"We are, who we are, because of what we learn and what we remember."

Montag, 16. Juli 2012

Immer wieder ist's ein neues Tal, ein neuer Berg

 Lieber G,

Welch Lethargie! Aber in Anlehnung an das, was ich heute erfahren durfte, wird mir der Grund für meinen Trügsinn bewusst. Diese Totenstille in mir, sie war ja dem guten Geist gewidmet. Mit ihm starb sein Kind, mit ihm bin auch ich gestern gestorben und es in mir! Wie hatte mir letztlich eine Ahnung innegewohnt, dass es sich auf diese Weise entwickeln würde, dass es Menschen geben wird, die mir Missverständnis entgegen bringen, aber mir wird verziehen werden. Das kann es auch. Emma ist mir Beweis, dass der Mensch gut ist von Grund auf, auch wenn ich in ihr ebenso dunkle Abgründe erkennen kann wie in jedem anderen. Es ist ja nur daran, sich von ihnen zu entfernen, indem man sich eben mitten hinein begibt. Doch immer wieder ist's ein neues Tal, ein neuer Berg! Es nimmt ja doch kein Ende. Heute ist mir wieder zum Sterben zumute. Ach, wie das klingt, aber eben weil der Wunsch so in mir brennt, will ich niemanden sehen. Mich treibt nichts, und doch wünsche ich nichts sehnlicher als mir selbst Antrieb zu sein. Ich fühle mich zurück versetzt um ein paar Monate, da ich das Pendel anbrachte. Wie war es seither kaum von nöten es anzuschubsen, doch heute will ich mich seiner Bedeutung erinnern. Ich weiß genau was mich im tiefsten Innern zermürbt. In Mathilda brennt der Hass mir gegenüber. Oberflächlich geht es um Bertram, aber in ihren Tiefen dreht sich wohl alles um das, was sie vor Emma kurz anzudeuten wusste und mir in ihrem Gesang mitzuteilen gedachte. Ich weiß es, und sie wird nun auch bald davon in Erfahrung gesetzt. Gerade kehrte ich vom Spaziergang heim, da war mir, als habe die Wanderung etwas in Bewegung gesetzt, aufdass mir bewusst würde, dass ich stets nur die Dinge vermag zu erkennen, die in weiter Ferne liegen, nie jedoch das, was sich ganz nahe vor meinen Augen abspielt. Ich will meinen Blick nicht mehr allzu sehr in die Zukunft gerichtet halten, die sich mir in der Ferne auftürmt. Vielleicht ist's auch eine Art Erkenntnis, dass ich schon inmitten dieses Vorsatzes bin, und vielleicht ist meine Verzweiflung gerade aufgrund dessen so groß, weil ich dabei bin das ständige Abschweifen zu unterlassen, und nun meinen Blick wieder mehr auf mich selber richte. Denn bin ich es nicht leid das Gefühl zu haben, nur für andere zu leben? Ist es denn nicht so, dass eben das mein Plan ward, dass ich diese Konzentration auf meinen Nächsten mir nur Mittel zum Zwecke ward, um dort heilend einzuwirken, wo ich Verursacher von Zerstörung ward? Für andere hat es den Anschein, ich wollte mir ständig alles so biegen, wie es mir zum Besten ist, dabei wars ja nur meine Sehnsucht nach einem Worte des Lobes, aufdass sie erkenne, dass mir die Fähigkeit zu einem Mehr anheim ist, zumindest eine vielseitigere, als sie mir stets hatte zusprechen wollen. Ach, warum bedarf ich ständig der Worte? Konnt ich denn nichts aus der Stille erlesen? Und jetzt da sich das Blatt so zu meinen Gunsten geändert hat, ist es mir bald ein Graus, dass sie mir ständig ihren Glauben an mich beteuert, ganz so als fehlte mir da die Herausforderung. Ich will doch solcher Worte nicht bedürfen, um über mich hinauszuwachsen, sondern es aus eigenem Antriebe und Willen zustande bringen. Ach, ich will doch den Gegensatz aufheben und eben meine Kraft aus jedem ihrer Zusprüche ziehen. Wie braucht der Künstler eine Geliebte, die eben ihr Leben nicht der Kunst widmet. Lebt sie im Moment, so ist sie mir wie nicht von dieser Welt und ist mir wie eine Meisterin. Ich weiß jetzt, dass alles keine Eile hat. Wir haben doch noch unser ganzes Leben vor uns! Wie hab ich gezweifelt in meinem Glauben, aber so langsam verflüchtigt sich der Zweifel und siehe: wie sehne ich ihn da wieder herbei! Will ich denn insgeheim hin und hergerissen sein? Ich meine ständig schaukeln zu wollen, doch der Mensch muss stillstehen um das auszuführen zu können, was er jetzt tun soll. 
Dieses Leben ist genau das, was ich brauche, aber ich will nicht in diesem Kleinsein gefangen sein. Mir geht es heute wieder besser durch diese Erkenntnisse und ich weiß, dass der Monat mich in die Mangel nehmen wird. Vollen Mutes will ich mich ihm stellen!  

Antares

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