?
Antares
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