Es war ein Mal vor langer Zeit, da die
Götter sich zusammen taten um dem Ruf zu folgen, den sie gehört
hatten, denn da war einer unter ihnen, der sich auf ein Schiff begab
und mit reichen Schätzen heimkehren sollte. Sein Name war Antares
und er war in der Waage geboren. Aufdass er wohlbehalten von seiner
Reise zurück fände, sprachen die Götter zu ihm: „Antares, sieh
zum Himmel! Der hellste Stern der Waage, er soll dir den Weg nach
Hause weisen.“ Antares jedoch antwortete: „Der hellste Stern
leuchtet am Himmel meines Herzens. Er wird mir den Weg weisen.“
Seine Frau Sophia begann zu weinen, denn sie verstand seine Worte.
Das Volk jubelte und preiste ihn für seine Weisheit und seinen Mut.
Sie versprachen ihm ein Festmahl für seine Rückkehr. Antares sprach
nicht mehr. Er blickte von dem Podest, von dem aus er vom hohen Rat
verabschiedet wurde, auf die Menschen hinab. In ihren Gesichtern
stand so viel geschrieben. Er sah in ihre Herzen und alles war ihm
voller Farben. Sein Blick war verträumt, als er sah, wie sich die
Empfindungen vermischten. Die dort hoffen auf mich, jene bangen um
mich, in der Ferne recken sie die Köpfe um einen letzten Blick auf
mich zu werfen. Sie wissen es ohne es zu wissen, dass sie mich nicht
wiedersehen werden und doch wie werde ich die bevorstehenden Stürme
überstehen, eben weil sie sich ihres Wissens nicht bewusst sind. Ihr
Gläubigen, eure Hoffnung auf mich wird mir Nahrung sein für etliche
Jahrtausende. Ach, mein Herz, sauge nur diese Liebe in dich auf, die
dir Männer, Frauen und Kinder entgegen bringen. Sie wünschen dir
Glück und ersehen dich zu berühren, aufdass ihr Wunsch in dich
übergehe. Sie meinen zu scheitern, doch wie sehr bin ich berührt
durch diesen Anblick. Da kam eine Brise auf und trocknete seine
Tränen.
„Antares, die Segel sind gehisst!“
rief einer seiner Kameraden. „Nun gut, lasst mich noch ein paar
Worte des Abschieds an meine Brüder und Schwestern richten: „Ein
Abschied sollte nicht kurz ausfallen, doch wir haben ausgiebig
gefeiert und in keinem von euch ward das Böse für eine ganze Nacht!
Jetzt ist es an der Zeit, dass ich von euch gehe, doch ihr könnt das
Kommen der Erlösung in großer Vorfreude erwarten, denn wenn ich
zurückkehre, wird die Ernte groß sein. Weint nicht um meinetwillen,
sondern erwartet meine Rückkehr. Da brach ein Jubel aus und die
Menschen lagen sich in den Armen, ganz so als sei Antares gerade im
Moment seines von ihnen gehens schon wieder bei ihnen angekommen.
Antares lachte und weinte ausgelassen, während er seinen Weg zum
Hafen antrat um mit seinem Schiff in See zu stechen. Es trug den
Namen Maiblume, da seine Reise am ersten des fünften Monats beginnen
sollte. Die Menschen begleiteten ihn zum Ufer mit lauten Gesängen
und viel Musik, doch seine Frau Sophia wartete reglos vor der Planke,
die ihr Mann daran war zu überqueren. Sie bemühte sich ihn so
fröhlich zu verabschieden wie die anderen, doch als er sie an sich
drückte, spürte er ihren Schmerz wie einen Stachel. Ihm war als
liefe alles Blut aus seinem Herzen, so tief war die Wunde in Sophias
Brust. „Du, meine Schönste, du weine um mich und deine Tränen
werden zu Gold werden.“ Zum Abschied legte er ihr ein Amulett um
und sprach: „Als Zeichen meiner ewigen Liebe, schenke ich dir diese
Kette, die mich für alle Ewigkeit an dich binden soll. Sie zeigt ein
doppeltes E, denn in meinem Fortgehen wird auch deine Liebe ewig
währen. Eines Tages werde nicht ich zurückkehren, sondern du selbst
und wirst meine Zeugin sein, dass ich wahrlich zurückgekehrt bin, in
dir. Die vier Farben stehen für die vier Elemente. Das Grün ist die
Luft, sie steht für das Leben, das Violett ist das Wasser, es steht
für die Vergebung, das Gelb ist die Erde, sie steht für die
Unvergänglichkeit und das Weiß ist das Feuer, es steht für den
Tod. Es wird eine Zeit kommen, da wird das Feuer ein Leben
auslöschen, und einen Wüstenplanet hinterlassen, doch ich bin
Antares, der Gott der Vergebung, und ich werde dich einlassen in das
Haus meines Vaters inmitten des sechsten Monats, drei Tage nach dem
neuen Mond. An dem Tag werde wir eingehen in die Unendlichkeit, wenn
du einkehrst, in das Himmelreich.
Du wirst als Engel wandern auf Erden,
bis dich die Liebe ergreift und dich vermenschlicht. Am Tag der
Unabhängigkeit wird dich mein Schriftführer gebären.
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