"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."

Mittwoch, 5. September 2012

Sechster Brief

Lieber Freund,

der Schmerz den ich bezüglich meiner Trennung von Francis empfinde, will nur spärlich ein Ende nehmen. Sie hat mir wahrlich das Herz gebrochen, doch in Zuständen der Verzweiflung gelingt es meinen Händen viel besser sich dem Fluss des Schreibens hinzugeben, weil dieses Gefühl von Verzagtheit es vermag eine gewisse Sentimentalität in mir anzuregen. Ich muss das ausnutzen bevor es zu spät ist, bevor mein Verstand erneut beschließt eine Pause einzulegen, denn dann ist er zu nichts mehr zu bewegen, nicht mal eine paar simple Verse wollen mir dann gelingen und es scheint als könne rein gar nichts ihn umstimmen, ihn inspirieren
und geniale Gedanken zu entwickeln. Wie einen Kranken muss man mich gar behandeln, weil die Leere in meinem Kopf mich peinigt, ja beinah' steinigt, sodass mir das Wandeln unmöglich erscheinen will. Eine Apatie kommt über mich, die mich still zum Weinen bringt, jedoch an jeder Art von Bewegung zu hindern, jede Tat, meine Pein zu lindern, im Keim zu ersticken vermag. Ach, schon wieder klag ich, nur fühl ich mich so ungemein betrogen von der Liebe, die dich erst in leichten Wogen umspült, dich einlullt und berieselt; alles ganz leis' bis ein Tumult dich aus deinen Träumen reißt und einen Orkan aufkommen lässt. Lauf, lauf, tönt
es aus ihm heraus, doch wie jedermann weiß, kommt man in Gewässern nur schwer voran. Er saust und braust um dich herum, wirft dich immer wieder um, bis dein Körper es schafft sich mit letzter Kraft an Land zu werfen. Regungslos liegst du da, nach der Schärfe deiner Sinne suchend. Vergeblich! Die Sonne sticht
dir ins Gesicht, und vermag dich zu blenden, deine Ohren scheinen allein dem Rauschen des Meeres lauschen
zu wollen, das dich zu betäuben vermag. Der Wille dich dagegen zu sträuben ist kaum verhanden, er glitt
dir aus den Händen, wie einst das Glück und die Liebe verschwanden, sie nahmen ihn mit und waren nie mehr gesehen. Deinen Beinen fehlt jegliches Gespür, deinem Herzen scheint jede Tür verschlossen. Ich will Leitern erklimmen, doch ihre Sprossen brechen unter mir zusammen. Zum Scheitern bin ich verurteilt, flüstern die Stimmen in meinem Kopf, sie sprechen mit tausend Zungen. Das Böse weilt in meiner Seele, meinem Herzen, meinen Lungen und in den Haaren, die ich zum Zopf trage. Manchmal frage ich mich ob mir das Glück wohl jemals wieder hold sein, ob mir jemals wieder ein Mensch von soviel Glanz und Gold begegnen werde. Eins weiß ich, mein Freundenstanz würde von ewiger Dauer sein. Doch derzeit überkommt mich
ein Schauer nach dem anderen; der Teufel liegt auf der Lauer, ich kann ihn spüren, das Feuer, das ihn umgibt, und die zugleich eisige Kälte. Was passiert mit mir? Mir ist das alles nicht mehr geheuer, immer noch schelte ich mich für was geschehen, doch vielleicht war das alles ja des Teufels Vergehen. Was würdest du an meiner Stelle vermuten? Vermagst du es mir einen guten Rat zu geben? Denn so kann ich einfach nicht weiter leben. Welchen Weg sollte ich anstreben und einschlagen? Welches Risiko sollte ich wagen? O verzeih, ich überschütte dich mal wieder mit Fragen, doch diese Verwirrung zerrüttet mir so langsam mein Herz, und ich weiß nicht mehr weiter. Und wieder hoffe ich auf deine Unterweisung, die mich vor einer erneuten Entgleisung meiner Selbst bewahrt.
Für deine Reise wünsche ich dir eine gute Fahrt!

Herzlichst, Dein Freund Gustave


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