Der Hölle Rache
kocht in meinem Herzen
doch zugleich zwitschert
der Vogelfänger sein Liedchen
Skepsis bei Ingo, Verblüffung bei Klaus
er stockte und suchte mir mit Allgemeinbildung über die Länder der Erde zu gefallen, indem er Rastafaris Route mit dem Finger entlang fuhr und die einzelnen Stationen benannte, an denen dieser Halt zu machen gedenkt. Dass er in seiner Nervosität Dubai nach Afrika verschob, schien ich, so tat ich, nicht zu bemerken. Ich stellte mich dumm, aber ließ ihn erzählen. Er muss das ja lernen! Und wie kam er in Wallung mit seinen Berichten über die Weltumsegler-Familie. Meine Faszination ließ ihn seine Angst vergessen und er stimmte mir ein in meiner Hochachtung, die ich den mir Unbekannten ausspracht. Ach, welch Sehnsucht spürte ich in seinem Herzen nach diesem Mut, eben diesen gleich zu tun, Sehnsucht nach all den Ländern und Meeren, von denen er jetzt schon ahnt, dass sein Auge sie niemals schauen wird. Von jenem Wunsch und Verlangen nach der Ferne jedoch, sprach er kein Wort, doch in seinen Augen stand sie mir geschrieben wie auf weißes Papier, ebenso wie seine Selbstzweifel darüber niemals solch Matrose zu werden, ganz so als habe er schon ohne Boot Schiffbruch erlitten, wie dann sowas schaffen! Seine Augen waren blau, vielleicht grün. Das fahle Deckenlicht vermochte das Farbenspiel um seine schwarzen Pupillen verfälschen. Mal schimmerte es mir rötlich, und ich malte ihm im Geiste Rubine unter die dunklen Brauen, deren Härchen in alle Richtungen wucherten. Seinen Vortrag überdauernd versäumte ich keines seiner Worte, ohne seiner Erzählung anhaltende Aufmerksamkeit zu schenken. Es war mir als seien meine Reaktionen vorher bestimmt, als las ich sie ab von unsichtbaren Blatte und alles war so passend und von Authenzität gepragt, dass ihm nicht auffiel, wie ich in meinem Hirne mir Gespinste zusammen reimte und Visionen einer Zukunft nachhing, die mir im leisen Nachhall seiner Worte so greifbar wurde, dass ich sie mir beizeiten so in die Vergangenheit rückte, dass ich meinte er erzähle mir von meinen eigen erlebten Abenteuern. Ach, welch Vorfreude konnte ich empfinden in seiner Begeisterung für das ihm so ferne Leben, und zugleich war mir alles Erinnerung, ganz so, als sei ich es gewesen, vor dem sich Tausende von Meilen kein Land hatte erstreckt. In diesem Nichts, wie er es nannte, wie spielte sich mir darin die ganze Welt wider, als sei mir sein Nichts alles und sein Mangel an Vorstellung für die Unendlichkeit des Blickes inmitten des Ozeans ward angefüllt und überflutete mich, dass ich wahrlich spürte wie mir die innere Leere ganz so als sei ich Meeresgrund und er das Wasser, das mich mal mit leichten Wogen umspülte, mal jedoch über mir tobte und aufwühlte. Wer vermag diese Massen zu fassen? Jedes Tröpfchen ist ja anders beschaffen, wie auch er und ich, doch als ich ihn ansah, ward er mir gleich, in seinen Gebärden, seinem Luftholen zwischen den Gedanken und Worten. In die kleinen Poren, die wie kleine Sprenckel um seine Nase herum tanzten, tauchte ich ein und ward er, mit all seinen Sinnen. Ach, da ist's kein Wunder, dass ich mir meine Einwürfe zurecht legen konnte, als sei dies Gespräch selbst wie eine Weltreise. Alles war mir eine kleine Station und stets war mir, als sei ich schon hier gewesen.
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